Die Werte Recht und Ordnung als gültige Übereinstimmung einerseits und
als Schutz des Individuums gegen Irrsinn, Barbarei und Chaos andererseits.
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Wie das merkwürdige Sentiment in all unserem Tun und wie die Hypostasierung von Gegenständen, Personen und Gemeinschaften, durch die gezeigte widerspruchsreiche Substantivierung von Prädikaten so gehört auch diese Schere noch zu den allgemeinen Phänomenen, die von hier aus entsprechend ungenau erscheinen, die genauso irreal und undeutlich wie real sind, je nachdem Menschen danach handeln und denken, aber bereits zur realen groben Begriffsstruktur gehören. Daß wir uns mit solchem Beispiel trotz Annäherung noch immer in einem quasi makroskopischen Abstand zu jener Begriffsstruktur befinden, mit der wir Menschen denken und handeln und mit der wir uns nun mal verständigen müssen, solange wir unsere Gedanken nicht gegenseitig ohne Sprache mitteilen können, sehen Sie daran, daß zu dem jeweils gemeinten Phänomen immer noch eine breite Palette von Bereichen und Begriffen gehören, die zueinander teils sogar von entgegengesetzter Bedeutung sind, wenn immer wir von einem Wertesystem, von solcher Schere oder überhaupt von Sprache und den entsprechenden Bedeutungen für uns reden. Ohne die Ungenauigkeit als Problem zu empfinden, was es in unserer Zeit jedoch zunehmend wird, reflektieren wir kaum, daß wir mit solchen Werten samt den Wertungen sowohl Ethisches wie Verhaltensmuster, Verhaltenszwänge und Vorstellungen übernehmen, an uns haben und praktizieren, von denen einige vielleicht einst lebenswichtig, heute aber fragwürdig sind, wobei sich die Verhältnisse der vergangenen 5000 Jahre wohl schneller änderten, als daß die hochkomplexen Strukturen eine sinnvolle Anpassung zuließen, wobei wir die Strukturen des Sentiments und der Werte, Religionen und Kulturen noch gar nicht kennen, die weit komplizierter sind, als die Grammatik einer Sprache. So sind z.B. Familie, Traditionen, Ämter und Funktionen, Macht und Einfluß innerhalb des Bildes unserer Schere noch eng verknüpft mit der Wirkung, die ein Titelhat, der dabei bereits ja viel mehr ist, als nur eine Bezeichnung, wozu dann z.B. als etwas ähnliches wie ein Titel auch Alter, Körpergröße, Geld, eine Kleidung oder eine Uniform u.s.w. sehr viel damit zu tun hat, ob etwas gültig oder ungültig ist, und was dann nicht nur die Entscheidung beeinflussen kann und soll, ob z.B. eine Ehe samt Familie zustande kommt, sondern mit dem verknüpft auch entscheiden kann, ob wir etwas für wahr oder unwahr, falsch oder richtig halten, - und gerade dies sollte immer reflektiert zur allgemeinen Menschenkenntnis und zu unserem Urteil gehören, wenn wir dann auch diese Sicht oder diesen Gesichtspunkt fast aus den Augen verlieren, um genauere Zusammenhänge in der inneren Begriffsstruktur zur Sprache bringen, die dann so aussehen, als seien allein sie es, die unser Denken, Handeln und auch unser Lebensziel bestimmen, was mit vorigem Abstand nur wie Fassade und Beiwerk aussah.
So unsinnig es dann, nämlich aus der eher mikroskopischen Sicht der Analyse, auch scheinen mag, daß wir Menschen die Wahrheit oder Richtigkeit einer Aussage oder Erkenntnis nicht nur nach dem Gesagten beurteilen, d.h. nach der jeweiligen Logik oder Plausibilität und auch nicht von der eigenen Erkenntnis her, wenn wir z.B. das Produkt 13 mal 13 = 169 vor uns haben, sondern auch davon abhängig machen, wie alt oder stark, reich und mächtig derjenige ist, der das sagt oder welche Uniform oder Kleidung und Kopfbedeckung er trägt, und welche Position er in der Gesellschaft hat oder beansprucht, so sollten wir uns dennoch dessen immer bewußt sein, sowohl bei dem, was wir glauben und denken, wie erst recht bei dem, was wir sagen und tun, wozu aber an Menschenkenntnis auch gehört, daß wir dies oft nur scheinbar Unsinnige des sog. Äußeren als Wahrheitskriterium gar nicht mehr wahrnehmen - und genau deswegen nicht vergessen sollten, wenn wir uns genauer mit der scheinbar eigentlichen Form des Gesagten oder Erkannten befassen, wenn wir z.B. die Trigonometrie der Mathematik scheinbar ganz unabhängig von jenem sozialen Gerangel glauben. Es wäre nicht nur weltfremd, solche Differenz in den unterschiedlichen Gesichtspunkten einfach zu bestreiten, sondern auch gefährlich, nicht wahrzunehmen, von welchem Gaul und wohin man selbst getragen wird.
Was uns nämlich bei dem Beispiel einer verkündeten wie befohlenen Wahrheit wie „das Produkt 13 mal 13 = 169" oder „dort das Ding ist ein Auto" ganz selbstverständlich zu sein scheint, daß sie aus sich selbst heraus stimmt oder nicht stimmt, wie wir es dann aus der mikroskopischen Sicht heraus ableiten, scheinbar ganz gleichgültig dann davon, wie der- oder diejenige aussieht oder welches Amt der- oder diejenige bekleidet, wer immer das verkündet, verdeckt sowohl das, was wir die eigene Kompetenz des Urteils nennen, die inzwischen jeder für sich beanspruchen darf, als sei sie unbeeinflußt, wie erst recht all das, dem wie uns auch dann bereits gebeugt haben, wenn wir überhaupt Zahlen und mathematische Regeln benutzen, die uns - wenn auch kaum noch als solche erkennbar - wie schon gesagt - aber doch als Konvention ganz autoritär von irgend jemand beigebracht wurden, der sie ebenfalls übernehmen mußte, um sie lehren zu dürfen, was uns aber bezüglich der Mathematik oder eines Autos weniger oder gar nicht relevant und problematisch zu sein scheint, als gegenüber Glaubensfragen.
In meinem Brief an die junge PDSlerin, Petra Pau, spreche ich von 30 000 bis 300 000 sog. natürlichen und künstlichen, d.h. im letzteren Fall menschgemachten Werten, nach denen wir werten und richten, gleichgültig, welcher Weltanschauung, Partei, Religion oder Konfession und welcher Bildung und Berufsgruppe wir zugehören, also mehr, als wir sprachliche Wörter und Begriffe dafür hätten, die ohnehin alle selbst dazugehören; und es werden genau gesehen weit mehr als 300000 sein, was ganz plausibel wird, wenn wir noch hinzuzählen, daß eigentlich jeder wertende und klassifizierbare Gedanke, den jeder Mensch in der Welt bei seinem Verhältnis zu einem anderen hat, hierzu gehört. Die beiden Kategorien der Skala „wert" und „unwert", nach denen solche Werte wie z.B. Körpergröße, Physiognomie, jeweiliger Auftritt und jeweiliges Aussehen, Stand, Bildung, Geld u.s.w. unser Urteil, Denken Verhalten bestimmen, sind natürlich nicht unsere Schere, in die sich meist zugleich jeder selbst einordnet, wann immer er andere einordnet; dennoch gehören umgekehrt natürlich die Kategorien Oben und Unten dieser Schere zu dem großen Komplex unseres Wertesystems und sollte uns möglichst ebenso bewußt sein, wie diese Schere.
Dieses alles vermittelt sich durch dieses selbst als Erfahrung eines Geschehens an uns und nur selten in Form einer Information und Reflexion über es, wie in meinem Fall, oder wie in weisen Ratschlägen und Sprüchen auf dem Kalenderblatt. Wo wir Befehl, Dressur, Erziehung, Vorbilder, Bildung und die Gegenwart und Macht einer Allgemeinheit und unsere Abhängigkeit von ihr und unsere Möglichkeiten durch sie erfahren, was wir seit Beginn einer bewußten Soziologie im vorletzten Jahrhundert mit dem undeutlichen Begriff Sozialisation umschreiben, wozu mit allem Gerangel und mit allen Konventionen und Traditionen natürlich auch die Sprache gehört, fühlen wir uns ebenfalls nicht ohne Grund zugehörig, sondern weil die Zugehörigkeit selbst zu diesen Werten und ihrer Struktur gehört.
Eben in Zeiten des Wandels, der seit etwa 5000 Jahren die Menschen zu einer ganzen Menschheit mit einer zunehmend gemeinsamen Wertestruktur werden läßt, wird manches lächerlich, falsch und tötlich, was einst vielleicht weise, nützlich, sinnvoll und gut war, und gilt andererseits manches als modern und gut bzw. schlecht, falsch und böse, was nicht minder fragwürdig sein kann. Was ich hier im Vorgriff als Reflexion auf die Problematik des moderneren Wertbegriffs „Wissenschaftlichkeit" deutlich machen kann, den ich später als künstliche Brücke sogenannter Objektivität über einen sogenannten Abgrund subjektiver Relativierung alles Menschlichen noch deutlicher machen muß, soll hier nur die Vielzahl unserer Werte illustrieren: Man kann sich zwischen der Zahl EINS und DREI unendlich viele Mengen, Reihen und Größenwerte denken, was sich im Koordinatensystem leicht mit den unendlich vielen Möglichkeiten veranschaulichen läßt, beliebig viele Linien, Kurven und Figuren zu setzen,
 , die wir uns alle aus unendlich vielen Punkten bestehend denken, die man auch Werte nennt, die man aber auch als Richtungen, Wahrheitswerte, Wahrheit, Prädikate, Gedanken, Absichten, Handlungen oder Namen bezeichnen kann, was uns seit Newton und Leibnitz, der sie Monaden nannte, geläufig ist, weil sie trotz der Nulldimensionalität dennoch geometrischen und menschliche Eigenschaften haben, da wir z.B. einen exakten Kreis , wenn auch immerhin,aber dennoch  immer nur malen wollen und nur intendieren und uns der Intention oder Absicht nur nähern können, - da wir wissen, daß wir nur die wenigsten mit unseren Zahlen genau bezeichnen könnten, was anschaulich wird, wenn wir die letzten 100 000 Stellen von Pi variieren wollten. ( die ersten 1000 Stellen von Pi sind:
3,14159265358979323846264338327950288419716939937510582097194459230781640628620862086280348253421170679821480865
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Natürlich sind dies nicht die Werte unseres Wertesystems. Deutlich wird aber, wie dabei, nämlich bereits bei diesem Ansatz von analytischer Philosophie und Wissenschaftlichkeit, die religiöse, soziale und ethische Dimension, die seit Menschengedenken bestimmte Zahlen und geometrische Figuren hatten und bis heute auch innerhalb solcher Wissenschaftlichkeit ja haben, undeutlich wird. Was Gerold Prauss daran in seiner Handlungstheorie ( „Die Welt und wir", Band 2, Metzler-Verlag, Stuttgart.) als Blindheit, Animismus und Dingverfallenheit auch und gerade solcher Wissenschaftlichkeit noch entlarft, begründet und beklagt, liegt in dem intersubjektiven Verhältnis jeder Prädikation zwischen Begriff einerseits und dem Namen, Wahrheitswert oder Gegenstand, den wir auf Grund der Struktur unser Erkenntnis immer zuerst als anderes Subjekt wahrnehmen, so unsinnig es z.B. gegenüber einem Stein oder einer Zahl auch scheinen mag.
Gottlob Frege und Bertrand Russell kamen dem Phänomen quasi mit zunehmender Blindheit für die eigene Befangenheit und damit für die wichtige Lösung näher, je präziser sie das Problem zu benennen versuchten, wobei Russell den Sorites der Menge als das heute anerkannte Russellsche Antinom präzisierte, was er letztlich doch als ein grammatisches oder syntaktisches Problem bezeichnet:
Der Ursprung dieser (analytischen) Philosophie ist in der Arbeit von Mathemati-kern zu suchen, die ihr Gebiet von Trugschlüssen und allen auf unsorg-fältigem Denken beruhenden Fehlern zu reinigen begannen. Die gro-ßen Mathematiker des siebzehnten Jahrhunderts waren Optimisten, denen an raschen Ergebnissen lag; infolgedessen beließen sie es bei den unsicheren Grundlagen der analytischen Geometrie und der Infinitesimalrechnung. Leibniz glaubte an wirksame Infinitesimale, aber wenn dieser Glaube auch seiner Metaphysik entsprach, so war er doch nicht gründlich mathematisch fundiert. Bald nach der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bewies Weierstraß, daß sich der Kalkül ohne Infinitesi-male aufstellen läßt, und verlieh ihm dadurch endlich logische Gewiß-heit. Dann kam Georg Cantor, der die Theorie der Stetigkeit und der unendlichen Zahl entwickelte. Vor seiner Definition war »Stetigkeit« ein vager Begriff gewesen, geeignet für Philosophen wie Hegel, der me-taphysische Unklarheiten in die Mathematik einzuführen gedachte. Cantor gab dem Wort eine präzise Bedeutung und zeigte, daß Stetigkeit in seiner Definition der Begriff war, den Mathematiker und Physiker benötigten. Damit war ein großer Teil der Mystik überholt, darunter auch die Bergsonsche.
Cantor machte auch dem uralten logischen Kopfzerbrechen über die unendliche Zahl ein Ende. Sehen wir uns die Reihe der ganzen Zahlen von 1 aufwärts an; wie viele solche Zahlen gibt es? Ganz offensichtlich ist ihre Anzahl nicht endlich. Bis zu Tausend sind es tausend Zahlen, bis zu einer Million eine Million. Welche endliche Zahl man auch nimmt, stets muß es noch mehr Zahlen als diese geben, denn von 1 bis zu der betreffenden Zahl haben wir gerade die genannte Anzahl von Zahlen, und darüber hinaus gibt es weitere, die noch größer sind. Die Anzahl endlicher ganzer Zahlen muß also unendlich sein. Nun aber kommt etwas Sonderbares: Die Anzahl der geraden Zahlen muß die gleiche sein wie die Anzahl aller ganzen Zahlen. Sehen wir uns die bei-den folgenden Reihen an:
1,2,3,4, 5, 6...
2, 4, 6, 8, 10, 12..
Es stehen immer zwei Zahlen untereinander; deshalb muß die Zahl der Glieder in beiden Reihen die gleiche sein, obwohl die untere Reihe aus nur halb soviel Gliedern besteht wie die obere. Leibniz, der dies be-merkte, sah darin einen Widerspruch und schloß, daß es wohl unendli-che Mengen, aber nicht unendliche Zahlen gäbe. Georg Cantor bestritt kühn, daß es sich um einen Widerspruch handle. Er hatte recht; es ist nur ein Kuriosum.
Georg Cantor definierte als »unendlich« eine Menge, deren Teile ebenso viele Glieder enthalten wie die ganze Menge. Auf dieser Basis vermochte er eine höchst interessante Theorie unendlicher Zahlen auf-zubauen, womit er einen ganzen Bezirk, in dem zuvor Unklarheit und mystisches Dunkel geherrscht hatten, in den Bereich der exakten Logik einbezog.
Der nächste bedeutende Mann war Frege, der sein erstes Buch 1879 und seine Definition der »Zahl« 1884 veröffentlichte, aber trotz des epochemachenden Charakters seiner Entdeckungen keine Anerken-nung fand, bis ich 1903 auf ihn aufmerksam machte. Bemerkenswert ist, daß vor Frege jede vorgeschlagene Definition der Zahl elementare lo-gische Fehler aufwies. Es war üblich, »Zahl« mit »Anzahl« zu identifi-zieren. Aber ein Beispiel für »Zahl« ist eine bestimmte Zahl, etwa 3, und ein Beispiel für 3 ist eine bestimmte Dreiheit. Eine Dreiheit ist eine Anzahl, aber die Gattung aller Dreiheiten — welche Frege mit der Zahl 3 identifizierte — ist eine Anzahl von Anzahlen; und die Zahl im allge-meinen, für die 3 ein Beispiel darstellt, ist eine Anzahl von Anzahlen von Anzahlen. Der elementare grammatische Fehler, diese mit der ein-fachen Anzahl einer gegebenen Dreiheit zu verwechseln, machte die ganze Philosophie der Zahl vor Frege zu einem Konglomerat von »Un-sinn« in des Wortes strengster Bedeutung.
Aus Freges Arbeit ergab sich, daß die Arithmetik und die reine Ma-thematik ganz allgemein nur eine Fortsetzung der deduktiven Logik sind. Damit war Kants Theorie widerlegt, daß arithmetische Sätze »syn-thetisch« seien und eine Beziehung zur Zeit einbegriffen. Die Entwick-lung der reinen Mathematik aus der Logik wurde im einzelnen in den Principia Mathematica von Whitehead und mir dargestellt.
Allmählich stellte sich heraus, daß ein großer Teil der Philosophie sich auf etwas reduzieren läßt, was man als »Syntax« bezeichnen kann, wenn auch dieser Begriff hier in einem etwas weiteren Sinne als ge-wöhnlich anzuwenden ist. Einige Leute, vor allem Carnap, haben die Auffassung vertreten, alle philosophischen Probleme wären in Wirk-lichkeit syntaktische Probleme; wenn Fehler in der Syntax vermieden werden, ist jedes philosophische Problem damit entweder gelöst oder als unlösbar erkannt. Ich halte das für eine Übertreibung, und Carnap ist jetzt auch dieser Meinung; zweifellos aber ist eine philosophische Syntax bei traditionellen Problemen äußerst nützlich.
Wie nützlich sie ist, möchte ich durch eine kurze Erklärung der soge-nannten »Beschreibungstheorie« veranschaulichen. Unter »Beschrei-bung« verstehe ich eine Wendung wie »Der gegenwärtige Präsident der Vereinigten Staaten«, wobei ein Mensch oder eine Sache nicht durch einen Namen, sondern durch eine Eigenschaft beschrieben wird, von dar man annimmt oder weiß, daß sie ihm oder ihr eigen ist. Aus solchen Wendungen ist viel Unklarheit entstanden. Angenommen, ich sage:
»Der goldene Berg existiert nicht«, und man fragt, »Was existiert nicht?«, und ich antworte darauf: »Der goldene Berg«, so würde es ja so aussehen, als legte ich ihm eine Art von Existenz bei. Augenschein-lich behaupte ich damit etwas anderes, als wenn ich sage: »Das runde Quadrat existiert nicht.« Das scheint implizite zu besagen, der goldene Berg sei etwas anderes als das runde Quadrat, obwohl beide nicht exi-stieren. Die Beschreibungstheorie war dazu bestimmt, mit solchen und ähnlichen Schwierigkeiten aufzuräumen.
Nach dieser Theorie verschwindet bei richtiger Analyse einer Aus-sage, die einen Ausdruck wie etwa »der So-und-So« enthält, der Aus-druck »So-und-So«. Nehmen wir beispielsweise die Feststellung »Scott war der Verfasser des Waverley«. Die Theorie interpretiert diese Fest-stellung folgendermaßen:
»Nur ein einziger Mann schrieb Waverley, und dieser Mann war Scott«, oder ausführlicher:
»Eine Wesenheit c ist so beschaffen, daß die Behauptung >x schrieb Waverley< nur richtig ist, wenn x gleich c ist; zudem ist c gleich Scott.«
Die Bedeutung des ersten Teils bis zu dem Wort »zudem« wird defi-niert als: »Der Autor von Waverley existiert (oder hat existiert oder wird existieren).« Somit bedeutet »der goldene Berg existiert nicht«:
»Es gibt keine Wesenheit c, die so beschaffen ist, daß >x ist golden und bergig< nur dann richtig wäre, wenn x gleich c ist.«
Mit dieser Definition hat das Kopfzerbrechen über die Bedeutung der Aussage »Der goldene Berg existiert nicht« ein Ende.
»Existenz« kann nach dieser Theorie nur von etwas Beschriebenem ausgesagt werden. Wir können zwar sagen »Der Verfasser des Waverley existiert«, nicht aber »Scott existiert«, denn das wäre schlechte Grammatik oder vielmehr schlechte Syntax. Hierdurch wird mit einer zweitausend Jahre alten, bei Platos Theaitet beginnenden Unklarheit über die »Existenz« aufgeräumt.

Trotz der Ahnung oder des Wissens, daß er sich auf unsicherem Boden oder im Bereich einer Fallgrube befindet, was seine Rückversicherung verdeutlicht, protegiert er mit heftiger Sentimenz wenn auch pragmatisch dennoch ganz eindeutig den konventionellen Standpunkt, als hielte der Mensch in der einen Hand die Wahrheit, den wirklichen Gegenstand, das tatsächlich Gemeinte als die Wahrheit, und in der anderen seine richtige, schlechte oder falsche Erkenntnis bzw. die richtige, schlechte oder falsche Beschreibung des Ersteren, wobei nach Russell Irrtum, Aberglaube und Unverständnis daraus resultiere und zu vermeiden sei, daß Letzteres subjektiv, befangen, religiös, schlecht bzw. falsch sei, wovon sich der Mensch befreien müsse.
Mit einfachen Worten gesagt, ist dies schlicht nicht so, sondern wir haben in beiden Händen nichts als unsere Erkenntnis, worum es Prauss in seiner folgenden Kritik an diesem vehementen Empirismus geht:

Prauss, Die Welt und wir. BdII, S123:
Daß jenes Urteil in der Wahrnehmung gerade dahin geht, das dabei Vorgestellte (nämlich dasjenige in der einen Hand, {von mir}) allererst als wirklich hinzustellen, hat genau den Sinn, es als zunächst einmal bloß Vorgestelltes-Unwirkliches auch noch zu verwirklichen. Es durch ein Urteil allererst als wirklich hinzustellen, hat somit auch recht eigentlich den vollen Sinn, es dadurch allererst als wirklich herzustellen, einen Sinn sonach, der sich von dem des Herstellens des Artefakts zunächst einmal nicht unterscheiden läßt.
Und dies, so werden Sie vielleicht sich widersetzen wollen, ist denn doch zuviel des Zuzumutenden: Wo kommen wir denn hin, wenn wir, die wir doch durch Natur Geschaffene sind, uns umgekehrt nun zu den Schöpfern der Natur aufwerfen? Deren Wirklichkeit ist doch gerade die uns vorgegebene und von uns vorgefundene. Und dieses unser Vorfinden von ihr als dem uns Vorgegebenen ist doch gerade das, was wir als unsere empirische Erkenntnis von ihr kennen, die als ursprüngliche jeweils Wahrnehmung von Außenweltobjekten ist, indem sie diese hinnimmt, eben wahrnimmt, wie sie ganz von sich aus sind.
Und doch ist, wenn Sie weiter folgerichtig bleiben wollen, vielmehr diese unsere Dingverfallenheit, die damit sich zuletzt als diese unsere Wirklichkeitsverfallenheir entpuppt, die eigentliche Zumutung. Denn jene angebliche Zumutung ist keineswegs einfach die Umkehrung der Tatsache, daß doch Natur die Schöpferin von uns ist und nicht wir die Schöpfer von Natur. Sind wir nach allem, was wir wissen, die Geschaffenen durch Natur als diese Schöpferin doch keineswegs im Sinn von Artefakten durch Natur als eine Absicht. Uns dafür zu halten, wäre vielmehr nur ein weiterer Fall von reinem Animismus. Folglich maßen wir uns damit auch durch-aus nicht etwas an, was ihr zukäme. Vielmehr ist die eigentliche Anmaßung im Gegenteil gerade diese Dingverfallenheit als Wirk-lichkeitsverfallenheit des Empiristen in uns allen. Erhebt er uns durch seine Auffassung von unserer empirischen Erkenntnis doch
zu einer Art von transzendenten Göttern, die der umgekehrt genauso transzendenten Wirklichkeit enthoben sind und ihr mit-hin auch nur betrachtend gegenüberstehen, nämlich ohne daß sie dabei mir zu ihr dazu gehörten.
Wenn wir nämlich die Geschaffenen durch Natur sind, dann gehören wir insofern auch gerade mit zu ihrer Wirklichkeit hinzu. Infolgedessen kann es sich bei unserer empirischen Erkenntnis von ihr auch allein um irgendeine Art der Wechselwirkung mit ihr handeln, so daß Wirklichkeit, wenn sie sich als Ergebnis solcher Wechselwirkung einstellt, dann auch abhängig von unserer Mit-wirkung an solcher Wechselwirkung sein muß. Und ist unsere Mitwirkung dabei gerade die von Absicht oder Intention, so steht gerade solche Wirklichkeit dadurch auch immer wieder auf dem Spiel, weil sie sich als Erfolg von solcher Absicht oder Intention dann eben einstellen oder auch als Mißerfolg von ihr ausbleiben kann, wie bei der irrtümlich-empirischen Erkenntnis.

Wegen genau solcher dingverfallenheit sieht und erklärt Ru8ssell z.B. eben die irrationalen Zahlen als Kuriosum und nicht die relativ seltenen, wenigen eher zufälligen rationalen und ganzen Zahlen, von denen z.B. in meiner Zeichnung keine erscheint, die aber so real erscheinen wie unser täglicher Alltag. Derart blind auch für sich selbst übersieht Russell, trotz aller Verdienste, die er für Frege und die Fregeforschung hat, den eigentlichen Verdienst Freges, den wohl auch Frege selbst nicht erkannte, weil auch er von dem Wahrheitswert in der ersteren Hand ausging, den es objektiv zu beschreiben gälte, wofür er eigens eine eigene Sprache die sog. „Begriffsschrift" konstruierte, die gleichfalls alles Subjektive, jede Redundanz und jedes Konnotat bei einer Beschreibung und Definition ausklammern sollte.
Wenn nämlich Frege schreibt:

Eine Funktion (in einfachster Auffassung) wie in 5=2+x oder Fx (Funktion von x) zeigt an, wie die 5 und die 2 oder F zu allen Zahlen in einem Verhältnis stehen, die man statt x einsetzen kann: Bei 5=2+x kann man statt x eine 3, eine 2+1, eine 4-1 u.s.w. einsetzen;
 (Gottlob Frege, Schriften zur Logik und Sprachphilosophie, Felix Meiner Verlag, Hamburg, Band 277 Philosophische Bibliothek Freges Nachwort, Seite 14, letzter Abschnitt)

Bei einem Begriff gibt es nach Frege so etwas ähnliches wie bei einer Funktion, was Frege aber nicht die Funktion eines Begriffes sondern die Prädikation  nennt, wenn man sagen würde:
Dieses x ist ein Tisch.
Dieser Gegenstand ist ein Tisch .
wobei x die Wahrheit, der tatsächliche Gegenstand bzw. das jeweils Gemeinte ist und womit die Zahl zu einem Begriff wird, was Russell aber übersieht, wenn er von Gattung als einer Existenz bestehender ähnlicher Dinge, Gegenstände, Zahlen u.s.w. spricht, wie er auch übersieht, daß „Der goldene Berg" bzw. „Das runde Viereck"  Begriffe sind innerhalb einer Erkenntnis, mit der wir irdischen Lebewesen intersubjektiv etwas anderes als uns immer zuerst als anderes Subjekt, als anderes objektives Subjekt bzw. subjektives Objekt wahrnehmen, sei es eine Zahl oder einen Fehlerteufel oder sonst etwas Geistiges.
Natürlich sind Russell und Frege zu unterstützen, wenn sie fordern, daß ein Kind irgendwann lernen müsse, daß die Puppe oder das Schaukelpferd keine richtigen Lebewesen sind, dem aber die Einsicht zu Grunde liegen sollte, die Russell noch nicht hat, daß dies keine Abart des Denkens, nämlich die abnorme Subjektivierung eines Objekts ist, sondern das ursprüngliche Denken überhaupt, und daß dem die gleiche Erkenntnisstruktur zu Grunde liegt, mit dem das Kind seine Eltern und Freunde und mit dem wir alle überhaupt erst einen anderen Menschen als ein anderes Subjekt erkennen, wie es Prauss im folgenden Zitat ausdrückt, - wie wir nur so auch unseren Gott erkennen und erst nach einem Lernprozess zwischen einem anderen Subjekt und einem nichtsubjektiven objektiven Objekt und zwischen Mensch und Gott einerseits und einem Talismann, einer magischen Zahl, einer Hypostase, einem Begriff oder einem Götzen und Abgott unterscheiden können und und unterscheiden müssen, wenn wir nicht im primitiven Animismus verharren wollen.
So ist die phylogenetische Biographie eines Begriffs in der Geschichte der Menschheit wie die jeweils individuelle mit der folgenden Umschreibung von Gerold Prauss zwar nur unzulänglich angedeutet, weil nur als Vorgang einer jeden augenblicklichen Erkenntnis von einem Gegenstand, so bezeichnet Prauss dennoch die beiden wesentlichen Aspekte notwendiger Reflexion:
Aber wohlgemerkt: genausosehr, wie immer schon von vorherein, zunächst einmal auch immer nur von vornherein, will sagen, ohne daß bloß dadurch etwa diese zwei ( von mir: Subjekt und Objekt) sich auch bereits empirisch voneinander unterscheiden würden und sonach bloß dadurch etwa auch empirisch immer schon entschieden wäre, daß es sich dabei auch faktisch, kontingent, tatsächlich um das Gegenüber von Objekt als Subjekt für ein Subjekt handelt. Denn als solches ist dies Gegenüber vielmehr umgekehrt gerade dasjenige, was sich immer erst tatsächlich, faktisch, kontingent ergibt, - oder auch nicht, was sich in diesem Sinn empirisch aber eben nur ergeben kann, soweit es nicht-empirisch immer schon zugrunde liegt, so daß es dann auch immer erst Aposteriorität auf Grund von Apriorität ist. Denn genausogut kann sich auf Grund derselben Apriorität auch eine gänzlich andere Aposteriorität ergeben, nämlich daß es sich dabei tatsächlich, faktisch, kontingent und so empirisch zwar durchaus um etwas Anderes und damit um ein Objekt handelt, doch gerade nicht um ein Objekt als objektives oder anderes Subjekt für ein Subjekt, sondern als bloßes Objekt.
Auch als solches aber wird es für ein Subjekt dann zunächst einmal zum Subjekt und mithin zum Partner für es als das Drama jenes Intendierens, der es dann jedoch zunächst einmal gerade zur Tragödie für ein Subjekt als den ursprünglichen Partner dieses Dramas werden läßt. Denn einem Subjekt wird ein solches Objekt dann zu einem Partner, der ihm so begegnet, daß er seinem Intendieren nicht nur nicht entgegenkommt, sondern geradezu entgegentritt: weil dieses Subjekt eben umgekehrt als Intendieren immer schon mit Ansprüchen an ihn herantritt und mithin auch deren absichtslose Nichterfüllung durch ihn dann nur als absichtliche Versagung von Erfüllung durch ihn noch erleiden kann, so daß es sich als Drama der Absichtlichkeit seine Tragödie selber zuziehen muß."
(Prauss: „Die Welt und wir", Seite 919, letzter Abschnitt bis S.920 Anfang)

Was Prauss dabei mit „tatsächlich, faktisch, kontingent und so empirisch" als Orientierungskriterien bezeichnet, bezieht die Erfahrung mit der Welt samt seiner geschichtlich entstandenen Menschheit und ihrer Sprache mit ein, in der die Reflexion auf den Bedeutungs- und Funktionswandel von Bezeichnungen als den Urgrund der Entstehung einer grammatischen Struktur der jeweiligen Sprache wohl erst heute möglich ist: wie nämlich mit der Erkenntnis eine Bezeichnung für den Gegenstand und die Gattung über die Hypostasierung und deren Reflexion und Bezeichnung u.s.w. die Begriffsstruktur entsteht. Nicht nur genetisch ist dies die Grunderfahrung eines Menschen wie die Grundstruktur einer jeden Erkenntnis, daß „Mama" zuerst gleich „Ich" ist und dann zur Hypostase „meine Mama" wird und erst in weiteren Stufen zu einem Gattungsbegriff für Mütter werden kann, mit dem die eigene Mutter in ganz neuer Bedeutung und Erkenntnis erscheint, wodurch sich die ursprüngliche Bedeutung eben keineswegs relativiert, als sei der konkrete Einzelfall nur eine Variation der Gattung. Diese mögliche und mit dem Materialismus immer drohende Versachlichung des Subjekts, die sich mit der Russellschen Definition des Begriffs als Gattungsbezeichnung geradezu aufdrängt, ist denn auch nur der halbe Schritt und Wissenschaftlichkeit nur eine halbe Brücke über den Abgrund gänzlichen Werteverlusts, den die cartesianische Aufklärung anbietet, wie ich dann später ausführen werde; wenn auch die Entmythologisierung der Mutter als Einsicht, daß auch sie nur ein Mensch und der Vater kein Gott und nur begrenzt belastbar ist, ein vernünftigeres Miteinander ermöglicht.
Deutlich werden sollte aber an diesem Beispiel, daß es sich bei der Entwicklung sowohl unseres Bewußtseins wie aber auch unserer Sprache dabei keineswegs allein um ein grammatisches oder syntaktisches Phänomen handelt, wenn diese Entwicklung auch zu Bezeichnungen von Begriffen und Oberbegriffen und Gattungen führte, die im Hintergrund jedoch eine weit kompliziertere Wertestruktur enthält, aus der heraus fortwährend Begriffe entstehen und Bezeichnungen zu Begriffen erst werden, die wir aber als neue Werte oder Unwerte immer zu reflektieren haben.
Wenn nach Russell z.B. die unendlich vielen Punkte z.B. eines Kreises nach der Leibnitzschen oder Newtonschen Infinisesimalrechnung zur Gattung der Kreispunkte gehörten, dann würden dennoch unendlich viele dieser Punkte nicht einen Millimeter und auch nicht ein beliebig kleines Segment dieses Kreises ergeben, das ja ebenfalls eine Linie sein müßte, und wie nach Zenon eigentlich die Unmöglichkeit einer geometrischen Figur beweisen müßte, was aber weder den analytischen Philosophen noch den Mathematiker stört noch irritiert, weil „wir" ja alle die Existenz des Kreises als Formel oder als angedeutete Zirkelzeichnung evident und damit unbezweifelbar als Wirklichkeit, Realität oder Wahrheit in der einen Hand halten, woran sich Theorie, Philosophie oder Zenonsche Skepsis in der anderen Hand messen, als falsch erweisen lassen muß. Hierbei ist die Evidenz der „Realität" in dieser einen Hand des Empirikers oder analytischen Philosophen mit aller vielfach ausprobierten Funktionalität als gemeinsame Erfahrung mit den Zahlen und Formeln ohne Zweifel ein brauchbares Werkzeug für jeden Architekten und Konstrukteur - und soll es ja auch bleiben; aber damit ist bleibt dennoch diese Grundkonzeption nichts anderes als Aberglaube, Animismus, Irrtum und Vergötzung, was Prauss ganz richtig als unsere Dingverfallenheit bezeichnet, was eben als Irrglauben trotz unbestreitbarem Nutzen nicht nur theologisch weiter in die Irre führen könnte, wenn man z.B. im Falle dieses Kreises in der einen Hand, der seit Menschengedenken die Bedeutung des Vollkommenen und Göttlichen verkörpert und darstellt, wobei wir solcher Hypostasierung nicht nur die Begrifflichkeit überhaupt, sondern auch die Geometrie verdanken, nun aber wieder beginnen würde, Gott oder Mensch mit der Formel r²p/4 zu messen.
Und ich meine, daß man auch den Christen solche Differenzierung an Toleranz in Form von Geduld zugestehen sollte, wobei immerhin der Idealmensch Jesus als Gott nach 2000 Jahren  unsere gesamte Begrifflichkeit hypostatisch überlagert und damit quasi immer ein zusätzliches menschliches wie göttliches Koordinatensystem darstellt, wenn der Christ auch nicht anders als jener Geometer dabei das Wort Gottes in der einen Hand als evidente Realität, Gegenwart und Wahrheit als Maßkriterium und Beweis für seine Theologie in der anderen Hand nimmt, wobei natürlich zugleich der darin verkündete Jesus als Intension und Intention gegen solchen Formalismus und gegen diese immanente Blindheit und Erstarrung ganz in den Hintergrund tritt.
Was für den außenstehenden Nichtchristen jedoch bei Christen um so deutlicher wird, ist ja, wenn ein biblischer Wortlaut nicht nur zur reinen Zeremonie, und diese scheinbar zum eigentlichen Wert wird, was Russell schlicht als Magie bezeichnet, sondern als Aussage zusätzlich mit jenem Sentiment und auch Vehemenz wie eine vielschichtige Zwiebelhaut noch überlagert wird mit den konfessionellen, nationalen, traditionellen, konventionellen und kulturbewußten Bedeutungen, mit der dem Betrachter z.B. eine kirchliche Hochzeit oder Beerdigung begegnet, bei der dann zusätzlich die Kleiderordnung, die Wortwahl, die Körperhaltung, Farben, Blumen, Gesten ein hochkomplexes Gefüge vermischt mit oft uralten noch vorchristlichen Werten und Wertdemonstrationen bildet, was ja weit mehr als ein rein formales, grammatisches oder syntaktisches Phänomen, weil es auf die Tiefendimension menschlicher Existenz verweist, die in den beiden angeführten Anlässen der Hochzeit als Präparierung der Geburt und bei der Beerdigung als Erlebnis des Todes all unser Verstehen überschreitet und dennoch eine Form haben soll.
Was auch Prauss bei seiner Kritik der vehementen Verbissenheit von modernem Empirismus und Materialismus wohl übersieht, ist aber nichts anderes, daß nämlich der Dingverfallenheit an der „sicheren" Wahrheit in der einen Hand, der wir alle erst einmal ungewollt erliegen, noch zusätzlich aber vehement verteidigt auch in den Wissenschaften die gleiche Erstarrungsstruktur zu Grunde liegt, wie in den Konfessionen, mit dem, wenn zwar unter der Flagge der Aufklärung, dennoch der bis heute unverstandene Vorgang des Lernens und Lehrens zigfach ummantelt wird mit der ganzen hochkomplexen Wertestruktur menschlicher Geschichte von Oben und Unten, von Macht und Ohnmacht, von Gültig und Ungültig als bewußte Kultur- und Wissenschaftsdemonstration.
Aber spätestens mit der Modernen seit den Malern von Barbizon, seit Nietzsche, seit DADA und seit den weltanschaulichen Katastrophen des vorigen Jahrhunderts wissen wir das; und wir wissen um die Gefährlichkeit des Themas als ginge es um Kernspaltung, wenn wir unsere Befangenheit reflektieren in Werten, die uns zum Teil als Fremdbestimmung erscheinen, wie die Klassen- bzw. Stammeszugehörigkeit, Familie, Sprache, Geschlecht, Religion, Körpergröße, Intelligenz u.s.w. zusammen mit den Werten, die wir bewußt und gewollt mit Strategie, Sorgfalt, Kalkül und Absicht inszenieren, obwohl keinesfalls klar ist, ob wir hier mit den Begriffen von reinen Äußerlichkeiten diesen nun eine eigene Subjektivität oder gar Göttlichkeit zumessen, wie dem heiligen Vaterland, oder ob wir das rein geistige unserer Erkenntnis und Begrifflichkeit umgekehrt versachlichen und instrumentalisieren oder beides zugleich, wenn wir daraus Ansehen und Karriere oder auch ein Geschäft mit dem lieben Gott machen. Die jeweilige Aussage ist dabei immer auch Inszenierung und die Inszenierung ist immer auch das Gerangel selbst wie auch Aussage, wobei natürlich auch das Fremdbestimmte unseres Verhaltens natürlich auch individuell verantwortlich gewertet und in jeder Situation entsprechend inszeniert wird und ist, wobei dann wiederum der Bereich, den wir sprachlich erfassen und grammatisch präzisieren können und sichtbar machen wollen, verhältnismäßig nur winzig und meist nicht einmal wesentlich ist und für sich allein genommen nichts als Geschwätz und in der Tat bedeutungslos wäre, wenn wir ihn als den Sinn einer Aussage mißverstünden.

Ich kann mir aber einen Menschen vorstellen, der von solchem „weltlichen" Gerangel einen großen Abstand hat und nahezu rein ist von derart Inszenierung und auch rein von solchen Vorurteilen. Ich weiß nicht, ob wir nur im Abendland und im Buddhismus dieses Idealbild von Unschuld und Reinheit kennen, das sicher auch einigen der jüdischen Propheten vorschwebte, wenn sie von einer reinen und gerechten Welt jenseits des gegenwärtigen Gerangels ausgehen, das sowohl Folge wie Ursache wie auch zugleich Regel und Regelung des Gerangels ist. Nach langen Gebeten vor einem Gott, der alle Gedanken und Absichten kennt, vielleicht mit Fasten und auch sexueller Enthaltung, beides zum Teil allein schon deshalb als Erleichterung, weil Broterwerb und Nahrung ohnehin wie Erwerb von sexueller Hingabe durch einen/eine alle anderen ausschließt und das Ein- wie Ausschließen immer bereits Wertung ist, ist ein reiner Jesus vorstellbar, der auch jene Schere „Meister und Jünger" organisatorisch nicht konsequent durchzog, wie es wahrscheinlich erst nachträglich zu seiner und als seine „Aufwertung" geschildert ist. Aber unter solchem Aspekt ist es vielleicht gut, daß wir von dem geschichtlichen Jesus so gut wie nichts wissen und davon ausgehen müssen und können, daß alle Darstellungen der Evangelien bereits von solcher Befangenheit, Voreingenommenheit, Inszenierung und Strategie bestimmt sind. Zu verwundern ist, wie weit sich Mohammed dem damals geltenden Wertesystem entziehen und dieses korrigierend reflektieren konnte, obwohl es gerade wie bei Paulus das geschichtliche Wissen um sein jeweiliges Verhalten und seine jeweiligen Reaktionen und Formulierungen ist, und sei vieles auch Legende, das das ursprünglich Arabische, und bei Paulus das ursprünglich Paulinische zu einem neuen Wertkriterium gemacht und damit geradezu zementiert hat. Daß Jesus dieses Phänomen kannte und reflektiert seinen Jüngern vermittelt hat, geht recht deutlich aus der Bergpredigt hervor, die in dieser Radikalität sicher authentisch ist, es wird aber wohl auch bei jeder mystischen Erfahrung vermittelt.
Hierbei habe ich eine noch sehr viel tiefer gehende Vorstellung von Reinheit vorerst ausgeklammert, die Jesus wohl ausdrücklich meinte, wenn er z.B. forderte: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr das Himmelreich nicht ererben.", und die wohl jeder Mystik und jeder Religion zu Grunde liegt, und was wir negativ als Verfehlung und Verlust des Paradieses und der Reinheit jeder Strategie und jeder künstlichen Inszenierung unterstellen, die sich in diesem Kontext etwa derart umschreiben läßt, womit sie aber keineswegs auch schon verständen wäre: Während ich hier von einer Grammatik der Sprache und einer noch komplizierteren Struktur oder Grammatik oder Inszenierung eines Wertesystems spreche, als funktioniere unsere Verständigung d.h. unsere Sprache und unser Verhalten nach solchen Regeln, wobei Russell sogar davon ausgeht, daß ein falsches Denken und Verhalten des Menschen auf eine fehlerhafte Anwendung der Grammatik zurückgeht, was im Einzelfall (und besonders in der Philosophie) auch durchaus denkbar und nachweisbar ist, was ich hier aber noch ausweiten möchte auf einen möglichen fehlerhaften Gebrauch und eine fehlerhafte Vorstellung des ganzen Wertegefüges noch hinter oder über der Grammatik, was als kritischer Rationalismus zu sehen ist, der natürlich auch in allen Weisheitsschriften und Propheten aller Religionen zu finden ist, so wäre dagegen Reinheit eine Vorstellung, daß solche Grammatik und solche Regeln gar nicht etwas sind, nach denen wir handeln sollen, sondern die sich quasi als Epiphänomen und quasi erst nachträglich aus einem richtigen Verständnis, aus einer richtigen Verständigung und einem richtigen Verhalten von selbst ergeben, wobei seit Menschengedenken solche Reinheit durch Fasten, Beten, durch Extase, Meditation, Magie, Trance, Einsamkeit, Selbstkasteiung aber auch durch Musik, Sprüche, Formeln, Zeichen, Kristalle, heilige Orte, Düfte, Drogen, Endofine u.s.w. gesucht wurde, wobei natürlich jede Methode, dem Methodischen zu entkommen oder das Methodische zu hintergehen zugleich wieder Strategie und Methode und auch das Einfallstor sowohl für Irrtum wie für die menschliche Verschlagenheit ist.
Jesus entwirft keine neue Methode sondern erlangt die Göttlichkeit durch Tod und Auferstehung, während die christliche Gemeinde quasi jeweils situationsbedingt eher improvisiert.
Meine persönlichen Erfahrungen mit Buddhisten und meditierenden Hinduisten ist dementgegen, daß sich aus der Eigenleistung der Meditation zugleich ein mehr oder weniger heimlicher oder offener Anspruch und auch Überlegenheitsanspruch ableitet, was sich mit den Dogmen der ethischen Grundforderungen zwar zu einer reformierten Struktur dieser Schere ausbaut, sie aber beibehält.
Aber auch die allgemeinchristliche Vorstellung von Reinheit ist undeutlich und meint sowohl die reine als unbefangene, darüberstehende und damit auch ethisch gerechte Sicht und Erkenntnis und Selbsteinschätzung wie zugleich das in diesem Sinne Gegenteilige, nämlich die in der Sicht beinhaltete offene Absicht, so diese auch das Gute will, womit immer auch das Reine, Wahrhaftige, Gerechte und Unschuldige in das Gerangel der Wertestruktur gerät oder eine solche bereits ist. Dostojeweski beschrieb in seinem Roman „Der Idioten" die Explosivkraft des Reinen.
Natürlich ist das Verhältnis von Christ und Heide, bzw. von Buddhist und Nichtbuddhist in der Bewertungs- und Missionierungskonstellation legitimiert durch die Liebe und Fürsorge des Erlösten für den Unerlösten, des Propheten zum Laien, des Mündigen zum Unmündigen und Verirrten, was natürlich nicht nur auch der Despot von sich behaupten kann und wie es immer behauptet wurde, sondern was immer selbst auch aus sich zur despotischen Liebe, Fürsorge und Entmündigung ansetzt, - wenn es nicht sogar dahin entarten muß. Theologisch und weltanschaulich liegt die Versuchung nahe, die im Judentum und Christentum versprochene „neue Welt" und den „Untergang der alten Welt" bereits in der Reform des alten heidnischen zum neuen christlichen oder jüdischen Wertesystem zu sehen, wozu Augustinus im Sinne Paulus wohl neigte, während Jesus dieses weit radikaler denken konnte.
Hier ist es das Selbstverständliche, wie wir uns mit diesen Werten auskennen und damit hantieren, was uns blind macht für ihre Struktur und Funktion, in die sich alles Religiöse eingliedert - und wie es umgekehrt in das Religiöse einfließt. Und natürlich kann man leicht beliebig das eine als das andere hinstellen, wobei man sprachlich zwar Mögliches aber wahrheitsgemäss gänzlich Absurdes darstellen oder hinstellen kann, - gewollt polemisch oder irrig. Was mit der Bedeutung „Organ" bei jeder Vorstellung von menschlicher Organisation bereits mitgemeint ist, ist als Struktur des ganzen Wertesystems damit keineswegs bereits verstanden oder präzisiert, ob wir z.B. im Christentum bereits eine Verkörperung Jesu oder im Buddhismus eine Verkörperung Buddhas bzw. im Islam eine Verkörperung Mohammeds sehen wollen oder dürfen oder sollen, oder im christlichen Abendland zusätzlich oder stattdessen eine Inszenierung Jesu durch Paulus oder Johannes oder durch die Kirche, oder eine Selbstinszenierung des Paulus oder Johannes oder der Kirche bzw. des jeweils Einzelnen Christen sehen, was dann nur Argument des kerygmatischen Jesus ist, oder zusätzlich oder/und stattdessen die jeweilige kollektive wie individuelle Eigeninszenierung vonder Tradition. Wir können dieses sehr wohl und ganz selbstverständlich unterscheiden, sei es bei einer religiösen Demonstration oder bei einem Fußballspiel, wobei ich hier nur deutlich machen will, daß diese derart vielschichtigen Strukturen unseres Verhaltens wie unserer Begriffe unser allzumenschliches Gesicht tragen, die wir so selbstverständlich nutzen wie wir die weit einfacheren Regeln der Grammatik beim normalen Sprechen benutzen und anwenden, ohne uns derer bewußt zu sein und ohne sie (in der Mehrheit) überhaupt als solche zu kennen, - und denen wir zugleich quasi blind und ja auch gerne und mit Begeisterung ausgeliefert sind - , unser allzumenschliches Gesicht tragen. Wir Christen müßten uns angesichts der vergangenen Jahrhunderte natürlich schämen, wenn wir darin die Verkörperung Jesu in der Welt sehen wollten, in der die Christen wie die Mohammedaner, Buddhisten und Aufklärer behaupten, das Licht der Welt und das Salz der Erde zu sein, womit die andere, nämlich die gesellschaftliche und politische Seite der ethischen Dimension dieser jeweils individuellen Inszenierung der Menschen zur Sprache kommt. Daß dieses, nämlich das Menschliche in solcher Inszenierung, sich geradezu unmenschlich, nämlich als unmenschlichen Menschen präsentiert, wenn man es im Namen von Sachlichkeit, reiner Logik und Wissenschaftlichkeit durch reine Zweckmäßigkeit ersetzt - und dabei nur zu ersetzen scheint, einmal, weil wir als Subjekte auch solche Sachlichkeit gar nicht anders als eine bewußte Inszenierung veranstalten könnten, als was es das betroffene Subjekt als Objekt behandelt zum anderen dann auch erlebt, - weil wir es dennoch immer mit Menschen zu tun haben, demonstrierten die vergangenen Jahrhunderte der Ideologien nicht weniger, weswegen es allerseits notwendig ist, die gleiche Abhängigkeit und Befangenheit des Menschen in dieser Wertestruktur zu verstehen, - gleichgültig, wes Geistes Kind er ist.
Natürlich ist es gewissermaßen Respektlosigkeit, die man sich normalerweise als Reflexion des eigenen Handelns wie der eigenen Betroffenheit durch Handlungen anderer nur unausgesprochen leistet, wenn man diese Seite des menschlichen Verhaltens in der eigenen Erziehung, im eigenen Bildungssystem, in Politik und Rechtswesen nicht anders als in der eigenen Religion, in den heiligen Schriften und selbst in unserem Glaubensbekenntnis als mit Vehemenz und Gewalt durchgeführte Inszenierung betrachtet, mit der der Mensch sich und andere inszeniert. Und diese Respektlosigkeit wird ja auch als Ursache für den Tod die Verurteilung Jesu angeführt.
Hier ist zum leichteren Verständnis wieder der Vergleich mit der Sprache, bzw. mit dem Sprechen angebracht, obwohl es beim Verhalten des Menschen um weit mehr geht, als um Syntax und Grammatik: Was wir Menschen auch sagen und formulieren, wir müssen es irgendwie mit den Formen von Buchstaben, Zeichen, Worten und grammatischen Regeln tun. Es hat Millionen Jahre gedauert, bis sich der Mensch dieser Instrumente überhaupt bewußt wurde. Und es ist ein wahrhaft großer Wurf von Gerold Prauss, wenn er die beiden oben zitierten - wenn auch recht undeutlich geratenen - Orientierungskriterien einer Erkenntnis zu Beginn seiner Handlungstheorie in Bezug setzt mit dem bis heute erst durch ihn verstehbaren Zusammenhang von Form und Inhalt:
1.  Þ„nämlich daß es sich dabei tatsächlich, faktisch, kontingent und so empirisch zwar durchaus um etwas Anderes und damit um ein Objekt handelt . . ." (Prauss: „Die Welt und wir", Seite 919, letzter Abschnitt bis S.920 Anfang)
2.  Þdaß wir alle und zwar bei jeder Erkenntnis zunächst dem Irrtum (sowohl der Subjektivierung von Dingen, wie dann der Dingverfallheit) erliegen und der ersteren Reflexion oder Orientierung bedürfen, wie es Prauss an etwa 50 anderen Stellen ausdrücklich beifügt. („Die Welt und wir",Band 1, wörtlich „wir alle" Seite706; Seite900, 902, 903, 905)

Diese beiden hier nur mehr angedeuteten Standbeine unserer Orientierung „Kontext" und „wir alle" als Gemeinsamkeit werden uns bei der genaueren -quasi mikroskopischen" Untersuchung unserer Werte wieder begegnen.
Entsprechend kann man das bewußt und unbewußt durch einen selbst oder durch andere Inszenierte unseres Verhaltens durchaus wie in der Sprache als eine Form auffassen, die bei einer Aussage aus den vielleicht 100 000 möglichen Wörtern, tausend grammatischen Regeln und 30 Buchstaben bzw. 200 Lauten besteht, was sich bei einer menschlichen Handlung ganz entsprechend wenn auch aus sehr viel mehr Komponenten und weit komplizierter zusammensetzt, wie ich verdeutlichen wollte.
Nachvollziehbar ist, daß Jesus wohl u.a. die Überbewertung des Formalen bzw. die Erstarrung des religiösen Inhalts zu reinen Formalismen anprangerte, was sich nicht zuletzt durch das unsinnige, unmenschliche ja kindische Todesurteil an ihm selbst demonstrierte, womit der eigentliche Inhalt des jüdischen Glaubens zur reinen und eitlen und berechnenden Formsache wurde, was eine Verirrung mit üblen Folgen darstellt, wenn nämlich die Absicht d.h. die Handlungs-, bzw. die Lebenskonzeption sich nur noch auf die Form bezieht, dem das Menschliche untergeordnet wird, statt daß die Form das bleibt, was sie ursprünglich ist, nämlich das Mittel und Instrument, um in der Gemeinschaft Mensch zu sein. Es ist übrigens der gleiche grundsätzliche, kritische Ausgangspunkt von Ludwig Feuerbach, der dann eben dem gleichen Fehler aufsaß wie das von ihm Kritisierte, und letztlich nur noch von dem Formalen ausging. Vereinfacht könnte man sagen, daß mit Jesus die rein strategische und formale Anwendung der Gebote und zwar als ein entsprechend nur strategisch und formales Verhältnis zu Gott und damit auch zur jeweiligen Wahrheit in Frage gestellt wurde, wodurch das Kindschaftsverhältnis, nämlich ein Verwandtschaftsverhältnis des Menschen zu Gott dann möglich wurde, in dem das Gebotene der Gebote und Gesetze quasi durch ihre Selbstverständlichkeit ersetzt wurden.
Ich glaube nicht, daß es blasphemisch ist, wenn wir den Evangelisten Johannes u.a. auch mal in diesem Sinne interpretieren, als habe er das Leben Jesu als eine Inszenierung dargestellt, durch die nicht nur „das Wort Fleisch" wurde, sondern wodurch sich eben auch alles Formale der Gemeinde Christi zum Leib Christi verkörperte, als die Menschwerdung Gottes und Gottwerdung des Menschen oder des Menschlichen, als dessen Teil sich die heutige Kirche empfindet, und weswegen man dort das rein Formale auch der Überlieferung trotz aller Schwierigkeiten für göttlich und heilig hält. Mit frommen, kirchlichen Worten gesagt: die tote Form der mosaischen Gesetzgebung, die sich wegen der menschlichen Verschlagenheit und wegen ihrer Überbewertung durch ihre rein strategische Einhaltung gegen ihren eigenen Inhalt richtete, wurde durch den unsterblichen menschlichen und göttlichen Leib Jesu ersetzt, wobei die Schwierigkeit, einmal sich dieses Christwerden und Christsein ganz praktisch vorzustellen und zum anderen, dieses organisatorisch und kirchenpolitisch wie rechtlich zu handhaben, was samt aller Umsetzungsversuche - grob umschrieben - genau die Probleme sind, worüber Sie, Herr Augstein, und ich hier schreiben.
Wir wissen noch nicht, ob Johannes die Paulusbriefe kannte, aber man kann beide Auffassungen auch so interpretieren, als habe sich einmal an dem reinen Jesus - als das eigentliche göttliche Leben - das Abartige, Erstarrte, Eitle, Verschlagene und Strategische des Menschen als irdische Inszenierung entlarft und sogar zerschlagen, was zum nur noch frommen Mantel und „Buchstaben des Gesetzes" geworden war, und was sich als ungültig, wertlos geworden und überholt erwies, was mit der Zerstörung Jerusalems evident wurde, wovon wahrscheinlich nur Johannes schon wissen konnte, und zum anderen, daß nun alles Formale des Alten und Neuen als Leib Christi wiedergeboren wurde. Dies ist natürlich vielschichtig und vielstufig, insofern als das Göttliche der neuen Gemeinde samt Gemeindeordnung als Göttliches sich selbst das Ziel ist, was zugleich aber als menschliches Bemühen, Handeln und als Organisation der Christen ein Vorgang ist, der das Menschsein ja nicht außer Kraft setzt, sondern als Handlung die ganze bis heute viel diskutierte und unverstandene Komplexität von geistiger Absicht und physischem Geschehen, von Beginn und Verlauf umfaßt, sei es die Handlung Gottes oder die Handlung Jesu oder der Menschen bzw. der Christen, wie eben auch alles, mit und an dem Handlung stattfindet, und das natürlich Geist, Seele und Leib des Handelnden einbezieht. Sicher ist dies undeutlich, was ich später am Beispiel der Kindschaft mit Gott deutlicher machen muß. Mehrstufig ist dies insofern, als es einfach wie verfänglich ist, das Einfache wie Verfängliche auch zu sehen und sich dabei zu reflektieren:
Die „irgendwie" aus diesem Leib Christi bzw. als dieser Leib Christi entstehenden - und erst recht die entstandenen Formen - , wie der Ablauf z.B. eines gerade ablaufenden Gottesdienstes, wie erst recht die überlieferten Formen des Gottesdienstes und deren gegenwärtige Einhaltung sind nach christlichem Verständnis und Gefühl immer auch erlebbare und erlebte Gegenwart Christi und entsprechend heilig als Erlebnis, als Erinnerung, als eigene Handlung und als Bedürfnis - und dies manchmal sicher mehr für die jeweiligen Teilnehmer des Gottesdienstes, als für die jeweiligen Veranstalter, wobei hier eine gegenseitige Heiligung stattfindet, wobei die Mehrstufigkeit solcher impliziten Reflexion nach meiner Ansicht auch den Aspekt einer Entwicklung enthält, insofern ich dabei mein eigenes Handeln bzw. das menschliche Handeln wie die immer zugleich geschehende Handlung an mir suche, versuche, geschehen lasse, wie ich sie zugleich selbst tue und erlebe, wobei allerdings wie in allen Religionen die Stufen von der Inszenierung zur Zeremonie bis zum Erlebnis des Heiligen sowohl Reflexion ist, wie - als Verfänglichkeit - wiederum die Inszenierung als eigene oder menschliche Handlung.
Das Bild der Kindschaft war natürlich schon immer ambivalent. Als Privilegierung des eigenen Kindes vor anderen Menschen als Privilegierung des jüdischen Volkes vor anderen Völkern wurde sie einerseits angepriesen und andererseits als Abhängigkeit, Ausgeliefertsein und oft als Diskriminierung wie eine Last empfunden. Das Kindschaftsverhältnis war immer auch ein Disziplinierungsverhältnis. Die keineswegs erst mit Paulus beginnende Öffnung oder Eröffnung des christlichen Kindschaftsverhältnisses zu Gott für jeden, der wollte, der sich taufen lassen wollte, die allerdings heute hauptsächlich mit der Apostelgeschichte des Lukas und den Paulusbriefen theologisch schriftlich überliefert ist und für uns damit dokumentarisch wurde, vollzieht praktisch das, was die Genesis zwar schon immer behauptete, und zwar die Kindschaft der genetisch ganzen Menschheit, was im Bewußtsein jedoch auch bei Paulus noch ganz in jenem kulturellen Gebräu oder Kontext des Mittelmeerraumes verhaftet bleibt, weil Privileg und Verpflichtung der Kindschaft damit vom jüdischen Volk nicht aufgehoben aber zwar auf alle Christen erweitert wurde, was aber noch nicht im Sinne der Menschheit gedacht wurde.
Doch vorerst ist hier die folgende Frage wichtig, weil sie zwei große Denkrichtungen umfaßt:
a.  ÞLiegt nun darin als Beispiel das ursprüngliche und neue, emanzipierte menschliche Verhältnis von Vater zu Kind, bzw Mutter zu Kind auch unserer Vorstellung einer menschlichen Kindschaft zu Gott zu Grunde,
b.  Þoder umgekehrt, bestimmt oder verändert das ursprüngliche bzw. neue Kindschaftsverhältnis des Menschen zu Gott, wie es uns im Evangelium begegnet, nun das ursprüngliche und neue Verhältnis des Menschen auch zu seinen eigenen Kindern.
Obwohl sich wohl aus beidem zugleich in den drei abrahamäischen Religionen ein kulturell-ähnliches Gott-Mensch- und menschliches Vater-Sohn-Verhältnis gebildet hat, sind diese beiden Denkalternativen niemals als konkretes Problem des profanen und kirchlichen Alltags als Denkproblem aufgetaucht, einmal wohl deshalb nicht, weil beides nämlich zugleich selbstverständlich scheint, zum anderen wohl deshalb, weil jeder in der Befangenheit des Betroffenseins durch die Zugehörigkeit zur Religion, Kultur und Sprache gehalten wird.
Spätestens heute ist aber eine Reflexion notwendig, um darin das Verhältnis dieser beiden grundverschiedenen Denkbarkeiten deutlicher zu sehen, und zwar in unserem alltäglichen konkreten Verhalten, - die seit Beginn jeder Religiosität des Menschen das kulturelle Verhalten und auch die Religionsformen bestimmen und heute zunehmend - und keineswegs hauptsächlich durch die Frauenbewegung - ein Problem werden, das als zu lösendes Problem weit dringender noch ansteht, als die Frage, ob überhaupt Religion oder nicht. Was an diesem Beispiel offenkundig ist, daß die Analogie „Vater und Sohn" als Bezeichnung für das neue und emanzipierte Verhältnis des Menschen zu Gott nicht nur als Bedeutungs- und Begriffsinhalt sondern auch in der Wertestruktur als Verhaltensregel oder Verhaltensgrammatik z.B. das alte patriarchalische Familienverständnis und viele Tausend und Hunderttausende weitere Verhaltensmuster zugleich mittransportiert und durch die Begriffsstruktur, die in dieser makroskopischen Perspektive noch gar nicht wahrzunehmen ist, mit der neuen Kostbarkeit eines erlösten Menschen viele alte, und zum Teil anachronistische Strukturen mittransportiert und die wir dann als formale Struktur sowohl in den Kirchen und Religionen wie auch im Alltag genau so wiederfinden, wie die grammatischen Regeln unserer jeweiligen Sprache.
Mit dem eigentlichen Geschenk, das wir Christen mit Jesus und das der Islam mit dem Koran Mohammeds und das die Juden mit den Gesetz Moses als heilig hüten, hüten wir zugleich ja nicht nur diesen Schatz, sondern auch das Medium, durch das wir den Schatz überhaupt erst erkennen, bezeichnen und erleben können, wie wir Menschen in Urzeiten womöglich das wärmende Feuer gehütet haben, das es nicht erlöscht. Hierbei stellen sich die beiden obigen Fragen - wenn auch keinesfalls schon als mögliche Alternative aber durchaus etwas allgemeiner und fundamentaler:
1.  ÞWelche Bedeutung hat die Art und Weise unseres Verhaltens für ein richtiges Verhältnis zu Gott? Was muß ich tun, um selig zu werden. Nach Luther: Wie bekomme ich einen barmherzigen Gott? Wobei im Christentum Jesus als Antwort seine Verkörperung meint in den Sakramenten, im Abendmahl, in der Taufe, in den Gottesdiensten, in einem ordentlichen, christlichen Leben u.s.w. Bezüglich der Sprache würde das bedeuten, wie muß ich sprechen, welche Worte und grammatischen Regeln muß ich einhalten und kennen, um richtig sprechen, verstehen und verstanden werden zu können.
2.  ÞDie andere eher typisch mystische Sichtweise, würde eher argumentieren, daß ein richtiges Verhalten zu Gott aus einem richtigen Verhältnis zu Gott, und daß ein richtiges Verhalten zum Mitmenschen aus einem richtigen Verhältnis zum Mitmenschen resultiert; und daß bezüglich der Sprache ganz analog die Grammatik aus der Sprache resultiert und richtige Grammatik aus richtigem Sprechen, eine Sichtweise die analog behaupten würde, wie es Jesus sagte: so ihr nicht werdet wie die Kinder, (die noch keine grammatischen Regeln kennen und gerade in ihrer Reinheit richtig sprechen und richtig verstanden werden,) so könnt ihr das Himmelreich nicht erreichen.
Die wohl älteste Parabel aus unserer Bibel meint mit dem Paradies und mit paradiesischen Zuständen wohl letzteres, und die erste Vorstellung und Sichtweise d.h. die Einsicht in Gut und Böse, und analog die Entdeckung der Grammatik als das Kriterium für Richtig und Falsch führte zur Vertreibung bzw. ist bereits der Verlust des Paradieses, wie kein Mensch durch die genaue Einhaltung bzw. Anwendung der Grammatik zu einem normalen Sprechen gelangen könnte und wie es keine Strategie geben kann, ins Himmelreich zu kommen. Bei der Zuordnung von Menschen, Philosophien, Theologien und Weltordnungen kann man sich nun streiten, wen oder was man zur ersteren oder zur zweiten Konzeption oder Sichtweise zuordnen kann oder muß. Man kann sicher Jesus und auch Mohammed, man kann die deutsche Romantik, Hölderlin und Hardenberg, Karl Marx, Friedrich Nietzsche ebenso wie Bert Brecht zu den Mystikern zählen, wie man ebensoviele Argumente finden kann, sie allesamt zur ersteren Kategorie der Rationalisten zu zählen. Auch die Definition einer Entwicklung läßt sich zugleich als eine Disposition von der Reinheit, vom Ganzen, von Gott, von der Frömmigkeit und Vollkommenheit her verstehen, wie es Leibnitz entwirft, wie aber zugleich auch vom Logischen d.h. vom Strategischen her, wie man Leibnitz auch verstehen kann, daß nämlich mehr Einsicht, Richtigkeit und Wissenschaftlichkeit zum Abbau und zur Korrektur von Irrtum, Falschheit, Aberglaube, menschlicher Verirrung führt und führte.
Ich denke, daß solche Reflexion darauf überhaupt wie auch die Genauigkeit solcher Reflexion, die zu einem besseren Verständnis des Formalen, der menschlichen Strategie sowohl im Alltäglichen wie im Theologischen führen kann, samt der bewußten Geübtheit in solcher Reflexion immer auch ein Bestandteil von Entwicklung bedeutet, wenn auch die Frage nach dem Alternativen selbst wie die immer beigesellte negative aber gleiche Frage, ohne endgültige Antwort ist, ob es nämlich neben Irrtum und Ungeübtheit die Falschheit und Verschlagenheit des Menschen ist, die eine klare Antwort erschwert, oder ob nicht die Schwierigkeit der Antwort das Einfallstor ist für Irrtum, Spekulation und menschliche Verschlagenheit.
So war es sicher die Zukenntnisnahme unterschiedlicher Sprachen mit jeweils anderen grammatischen Richtigkeiten und Lebensformen in der jeweiligen besonderen Zuordnung der Richtigkeitskriterien unterschiedlicher Allgemeinheiten und Sprachen, wodurch die Menschheit des Mittelmeerraumes einen großen Entwicklungsschritt vollzog, von dem wir über die jüdische Überlieferung bis heute profitieren, und zwar mit dem Blick auf das Verhältnis einer göttlichen Handlung zu der menschlichen und umgekehrt, d.h. daß wir es bereits auch bei der Reflexion selbst auf die Form des menschlichen Verhaltens wie natürlich bei ihr selbst mit einer menschlichen Handlung zu tun haben und zwar immer in Korrelation auch mit einer göttlichen Handlung und der Handlung unseres Mitmenschen.
Ohne Zweifel ist auch das zweites große Erbe der Christenheit von den Alten, aber den Griechen, ein Fortschritt, den wir bis heute als Wissenschaftlichkeit zurecht an den Namen Aristoteles - aber auch Descartes und die Aufklärung - knüpfen, mit dem über das Kriterium der Objektivität aber nur ein halber Schritt über den Abgrund der Schwierigkeit subjektiver Irrtumsmöglichkeit und menschlicher Verschlagenheit gelingen kann, wie wir sehen werden, und der zum einen menschliche Redlichkeit und objektive Sorgfalt nur stillschweigend und so selbstverständlich voraussetzt, als sei dieses keine Handlung, und mit dem zum anderen als zusätzliche Schwierigkeit die Formen nicht nur der Sprache und Grammatik, sondern jegliche Form zu objektiven Eigenschaften auch des Menschen wurden, was natürlich auch geradezu ein Rückfall oder Reinfall und Naivität in die vorchristliche Zeit bedeutet, wenn z.B. die Handlung des Lügens als objektive Eigenschaft gesehen wird, woraus aus dem Menschen, der gelogen hat, dann ein Lügner wird, womit sich zugunsten des Objektiven am Menschen dann aber eine ganz grundsätzliche Verurteilung samt Verneinung des Subjektiven überhaupt verbindet mit der Unfähigkeit zur Reflexion und Besinnung auch des Wissenschaftlichen selbst, wie es Gerold Prauss als Dingverfallenheit und Blindheit erst heute herausarbeitet. So sicher der Prozess von Wissenschaftlichkeit als einer quasi übersprachlichen, überkulturellen und überreligiösen und universalen Verständigungsmöglichkeit mit dem je nach Fach entsprechend operationalen Konsens ein Fortschritt bedeutet, um so dringender ist aber die Reflexion auch auf diesen Abgrund, wozu der Mensch erst seit Kant ansetzt, und was erst wohl seit Gerold Prauss auch gelingen kann, daß nämlich zum einen auch Wissenschaftlichkeit und auch alle Ergebnisse eine menschliche Handlung sind und keineswegs nur ein idealer Zustand passiver Rezeption objektiver Wahrheit und damit zum anderen immer nur die halbe Wahrheit. Denn selbst wenn wir Wissenschaftlichkeit als die ideale Disposition zur Erlangung wissenschaftlicher Erkenntnis auffassen würden, muß eine solche Disposition ja gewollt eingenommen werden, zu der neben der jeweils bestimmten Operationalität, wie schon gesagt, auch ganz unwissenschaftliche nämlich ethische und charakterliche Kriterien gehören, wie Wahrhaftigkeit, Sorgfalt, geübte Intelligenz, Bildung und Vorkenntnisse, Scharfsinn, Verständlichkeit, Überprüfbarkeit u.s.w., wozu dann auch die erst neuerdings geforderte Bescheidenheit gehören müßte, nämlich in der Einsicht, daß wir trotz der von keinem Menschen mehr erfaßbaren und überblickbaren Flut immer neuer Erkenntnisse wissenschaftlicher Art nur einen Bruchteil dessen wissenschaftlich erkennen können, was unser normales, alltägliches Leben ausmacht, - wenn Sie z.B. nur an die vielen möglichen Variationen eines Kinderlachens denken, an denen eine Mutter sofort erkennen muß und auch kann, was sie in der besonderen Situation bedeuten. Zudem ist auch modernste Wissenschaftstheorie noch nicht in der Lage, sich selbst zu bestimmen, solange nicht verstanden ist, was z.B. die gewollte Anwendung einer erkannten Gesetzlichkeit als Zusätzliches Geschehen zum „natürlichen" Geschehen des Weltenlaufes eigentlich bedeutet, wie überhaupt jede freie menschliche Handlung, was dann übertragen auch unsere Frage erübrigt und keineswegs weiterbringt, etwa derart, ob nun Wissenschaftlichkeit als das einzig richtige und anzustrebende Verhältnis zu Gott ohnehin nicht aber auch als das einzig richtige Verhältnis zu unserer Welt und zum Mitmenschen als Zustand die Voraussetzung oder erst das Ergebnis entsprechender d.h. einzig-richtiger Erkenntnis wäre. Dennoch bedarf die Wissenschaftlichkeit als der moderne Antipart des Religiösen und als das künstliche und nützliche Hilfsmittel und Werkzeug des Menschen weiter unten noch der besonderen Aufmerksamkeit. Aber wie es der unerledigte Universalienstreit geradezu demonstriert, drängten die an deren Ende mit der Aufklärung scheinbar siegenden Wissenschaften diese Frage nur beiseite, die zwischen den Konfessionen und Religionen in der Tat zu eigentlich lächerlichen wenn auch dann unmenschlich blutigen Streitereien führte. Denn die entstandenen Konventionen, Formen und Traditionen in den Religionen und Konfessionen, zu denen ja auch die Begriffe, Bezeichnungen und Strukturen der Sprache gehören, sind ja keineswegs nur Spuren und Andenken z.B. der Kirchengeschichte, die nur als Souvenirs bewahrt werden, und wofür es sicher keineswegs notwendig sein könnte, andere Menschen zu töten und sich töten zu lassen, sie sind bis heute immer noch einerseits das Geschehen einer Handlung, die durch Gott, die durch Jesus, durch Mohammed, Buddha, Konfuzius, Franziscus, Dominicus u.s.w. geschieht und damit keineswegs nur Gedenken und Erinnerung einer Nachwelt sondern als Geschehen und Handeln Gottes und der Gottesmänner im jeweiligen Verständnis Gegenwart und Unmittelbarkeit bedeuten, und sie sind zum anderen der erkennbare Zugang, die verstehbare Instruktion und Sprache mit der Zugehörigkeit zu der entsprechenden Allgemeinheit und deren Allgemeingültigkeiten, was erst mit der Reflexion auf den Zusammenhang von natürlichem Geschehen, nichteigner Handlung aber auch jeweils eigner Handlung auch die ganz profane, rein strukturelle Bedeutung von Beharrlichkeit und Eigendynamik von Begrifflichkeit und Wertesystem verstehen läßt.
Verständlich soll werden, daß hier bei der Beurteilung religiöser Formen nicht einfach eine einfache Trennlinie gezogen werden kann zwischen dem, was wir als Handlung und Geschehen Gottes oder der Heiligen erleben und der eigenen Handlung einerseits und dem Geschehen aufgrund der Eigendynamik von Wertesystem, Gesellschaft und Sprache andererseits, dem wir nur einfach folgen, wie man erst recht nicht dabei noch zwischen natürlichem Geschehen und menschlicher Handlung einfach unterscheiden kann, wie man Geist und Körper nicht einfach trennen kann, obwohl dennoch Entwicklung genau darin besteht, diesen Zusammenhang erkennen, d.h. zumindest reflektieren zu können und im eigenen Verhalten einbeziehen zu können.

Und wieder muß ich meine Sorge eingestehen, daß ich vielleicht den Eindruck vermittle, als geriete mit dem besseren Verständnis durch die geforderte Reflexion auf unser religiöses Verhalten und die scheinbar ganz unreligiösen Regeln und Mechanismen in all unserem Tun und Gehabe in aller Tradition jeder menschlichen Allgemeinheit gerade der einfache unmittelbare Glaube an Gott und seine Gegenwart, für den der ganze Aufwand des Formalen jeder religiösen Inszenierung eigentlich dann ohne Bedeutung ist, dann auch mit in den Sog des Profanen und Rationalen, durch das weder den Zugang zu Gott hergestellt werden kann, wie man eine Gegensprechanlage einfach einschaltet, noch auch unterbunden werden kann, wie man eine solche technische Anlage auch einfach abschalten kann, wo immer der Glaube besteht. Aber wie es unser wachsendes ökologisches Verständnis als Vergleich anbietet, daß auch ein einzelner Grashalm, der unscheinbar blüht und bald verdrorrt, dennoch in einem hochkomplexen Verhältnis steht zur der Gesamtheit der relativ kurzen und scheinbar nur zufälligen Existenz biologischen Lebens in unserer Milchstraße, so ist auch das jeweils individuelle Verhältnis des Menschen zu seinem Gott immer auch zugleich ein Verhältnis zu dieser gleichen Gesamtheit wie erst recht zu dem sozialen Gefüge, - und nicht nur, weil die meisten der Probleme, deretwegen wir uns an Gott wenden, menschgemacht sind und als mögliche Lösung entsprechend soziale bzw. unsoziale sind, sondern wohl hauptsächlich, weil noch vorweg und vor aller genetischen und biologischen Verflechtung und über solche unser Bewußtsein und jede Selbstbestimmung nur in der allgemeinen Begrifflichkeit und dem allgemeinen Wertgefüge Ausdruck finden kann, ob jener nun sprachlich oder gedanklich erfolgt. Der drohende Abgrund ist nicht die Profanisierung durch versuchtes Verständnis, sondern ohne Zweifel der Mangel an solchem Verständnis.

Zu unserer Frage aber ist, Weg und Ziel als Einheit zu denken, wie die Religionen diese Frage vereinfachen, durchaus Reflexion und bedarf des Denkvermögens, und ist keineswegs ein endloser Regreß sondern ist als Selbsterkenntnis und Menschenkenntnis eine Entwicklung, wenn sie eingestanden und einbezogen wird, und dies ist durchaus jeweils mein Problem, insofern, als diese Erkenntnisstufen als Entwicklung zugleich auch ihrerseits Versuchung und Falle sein können, weil einerseits Erkennen der Heiligkeit Gottes zugleich immer ein Erkennen der eigenen möglichen Abgründigkeit bedeutet, die eben auch mit dem Verlust all der Strukturen bzw. ihrer Gültigkeit droht:
1.  ÞDenn im Formalen des Religions- oder Kirchenbetriebs nur die Inszenierung zu sehen, die als Struktur natürlich da ist und gesehen werden muß, verkennt Sinn und Bedeutung der christlichen Botschaft, die über all das kurze Geschehen eines irdischen Menschlebens hinausweist, und verkennt aber auch Sinn und Bedeutung der Kirche innerhalb dieser Entwicklung - als sei die Glaubens- und Laiengemeinde nur willen-, wesen- und bedürfnisloses Material, das einer Organisation, d.h. der Kirche zur freien Verfügung stünde. Natürlich hat es immer auch den Fall gegeben, Kirche derart als Macht-, Bereicherungs- und Disziplinierungsinstrument zu sehen und zu benutzen. Als Mißbrauch von Oben nach Unten verstanden findet dieses jedoch nicht nur zwischen Klerus und Gemeinde bzw. Volk, d.h. von dem institutionellen Oben nach Unten statt, sondern natürlich auch im Leben aller religiösen Menschen, wo immer sie urteilen und verurteilen, erziehen und einfach folgen d.h. sich erziehen und disziplinieren und dafür benutzen lassen.
2.  ÞAuch die umgekehrte Sicht ist als Erkenntnis richtig und als Reflexion sowohl notwendig wie auch verfänglich, als sei die veranstaltende Kirche (im Alten Testament die willfährigen Propheten) allein das Produkt oder das Opfer eines allgemeinen religiösen Bedürfnisses des einfachen Volkes, und als sei die Kirche und Klerus nichts weiter als ein reines Dienstleistungsunternehmen, womit Sinn und Bedeutung nicht minder verkannt wäre.
3.  ÞDie größte Versuchung liegt dann aber in der ebenfalls unvermeidlichen wie notwendigen Reflexion als Verständnis- und Erkenntnis- wie Entwicklungsstufe: denn es ist unvermeidlich und notwendig beide bestehenden Sachverhalte auch zusammen zu sehen und als Zusammengehörigkeit zu verstehen. Hierbei scheint sich dann nicht nur Oben und Unten in der Kirche (oder der jeweiligen Religion) der „eigentlichen" Bedeutung unterzuordnen und nur damit zu legitimieren, sondern auch alle anderen Formen nicht nur der kirchlichen Zeremonie und der biblischen Bilder und Sprache, sondern auch die Gegebenheiten der Organisation des normalen Lebens, das die Kirche oder den Tempel im Dorf haben will, wozu dann auch die Staatsführung, die Ökonomie wie die jeweils eigene Sprache und alle anderen Traditionen gehört, woraus sich im Zusammenhang der oberen Frage nach Weg und Ziel aus solcher Komplexität das Gefühl einer höheren göttlichen Identität, Kultur, Nation u.s.w. aufdrängt, das aber rein wert- und begriffsstruktureller Natur ist, dem dann als gefährliche Versuchung nicht nur der Mensch sondern auch Gott untergeordnet wird, als gäbe es einen deutschen, englischen, französischen, russischen, christlichen oder islamischen Menschen oder Gott.
Und es ist notwendig die Struktur in dem Zusammenhang dieser Erkenntnisstufe auch als Wertesystem zu sehen, was kritisch eher bei anderen Nationen und Kulturen gelingt als dieses kritisch bei einem selbst und der eigenen Allgemeinheit möglich ist, weil man dabei die eigenen Werte mit den eigenen Werten mißt.
Und dieser ganz menschliche rein strukturelle und inzwischen politische Aspekt der Entwicklung von Reflexion und der Reflexion auf die Reflexion wurde bisher als eine allgemeine und allgemein auch durchschaubare Entwicklung zu einer jeweils quasi kollektiven Individualität in Form einer Sprach- und Lebensform- die uns aber längst selbstverständlich geworden ist - und was wir als Nationalismus, Religion, Konfession, Kultur, Fundamentalismus oder einfach als Zugehörigkeit ja auch bezeichnen, , was je nach aktueller Vehemenz zum entsprechenden Patriotismus wird, der dennoch mehr als bloßer Strukturerhalt ist, was aber weder in den Kirchen noch in den jeweiligen Religionen wie auch nicht in den Nationen als solche Eigendynamik komplexer Gebilde von Gefühl und Begriffs-, Werte- und Gesellschaftsstruktur verstanden ist, was im Folgenden erst dadurch noch verdeutlicht werden kann, wenn wir noch vor dem Versuch einer genaueren Begriffs- und Wertenanalyse in der mikroskopischen Sicht, neben den aufgezeigten groben Strukturen der Makroansicht, in dem unser alltägliches Gerangel von Oben und Unten, von den vielen Hunterttausend natürlichen und mit der Zeit entstandenen selbstgemachten künstlichen Werten stattfindet, die wir natürlich nicht wie eine objektivierbare statische Landschaft kartographieren und statisch auffassen und nur einfach akzeptieren können und müssen, sondern als Entwicklung und Bewegung sehen müssen, , was erst verstehbar wird, wenn wir also dazu neben der Vorstellung einer Handlung Gottes als Schöpfer bzw. für einen Atheisten neben der Vorstellung eines Urknalls und einer natürlichen Entwicklung nach natürlichen Gesetzen auch noch das Geflecht all unserer Vorstellungen, Absichten, Ziele, Ideale und Handlungen hinzunehmen.
Der tiefere Grund für die fehlende Antwort auf die alternierenden Vorstellungen, die wir aber immer vor Augen haben und haben müssen, und was ich als wachsendes Reflexionsvermögen und wachsende Denkfähigkeit als die eigentliche Entwicklung bezeichne, ob nämlich das Verhalten des Menschen, bzw. einer Kultur, Religion oder auch Wissenschaft aus deren Eigenart, Konzeption oder Qualität resultiert, oder ob sich umgekehrt die Eigenschaft oder die Qualität des Menschen, bzw. einer Kultur und Religion oder Wissenschaft erst aus dem Verhalten ergibt, eine Frage, die nicht nur von Beginn, von den ersten Tagen der Christenheit an das Haupthema der Theologie und Christologie ist, sondern als Trennung und zugleich als Bindeglied vom und zum jüdischen Glauben der Beginn des Neuen und Neubeginn bzw. Erfüllung des Alten ist, wie es Paulus formuliert, daß es sich in jedem Fall seitdem um ein Verhalten handelt, ganz gleichgültig, ob man solche Reflexion nun tut oder unterläßt.
Es ist richtig, wenn man in einem Gottesdienst und in jedem religiösen Verhalten auch eine Inszenierung und darin und dahinter auch das jeweilige Gerangel und deren Struktur sieht, wie man jedes Gespräch zwischen Menschen und womöglich auch zwischen Tieren als eine Inszenierung und auch deren Struktur und Gerangel sieht und sehen sollte, wie natürlich auch Ihr Artikel, lieber Herr Augstein, als die fällige Inszenierung einer bestimmten Position gesehen werden kann und soll und gesehen wird. Der Grund für das Adressat dieser für mich aufwendigen Gedanken ist denn auch nicht nur eine Parteinahme für die Kirchen, für den einfachen Christen und Mitmenschen, sondern liegt auch in dem Anliegen, den Versuch Ihrer Reflexion eben nicht nur als das, sondern auch als ein Geschehen innerhalb solcher Entwicklung zu verstehen: es ist zwar leicht und verführerisch dennoch falsch und weltfremd, in einem normalen Gespräch, in einem Gottesdienst, in unserem alten Glaubensbekenntnis oder in einer religiösen Handlung wie auch in Ihrem Artikel und meiner Gegendarstellung nur das triviale unwichtige Gerangel, nur Doktrin, Indoktrinationsversuch, Leichtgläubigkeit, Opportunismus, Mode, Mitlaufen, Gedankenlosigkeit, Dummheit und Geschwätz für den großen Papierkorb zu sehen. Und natürlich ist der Trauergottesdienst am 26. Juli 2000 auf der Expo 2000 mit Bischof, Bundeskanzler, Minister und Frau Breuel anläßlich eines Flugzeugabsturzes der Renommee-Maschine „La Concorde" in Paris geradezu ein Beispiel von Inszenierung, was man natürlich sehen muß, wobei der ganze Hintergrund beider veranstaltenden Konfessionen und Nationen, über den wir ja sprechen, und wobei auch die Qualität der verschiedenen Reden über den Tod ohne Zweifel zu einem schwer zu übersehenden Zusammenhang gehören, aber nicht unwichtig waren, aber sicher um so unglaubwürdiger und schlechter gewesen wären, je weniger sie die Reflexion genau auch auf das Inszenierte beinhaltet hätten, wozu dann aber auch diese nächste Stufe an Reflexion und damit an Qualität erst recht gehört, daß die Reden eben nicht nur Inszenierung und damit belanglos seien.
So undeutlich hier im Organisationsbetrieb z.B. einer solchen Veranstaltung, diese Ambivalenz von Form und Inhalt, Leib und Seele, Weg und Ziel, Irdisches und Göttliches, Profanes und Heiliges werden mag, wozu womöglich hundert Leute gesondert beschäftigt und bezahlt werden müssen, und wo es natürlich auch um Gerangel, Profit und Profil geht, womit gerade die Kirchen als die größten Arbeitgeber neben dem Staat tagtäglich und dazu beispielhaft nicht nur unter diesem Vorzeichen umzugehen haben, sondern ebenso beispielhaft die Balance zur Normalität zu halten und gleichzeitig beispielhaft zu demonstrieren haben, kann solche Reflexion nicht nur leicht zu einem Realismus mißraten, in dem das Heiligste zum Ritual kirchlicher Normalität wird, sondern wobei dann das Ritual zu Rechtfertigung und zur eigentlichen Begründung weil zum Grund und damit zur Aussage und Bedeutung des Gesagten wird. Dabei kann das dann scheinbar nebensächliche Detail, ob nun Jesus tatsächlich auf dem Wasser gewandelt ist, dennoch zum Bild für dieses Geschehen samt der ganzen Problematik werden, in der unser Leben nun mal verläuft.
Sicher wird der erste Schritt an Reflexion aus solcher Routine heraus in allen Kirchen und Religionen gleichsam übertrieben am Maß des Ritualen, Normalen und Konventionellen gemessen und derart versachlicht, wenn die Bedeutung einer Aussage nur noch an ihrer Bedeutung oder als solche gemessen und entsprechend verwaltet wird. Wie mir inzwischen vielfach versichert wurde, habe auch Ihr kritischer Artikel keine Bedeutung, so daß sich auch meine Gegendarstellung nicht lohne.

Es wäre ja auch weltfremd, wenn man bei einer Menge oder Allgemeinheit von Gläubigen und ihre jeweilige Beredtheit die besondere eigene Bedeutung einer Allgemeinheit innerhalb der Struktur des Gefüges der Macht-, Sprach-, Kultur-, Wirtschafts- und Finanzwelt dabei übersehen oder leugnen wollte und könnte. Sicher wurde bereits hundert Jahre nach Christi Geburt und erst recht nach 1000 Jahren die Bedeutung Jesu auch an solcher Bedeutung gemessen, wie er sie heute als eine akzeptierte Zentralfigur auch bei allen anderen Weltreligionen hat, wobei aber immer auch das Kreuz, an das jedes einzelne Individuum sowohl mit Kritik wie auch mit Beflissenheit als entsprechend quantitative Bedeutungslosigkeit damit geschlagen zu werden droht, worauf dennoch und ja nicht zuletzt die Erzählungen wie die vom Barmherzigen Samariter oder von dem Schärflein der armen Frau im Tempel u.s.w. und damit die ganze daran gemessen auch damals bedeutungslose Figur des Jesus, nämlich das relativ bedeutungslose Subjekt, wie Sie ihn zurecht darstellen, nicht nur thematisiert wird. Und dies ist sicher noch der edelste Aspekt der Allgemeinbedeutung Jesu oder zumindest des Guten, und ist gewollt oder ungewollt, bewußt oder unbewußt der Hintergrund auch für einen Konsens der modernen Menschenrechte.
Wenn wir aber von einer Entwicklung der Christenheit sprechen wollen, die sicher bis heute gerade bei Christen oft noch mit der einfachen unreflektierten Vorstellung und Hoffnung und bei Nichtchristen und Andersgläubigen mit der entsprechenden Befürchtung einhergeht, daß die Entwicklung der Qualität mit der Quantität erreicht werden kann und soll, muß der weitere Schritt an Reflexion hinzukommen, wie nämlich die allgemeine Bedeutung, der gegenüber das Individuum scheinbar nur eine unscheinbare Rolle spielt, auch für das private Selbstbefinden des Individuums selbst von so selbstverständlicher elementarer Bedeutung ist, daß man dabei von seiner Identität spricht.
Wahrscheinlich ist es die Auseinandersetzung mit dem Islam, die Christen wie Juden zwingt, in politische Argumente auch solche theologischen Reflexionen einzubeziehen, was natürlich schwierig ist, wenn die jeweiligen Politiker ganz unreligiös oder nur religiös und weltfremd sind.
Sicher liegt die Sprachschwierigkeit bzw. sogar Sprachlosigkeit bezüglich eines uns eigentlich selbstverständlichen Phänomens, das als Vorgang oder Automatismus rein gesellschaftlich zu sein scheint und außerhalb des Individuums stattfindet, als etwas z.T. bereits Geschehenes z.B. bevor ein Mensch geboren wird und in das ein Mensch hinein geboren wird, oder als etwas, das ohne sein gewolltes Zutun passiert, daran, daß die genannten drei Ambivalenzen in der gezeigten statischen Objektivierung der vielen Hundertsausend Werte und des Gerangels zwischen Oben und Unten, wobei es mehr geht, als um die materiellen Interessen unterschiedlicher Klassen, wie auch zwischen den Wertkriterien, ob die Eigenschaft, ein gerechter oder heiliger Mensch zu sein, zu einem gerechten oder heiligen Verhalten führt oder umgekehrt, in Bezug der Qualität ohne eindeutige Antwort bleiben müssen, während dagegen der gleichfalls wichtige quantitative Aspekt sowohl der Handlung wie der Allgemeinheit und deren Geltungsbereich quasi empirisch meßbar ist und damit in der Vordergrund tritt.
Ein triviales Beispiel kann dies verdeutlichen: Eine Hutmode ist sichtbar, man kann quasi empirisch nachweisen, wo und wie weit verbreitet er getragen wird; man kann den Hut nachmachen, verkaufen und kaufen. Was es aber genau bedeutet, ihn zu tragen und was der Sinn des Mitmachens oder Verweigerns der Mode ist, kann in ähnlicher Objektivität eben niemals gemessen und eindeutig beantwortet werden.
Gottlob Frege macht in seiner Philosophie die wichtige - wenn auch uns allen geläufige und selbstverständliche wie auch verfängliche - Unterscheidung von Sinn und Bedeutung einer Aussage, wobei Letzteres nach Frege die eigentliche überprüfbare, präzisierbare oder verifizierbare Information als den Wahrheitswert enthält und der Sinn eher der Grund für solche Information ist, der zu jeder Gelegenheit ein anderer sein kann und impliziert warum wir z.B. eine Aussage mit diesem Sentiment oder jener Vehemenz belegen. Für seine wissenschaftliche Begriffsschrift klammerte er deswegen den Sinn einer Aussage ganz aus. Was aber Frege glaubte, mit der in alle Sprachen übersetzbaren Bezeichnung oder Vokabel zumindest als Bedeutung für einen Begriff objektivieren zu können, müssen wir uns bei unserer Annahme einer quasi selbständigen Eigendynamik der gesellschaftlichen Formation, bei der die Begriffe unserer Sprachen ohnehin nur einen kleinen Teil darstellen, als ebenfalls in der Luft hängend vorstellen.
Ich denke, es ist kein respektloses Vergehen, wenn wir uns eine in diesem Sinne ideale christliche Kultur wie ein Paradies vorstellen, das quasi derart auch rein gesellschaftlich funktioniert, das quasi mit einem Lattenzaun der schier unendlich vielen Aspekte umgeben ist oder von solchem getragen wird, deren Latten alle sowohl in Sinn wie Bedeutung in der Luft hängen, soweit sie uns eben nicht bewußt sind.
(schon im HTML übertragen)
Auch wenn wir uns in allem, „was man tut oder nicht tut", „was ein Christenmensch tut oder nicht tut", als die berühmte Sozialisation ein quasi ungeschriebenes Gesetzes- und Wertegestrüpp vorstellen, das in unserem Fall zugleich als die gesellschaftliche Verkörperung Jesu und als seine Realisation gedacht wurde und wird, zumindest als christliche Kultur, so besitzt dieses dennoch eine Struktur, die so real ist, wie die Grammatik unserer Sprache, nur weit komplizierter weil nicht objektivierbar.
Wenn ein Mensch aus dem Islam oder aus den asiatischen Ländern zu uns kommt, würde er Europa heute vielleicht sogar als christliche Kultur ohne Christus beschreiben können, in der Jesus nur noch als eine Traditionsfigur für eine Minderheit von Bedeutung ist.
Ich will versuchen, trotz der gefährlich verfänglichen Annahme, als hätten wir es mit Objekten zu tun, diese dennoch realen Strukturen in ihrer Komplexität zum Behufe der Reflexion zu verdeutlichen, die weitgehend unreflektiert unser Verhalten, um es überspitzt auszudrücken: „den allgemeinen Anstand des Menschen" lenken, quasi als eine Art Fremdbestimmung und höherer Ordnung, die zugleich als Identität empfunden wird, und der man sich wie einer höheren Macht unterordnet.
Ich sehe in der Unreflektiertheit und Unverstandenheit dieser Struktur, wie gesagt, zwei Hauptgefahren: 1. Daß unter dieser quasi anonymen, quasi außermenschlichen Ordnung das Individuum suspekt wird, und 2. daß solche Gesellschaftskultur extrem labil ist, weil immer die Möglichkeit besteht, daß unrefktiert aus dem anonymen Schoß des Dunkels auch Unvernunft die Macht über uns gewinnt.
Wahrscheinlich mehr zufällig hat mein großer Kollege, Wilhelm Busch, am Anfang der weltanschaulichen Katastrophen des vorigen Jahrhunderts, am Beispiel der beiden Individuen „Max und Moritz" liebevoll das Biedermeier karikiert,
 
die in solchem Kontext der funktionierenden Normalität, wegen einiger Bubenstreiche unvorstellbar grausam umgebracht und an Tiere verfüttert werden.
(Bis hierher neu bei Teil2.html unter Jesus)

Dieses führt uns zusammen mit dem Vorigen zu dem trivialen wie auch theologischen Hintergrund der Kernfrage, ob sich Jesus, Paulus, Johannes, Mohammed, Buddha als Weltverbesserer verstanden haben bzw. wie weit sie so verstanden werden. 
Ohne Zweifel eine weitere Schere, die sich in uendlichen Variationen im Verständnis verschieden weit öffnen oder schließen läßt. Und es ist je nach Motiv unredlich bis irrig, nur ein besonderes Verständnis zu dogmatisieren, wie es viele Reformer bzw. auch Ketzer aber Gegner des Glaubens taten und tun.

Sicher liegt die uns geläufige kritische Vorstellung der Entartung von etwas Echtem an Menschlichkeit oder Frömmigkeit zur reinen Formsache und Inszenierung und dann zur berechnenden Instrumentalisierung des Sakralen dem „Neuen" des Neuen-Testamentes zu Grunde. Dieses dürfte auch für die Reformation gelten, was sich mit dem „re" in der Bedeutung „zurück" zum Ursprünglichen und Eigentlichen ausdrückt. Was uns aber ebenfalls selbstverständlich ist, was aber nicht minder von der Theologie als Anliegen Jesu vernachlässigt wurde, ist der fast gegenteilige Aspekt, der implizit in dem Begriff „Neu" des Neuen Testamentes auch mit der Vorstellung einer Entwicklung enthalten ist, was aber auch in den Evangelien und Briefen selbst durchgehend - und besonders bei Paulus - anklingt, daß nämlich bis Jesus eine Zeit der Unmündigkeit und Rückständigkeit zu Ende geht, für die das alte Mosaische Gesetz in der Form von entsprechend primitiven, formalen Regeln, Geboten und Zeremonien bestimmt war, was Paulus an der Beschneidung und am Bild der „ehernen Schlange" explizierte, und was dann durch mehr Reife, Selbstverständnis und eigene Kompetenz und Einsicht in die beiden Gebote zusammengefaßt wird: „Du sollst Gott und du sollst deinen Mitmenschen lieben." Man kann sich streiten, wie man auch zweierlei vertreten und im Neuen Testament nachweisen kann, 1. ob (nach eigener alttestamentlicher und dann christlicher Auffassung) das Volk Israel durch solches formale Gesetz nur konserviert und dadurch vor einer Entartung bewahrt werden sollte, um dann einen Jesus hervorzubringen, wenn Zeit, Entwicklung und Bedarf der übrigen Welt für den Messias oder das Christentum reif ist, oder 2. ob die Entwicklung des Bewußtseins zumindest der Juden durch dieses Mosaische Gesetz bewirkt werden sollte und bewirkt wurde und zu einer Erscheinung wie Jesus oder das Christentum führen mußte; und man kann sich entsprechend streiten und beides als Ansicht der Bibel belegen, ob 1. diese Entwicklung unabhängig vom Mosaischen Gesetz oder sogar hauptsächlich außerhalb von Israel stattfand, wie sie sich z.B. als persische Kultur in der jüdischen Kanonisierung des alten Testamentes auswirkte und später als römischer Realismus und als römische Gesetzgebung und Verwaltung bis auf die Konstituierung der Priesterkaste und der jüdischen Gesetzgebung hinein wirkte, oder 2. ob die Entwicklung der Außenwelt zumindest bis zur allgemeinen Bereitschaft zum Monotheismus durch das Judentum oder nach jüdischer Auffassung durch den Gott Israels bewirkt und was dann durch das Christentum realisiert wurde.
Plausibel läßt sich z.B. nachweisen, daß sich in der Geschichte Israels über das erste Jahrtausend bis zu Lebzeiten Jesus das Verhältnis zwischen Name und Begriff Gottes zu der gleichen Übereinstimmung und Identität hin entwickelte, wie im Christentum in den vergangenen 2000 Jahren. Für Jesus oder das Neue Testament steht nie zur Diskussion, welcher Gott gemeint ist.
Mit der Einsicht, Erfahrung und Terminologie der letzten Jahrhunderte der schnellen Entwicklung, die wir wie ganz selbstverständlich von formalen, zeitbedingten, reinen Veränderungen unterscheiden können und auch wollen, was wir jeweils nur als Zeitgeist oder Mode bezeichnen würden, können und sollten wir unterscheiden die Handlung Gottes von der Handlung des Menschen, einer Beziehung aufeinander, die im Alten Testament der Gesetzgebung noch wie ein formaler Automatismus von Befehl und Gehorsam, von Gehorsam und Lohn, von Ungehorsam und Strafe dargestellt ist, wie auch das Verhältnis zwischen Menschen als kausale, automatistische Schere von Oben und Unten verstanden wurde, wobei mit der Handlung des Menschen zugleich auch ein Verhalten nämlich Gehorsam und Ungehorsam, Lohn und Strafe auch der Allgemeinheit gemeint ist, so daß z.B. die Schuld eines Einzelnen zugleich die Schuld der Gemeinschaft ist und umgekehrt, - im Zwischenmenschlichen genauso wie im Verhältnis von Allgemeinheit und Gott. Hierzu ist Jesus, der diese Schuld auf sich nimmt, büßt und tilgt ein Schlußstein, ein Schlußstrich alter Gesetzgebung und eben auch alter Vorstellung von göttliche wie auch von menschlicher Handlung. Ausgesprochen ist dieses bis heute auch noch bei Christen als Handlung ein Ereignis, während mehr unausgesprochen bereits bei Paulus und auch bei Christen das Geschehen Jesu im Zusammenhang auch mit einer Entwicklung gesehen wird als eine „Neue Zeit". Wir würden heute die geistige Entwicklung zur Individualisierung der Nächstenliebe, der Gottesfurcht, der Verantwortung und Schuld als gesellschaftliches Geschehen derart denken, als sei die Summe aller individuellen Handlungen ein statistisches Mittel mit einer logischen Eigengesetzlichkeit, die sich von der logischen Konzeption und Gesetzlichkeit des Individuums genauso unterscheidet wie von der jeweiligen Handlung Gottes, wobei Gott in seiner Allwissenheit und höheren Absicht, Intelligenz und Vernunft die jeweilige Auswirkung des Einzelnen auf die Gesamtschöpfung erkennen und berücksichtigen kann, die für unser Verständnis von statistischen Zusammenhängen (etwa im Sinne von dem Verhalten der einzelnen Gasmoleküle in einem Raum, bzw. von der Einzelentscheidung bei einer geheimen Wahl) eher als zufällig und unerheblich erscheint.
 

Das einfache, alte und schöne Bild von einem gemeinsamen Boot, in dem sich die Insassen das Leben erträglich oder zur Hölle machen können, steht aber dennoch hinter den Worten Jesu, wenn immer die Liebe zum Nächsten, Einsicht des eigenen Fehlverhaltens und dessen Verzeihung beim Nächsten das Thema ist, was dazu verleiten kann, Bosheit als Fehlverhalten und Irrtum bzw. Dummheit und Mangel an Sozialisation zu sehen, oder eben umgekehrt, wie es teilweise schon unserem Rechts- und Wertesystem sowohl im Sinne von Strafe wie als pädagogisches Anliegen zu Grunde liegt, das allerdings der Frage in recht kindlicher Unbekümmertheit ausweicht, wohin dieses Boot fährt oder fahren soll, wenn nicht hedonistisch möglichst hoher Unterhalt, hohe Rente in maximalem Frieden vor einem Absterben des jeweils Einzelnen und der Applaus von möglichst vielen die einzige Perspektive als der Sinn unseres Lebens in einem sich selbst und ziellos treibenden Boot sein soll. Was als Frage nach dem Sinn des Lebens ein weites, eigenes Thema wäre, stellt sich hier erstmal nur als Sichtweise, wieweit wir Jesus und das Christentum als derartige Weltverbesserungsaktion, als irdisches und politisches Anliegen verstehen können, wodurch das Zusammenleben in diesem gemeinsamen Boot erträglicher werden soll. Wie es das wohl authentische „Vater unser" zu denken nahelegt, hat der unbekümmert radikale Jesus sicher auch dieses gedacht, wenn wohl auch kaum als Lösung des damals aktuell werdenden Problems einer multikulturellen Diffusion von tausend fragwürdig gewordenen Primitivreligionen mit ihren jeweiligen Werte- und Sprachstrukturen, die sich bis heute in unserem Denken erhalten haben. Die Apostel und auch Paulus dachten ebenfalls noch nicht in solchen Dimensionen, - hier liegen sie falsch, Herr Augstein, - was sich mit der rasanten Verbreitung und durch solche erst 300 Jahre später in solcher makroskopischen Sichtweise zu denken anbot, wie sie der Kaiser Konstantin und der spätere Mohammed aufgreifen. Das Kerygma will den einzelnen Menschen und sein Heil, womit keineswegs Wohlstand, Rechtssystem oder ähnliches sondern Seelenheil gemeint war, wobei das Zusammenleben der kleinen Gemeinden in diesem großen, nach frühchristlicher Vorstellung ohnehin untergehenden Boot und das Verhältnis zu den Nichtchristen, zur Welt, eher beiläufig, wie eine selbstverständliche Nebensache geregelt wird. Die wohl authentischen Bilder vom „Sauerteich" und vom „Salz der Erde", ersteres als Umschreibung einer Gefahr der Verstrickung und letzteres durchaus als Möglichkeit und Aufgabe der Weltverbesserung, zeigen deutlich, daß Jesus und die frühen Christen den komplizierten und komplexen Zusammenhang menschlichen Handelns gesehen haben, wenn dieser auch undeutlich bleibt und keineswegs religions- oder rechtspolitisch oder gar soziologisch aufgefaßt wurde, wie bei Mohammed.
Die Dogmatisierung jener Gemeinderegelungen in welt- bzw. religionspolitischer Dimension, wozu die Paulusbriefe benutzt wurden, ist weder paulinisch noch war es seine Absicht, sondern war, wenn überhaupt, immer quasi ein Legitimationsbehelf. Die Kirche behielt mindestens bis zur Reformation Recht und Kompetenz von Eigenaussagen und Eigengestaltung mit gleichen Gültigkeitsanspruch wie die neutestamentlichen Schriften, wobei sie sich höchstens selbst bzw. ihre Eigenaussagen dogmatisierte, aber bereits als Vormund der Laien. Eigentlich begann die Dogmatisierung der Bibel nicht mit ihrer Kanonisierung, sondern erst mit der Reformation, womit Luther die Willkür einer verweltlichten und verkommenen Kirchenleitung einer „höheren" Kompetenz zu unterstellen suchte, wozu das Neue Testament weder gemacht noch gedacht noch tauglich war, was sich dann auch gerade durch die protestantische Theologie der folgenden 400 Jahre erwies.
Die Veränderung zur Neuzeit ist denn auch viel tiefgreifender.
Es braucht keine neue Geschichtsschreibung, um nachzuweisen, daß mystische Erfahrung, daß eine Besinnung auf das Kerygma und die eigentliche Botschaft Jesu nicht erst seit der Reformation, sondern schon immer überall innerhalb der Kirchen stattfand, und daß auch die Reformation nicht nur solches, aber auch nicht nur ein politisches Geschehen und Folge des Gerangels zwischen Kirche, Kaiser und Fürsten war, aber auch nicht nur Folge einer allgemeinen Entwicklung in Technik, Bildung und Wissenschaften, - hier war Luther nur sehr einseitig auf der Höhe seiner Zeit und eher konservativ, - , natürlich stimmen alle diese Aspekte, in denen aber das veränderte Verhältnis des Einzelnen zur Allgemeinheit kaum deutlich wird, das dabei in zweifacher Bedeutung verändert nicht nur allen alten und neuen Begriffen der jeweiligen Sprache zu Grunde liegt, sondern auch dem Denken und Handeln, was an Komplexität jedem bei der Vorstellung deutlich werden kann, wenn man z.B. ein Tischgespräch Luthers vergleichen wollte mit einem Tischgespräch Jesu oder Petri, wenn auch der Grundkonflikt des Individuums mit den Allgemeingültigkeiten, der in dem Leidensweg Jesu ausgetragen und mit dem Kreuz zum Symbol geworden ist, der Gleiche ist.
Man kann sich die Tiefenstruktur der Veränderung als Entwicklung von Petrus zu Luther, die auf der Hand liegt, in diesem Sinne so verdeutlichen, wenn man sich einen Begriff wie einen Apparat vorstellt, der die beiden unterschiedlichen Allgemeinheiten wie zwei Kollektoren, zwei Räderpaare oder zwei Achsen besitzt, die den Kontakt zur Realität herstellen, wobei, wie schon ausgeführt, die eine Allgemeinheit die extensive Bedeutung ist und z.B. alle möglichen, also die Allgemeinheit von Autos, Tische, Menschen u.s.w. meint und bei jeder genauen Erkenntnis oder Bezeichnung von etwas Konkretem Existenz herstellt bzw. behauptet, und wobei die andere Allgemeinheit die soziale ist, also die Allgemeinheit der Menschen, die diesen Begriff kennen und dann verstehen können. Nun sind Begriffe keine materiellen Gegenstände wie Staubsauger, Fernseher oder Erdkabel, die einerseits zwischen den extensiven Gegenständen herumfliegen oder diese verkabeln und andererseits zwischen den Menschen der Allgemeinheit, sondern in denen bei jedem Gebrauch einerseits nach den Regeln einer komplizierten Grammatik nicht nur der Sprache, wie es Bertrant Russell annimmt, sondern auch nach den Regeln jener Schere und des ganzen Wertesystems von mehr als 300000 Werten eine quasi virtuelle Welt der beiden Allgemeinheiten hergestellt wird, wobei die Vielheit der Allgemeinheit neben einer anderen strukturellen Funktion, die wir erst später analysieren, hier aus dieser makroskopischen Sicht ein Wertkriterium ist, dessen Ambivalenz einerseits zu dem führt, was wir als Patriotismus zugleich als eigenes Bewußtsein und eigene Existenz empfinden und eigene Identität nennen, obwohl es andererseits als immer drohendes Chaos von eigener Ungültigkeit in dieser Allgemeinheit gerade die Relativierung des einzelnen Subjekts und des Subjektiven überhaupt bedeutet. Hinzu kommt in der Neuzeit der Menschheit mit der gleichen Ambivalenz von Allgemeingültigkeit und Identität einerseits und der eigenen Relativierung andererseits noch die Vielheit der verschiedenen Allgemeinheiten.
Wenn wir uns vorstellen, daß dieses erstmal unabhängig von jeder Absicht wie ein Mechanismus weit komplizierter als ein Uhrwerk oder ein Computer in diesem Apparat, dem Begriff, abläuft, wo immer wir und wozu auch immer wir einen Begriff benutzen, ohne den sich nichts erkennen und denken läßt, und ohne den es kein Bewußtsein gäbe, weder beim Menschen noch beim Tier, so käme mit der Absicht, wie z.B. die einer Weltverbesserung, die allerdings nur der Mensch haben kann, noch das jeweils individuelle, eben problematische Verhältnis zu diesen drei Allgemeinheiten hinzu.
Wenn sich in der Gesamtdarstellung Jesu ein menschlicher oder göttlicher Wille zur Weltverbesserung befindet, so bedeutete aber die bewußte und wohl eindeutige wenn auch nur formale oder begriffsstrukturelle Parteinahme und Loyalität der Christen für diesen Jesus, wenn sie sich einst z.B. in oft skandalöser, inhumaner und unchristlicher Weise engagierte, als Jesus längst zu einem Begriff und das Christentum längst eine Allgemeinheit geworden war, eben das Verhältnis zu dieser Allgemeinheit samt ihrem Oben und Unten und samt allen anderen Werten und keineswegs den Willen zu einer Weltverbesserung, sondern eher im Gegenteil ihre Bejahung, Rechtfertigung und Verteidigung, wobei die heiligen Schriften, Sakramente und Konventionen des Religiösen zu der Allgemeinheit des Exentiven gehört, was als Bewußtsein von Christentum und der eigenen Existenz etwas ganz anderes ist als Christsein in der individuellen mystischen Begegnung.
Aber das weiß man eigentlich, denn es handelt sich um Bewußtsein und dies normaler Weise eben nicht in Form solcher Entartungen, sondern meist als unser normaler Anstand und unser normales Verhalten samt unsere normale Verschlagenheit und ist uns selbstverständlich, wenn es auch rechtes Selbstverständnis erst werden muß.
Es ist quasi ein Hebel, den z.B. in der klaren Position in dieser Schere ein König bewegen kann und bewegt, wenn er „seine" Soldaten in den Krieg gegen eine andere Allgemeinheit führt, was jene Soldaten auch erwarten, weil es das Sterben erleichtert, aber auch das Töten und Marodieren legitimiert, wobei der Gegner zu einer Sache wird wie man dabei selbst zu einer solchen wird.
Die Unmenschlichkeit des Strukturellen mit dem merkwürdigen Sentiment samt dem Bewußtsein von Allgemeinheit und Existenz als ein Hochgefühl, dem sich auch Sexualität und Homosexualität und alle Sozialisation und auch Religion unterstellt, fand ich in dem romantischen Lied über eine totgeweihte Gemeinschaft zusammengefaßt „Hoch überm Tale standen ihre Zelte", das der CVJM nach dem letzten Weltkrieg zu einem Krieglied für Jesus umgeschrieben hatte, und das wir alle begeistert sangen.
So hätten bei einem Tischgespräch, das Luther zu Zeiten von Königen und Fürsten in einem christlichen Abendland führt, selbst die Worte Jesu immer auch eine extensive Bedeutung, d.h. eine rein begriffliche Funktion, die sich bei einem Tischgespräch Jesu oder Petri auf eine Welt noch ganz im jüdischen Kontext bezieht und bei Paulus zum heidnischen und entsprechend inhaltlicher bzw. intensiver Natur waren, also als Absicht einer Erkenntnis, als Verhältnis zu den Allgemeinheiten im Gegensatz zum bestehenden Extensiven in der Essenz noch neues Evangelium, die noch eine neue Welt mit übergesellschaftlicher, überbegrifflicher Kompetenz war und diese auch forderte. Dennoch meine ich, daß eine Entwicklung an Differenziertheit und Qualität d.h. Humanität auch der begriffsinternen Wertestruktur von Petrus und Paulus zu Luther dadurch stattgefunden hat, d.h. daß die Intensive Jesu auch die Extensive beeinflußt hat, wenn auch die Funktion eines dann „christlichen" Begriffs allein für sich als solcher unreflektiert nichts weiter ist, als Funktion, - eben nicht nur der Grammatik und Mathematik, wie es Russel formuliert, sondern auch des Erkennens und Denkens, - das hieße im Extremfall paradoxer Weise, daß das Gebot der Nächstenliebe und das Gebot „Du sollst nicht töten" zum reinen Begriff geworden selbst in das Töten und Morden und Marodieren des Krieges mit einfließen kann, wie erst recht in das Gerangel der Schere von Oben und Unten. Daß der Unterschied zwischen der biblischen Botschaft als individuelle und mystische Erkenntnis und Intension der individuellen Erfahrung Gottes einerseits, die es zu allen Zeiten der Christenheit in herausragenden Persönlichkeiten und Ereignissen, wie St. Martinus und St. Franziscus und tausend anderen, aber auch über das ganze Leben verstreut im Alltag der ganz normalen Menschen gegeben hat und gibt, und wie schon gesagt quasi ein „kleines" privates Eigenleben neben und in der „großen" Allgemeinheit von Staat, Kirche und Theologie führte und führt, und andererseits der extensionellen, zur begrifflichen Bedeutung mit jener dreifachen Allgemeingültigkeit gewordenen Funktion und Religion der biblischen Aussagen, daß also dieser Unterschied mehr ist als ein Phänomen von Grammatik und Syntax, zeigt beispielhaft das große verallgemeinerte Attribut des Christlichen, nämlich der Nächstenliebe, wie sie Lukas in seinem Evangelium, Kap. 10, ab 29 zwar ausdrücklich als immer individueller Einzelfall dennoch verallgemeinert und damit zu einem Begriff macht, was dann im Rahmen einer quasi objektiven, staatlichen Christlichkeit logisch bedeuten kann, daß es Recht und Nächstenliebe ist, einen Menschen zu töten, damit er nicht zwei oder zehn andere tötet, - oder was immer man sich mit der logischen Anwendung des Begriffs denken kann,  was natürlich bereits bei Lukas eine erneute Kreuzigung des Einzelfalls ist, was sich jedoch zugleich als geforderte Parteinahme wie die Kreuzigung Jesu selbst immer auch darstellt.
Das Chaos und die Hölle von Unsicherheit für den Einzelnen ist dabei, daß er als solcher, wie es Frege wunderbar darstellte, nur ein zufälliger Einzelwert in einer Formel ist. Der Ausspruch des Hohenpriesters Kaiphas, es sei gut, daß ein Mensch für alle geopfert wird, (Joh. 18,14), was auch die Schamanen und Druiden und andere Urreligionen gesagt haben könnten, wobei das Schicksal des jeweiligen Individuums und überhaupt das Subjektive zugunsten des höheren Objektiven oder der begrifflichen Hypostase ignoriert wird, zu der das Allgemeine als Begriff immer wird. Zu solcher Reflexion gehört denn auch noch der nächste Schritt an Selbsterkenntnis und Menschenkenntnis, daß wir mit je verschiedenem Abstand dann auch Unterschiedliches sehen und für wahr und richtig halten können oder etwas als solches für wahr und richtig halten sollen, und wir blieben ohne solche weitere Reflexion ganz in den Widersprüchlichkeiten und Irrmeinungen, aber auch in der geradezu naiven Blindheit der ethischen Dimension gegenüber gefangen, die sich aus der Möglichkeit unterschiedlicher Abstände und ihrer Wahrheiten ergibt - und zwar sowohl im allgemeinen alltäglichen Leben wie auch in den Wissenschaften, und erst recht in der Theologie und Philosophie, wie wir sehen werden.
Der Begründer der analytischen Philosophie, Bertrand Russell, mußte denn auch gerade sich selbst und seinem selbst erkannten Antinom von der Menge der Mengen gegenüber blind werden und hat, wie schon gesagt, seinen Nobelpreis deswegen bekommen und verdient, weil er sich gegen seine Philosophie der Analysis mehr intuitiv und rhetorisch an die „unbedeutende" Menge wandte, wie er sie durchgehend nannte und wie er durchgehend zwar bedeutende und unbedeutende Menschen und Philosophen und Philosophien unterscheidet und dennoch blind ist oder geradezu mental durch die mikroskopische Analysis verhindert ist, diese von seiner Sicht her eher lächerlich erscheinenden makroskopischen Wahrheitskategorien zu sehen, denen er selbst verfangen bleibt, was ihn blockiert, das Wesen, die Funktion und die Rolle der allgemeinen Allgemeinheiten für die eigene zu sehen, der er selbst aufsitzt, wenn er z.B. von einer allgemeinen Religiösität und einem allgemeinen Nationalismus und Sozialismus spricht, - und, was unreflektiert wohl noch verwirrender ist und das Abendland in die wohl größte weltanschauliche Katastrophe führte, - wie und wodurch die genannten allgemeinen Allgemeinheiten die allgemeinen konkreten Allgemeinheiten bestimmen. Denn wenn in der Tat bei den Weltkriegen und den hundert Kriegen in aller Welt danach scheinbar solche konkreten Allgemeinheiten von Völkern konkret loszogen, um sich konkret gegenseitig zu töten oder zu erniedrigen, statt zu lieben, haben wir es sicher immer auch mit jenem Sentiment zu tun, das Russell richtig sah und an den Namen des allgemein eher unbekannten englischen Byron, und die Namen von Schopenhauer, Nietzsche und des Komponisten Wagner knüpfte, und natürlich ging es auch um das Gerangel jener Schere Oben und Unten, wer ist der Größte, bzw. wer ist die größte konkrete Allgemeinheit, und es ging um die Gültigkeit des jeweiligen Wertesystems der jeweils eigenen Allgemeinheit, wobei der politischen Vergegenständlichung von letzterem in unserer Zeit der Mondialisierung zunehmend die allgemeinen Allgemeinheiten zu Grunde liegen.
Um dies Treiben und die Drohung von Chaos und Ungültigkeit dahinter zu verdeutlichen und das notwendige Verständnis für diese Komplexheit des alltäglichen Gerangels zu vereinfachen, möchte ich zugleich dem vielleicht naheliegenden Verdacht widersprechen, als würden wir einmal von jenem Sentiment fremdbestimmt, wie es Schopenhauer nahelegt, oder zu wenig, wie es zu denken Nietzsche und Marx nahelegen, die gleicherweise zum Aufbruch aus der Letargie mangelnder Sentiments aufrufen, oder als würden oder wären wir von solchen Werten, wie z.B. den sexuellen oder ökonomischen, fremdbestimmt und determiniert, wie es die wissenschaftlichen Ansätze zur Psychologie und Soziologie und wie es der Marxismus der vorigen beiden Jahrhunderte insinuierten: Wie gesagt gehören zu den Werten, nach denen wir werten und gewertet werden, nicht nur der schöne Hut, Piercing oder die prallen Muskeln, die volle oder leere Brieftasche, Applaus oder Pfiffe durch eine Allgemeinheit usw., sondern auch die Regeln der Grammatik der Sprache, wie auch alle Begriffe und Worte wie Gut und Böse. Keiner würde aber sagen können, weil wir uns an die Syntax und an die Regeln der Grammatik halten, sei schon bestimmt oder gar determiniert, was wir sagen und meinen werden, als müßten wir es sagen und meinen. Und in diesem Sinne ist der positive Wert von dem Begriff, „Gut" keineswegs die Bedeutung, die er hat,
Am naheliegendsten an Wahrhaftigkeit ist natürlich die daraus resultierende Einsicht, daß man mit der einen Wahrheit nicht die andere leugnen oder verneinen, und daß man sie nicht gegen die andere dogmatisieren kann oder darf, woraus sich sonst leicht ein demagogisches Spiel oder Fangnetz ergibt, durch das man andere verführt oder in das man sich selbst verfängt.
Hierbei wäre es ebenfalls nutzlos und ja auch falsch und nicht minder gefährlich und naiv, einfach davon auszugehen, als sei der eine Aspekt, nämlich die Überzeugung und die begründende Logik z.B. eines Richters, Polizisten, Pfarrers oder eines üblen Schlägers, soweit sie sich aus der Position ergibt, die derjenige oder diejenige mir gegenüber einnimmt oder hat, gar nicht vorhanden oder ohne Relevanz, wir würden z.B. den Islam und den Koran mit allen Attributen Gottes und eben auch unsere eigene mögliche Blindheit dafür nicht verstehen können, daß und warum z.B. die ständige Verknüpfung der Gottesattribute mit der Alltagslogik im Koran durch die quasi immer mehrdimensionale Logik zu der Eindringlichkeit wie Unangreifbarkeit führte, wie auch im Christentum mit der Zeit der reine Wortlaut der Bibel z.B. in der Sprache Luthers oder eines anderen Übersetzers, - ob landessprachlich oder lateinisch - bereits göttliches Attribut geworden ist, mit der Tendenz, daß sich dabei wechselseitig das eine durch das andere, nämlich die eine Dimension oder Sichtweise durch die andere Dimension oder Sichtweise sowohl dogmatisiert wie verstellt, wie wenn nicht anders z. B. Eltern ihren Kindern eine Aussage derart begründen „Weil ich es sage.".
Dieser quasi doppeltverschnürte Wahrheitsanspruch als Wahrheitsbegründung, wo immer man eine Wahrheit oder Unwahrheit mit der Größe oder Kleinheit, der Berühmtheit oder auch der Stärke, bzw. der Schwäche und dem Reichtum bzw. der Armut oder dem Platz in jener Schere begründet, ist jedoch noch viel komplizierter, als es hier scheinen könnte, was z.B. immer dann deutlich wird, wenn ganz offensichtlich der Konsens selbst wichtiger ist als das, worin er besteht, wie wir es bei Kinderspielen genauso beobachten können, wie im alltäglichen Miteinander aller autoritären und auch traditionellen Strukturen, wobei wir ohne Letzteres, wie z.B. ohne Sprache nicht leben könnten.
Dennoch ist es natürlich notwendig, die Struktur von Konsens und Wahrheitsbegründung so gut wie möglich zu verstehen, einmal um nicht die eigene Wahrheitskompetenz an solche in der Tat meist fragwürdigen Wahrheits- oder Gültigkeitskriterien zu opfern und damit in lächerliche wie gefährliche Blindheit zu geraten, und andererseits hauptsächlich, um nicht jedes Einverständnis samt Menschlichkeit jeder Philosophie und Theorie zu opfern bzw. selbst solcher meist leicht begründbaren Preisgabe ausgeliefert zu sein, die logisch ist oder so scheint. Beides wäre weltfremd. Wir müssen das gemeinsame Boot so gut wie möglich kennen, in dem wir fahren, das eben nicht nur Kompromiß, Mißlichkeit, Lebenskampf, Beengung, menschliche Bedingtheit aller Erkenntnis und ein ewiges Gezerre um Gültigkeit und Vorteil ist, das es natürlich zu verbessern gilt, weil wir uns Himmel und Hölle darin selbst gestalten, sondern das auch die einzige kurze Möglichkeit wie Voraussetzung menschlicher Existenz ist.

Man kann sich die veränderte Aussage durch die deutlichere Sichtweise z.B. bei einem größeren makroskopischen Abstand mit zugleich steigender Ungenauigkeit der Mikroansicht sehr vereinfacht so veranschaulichen, wie man z.B. von einem Flugzeug aus Kontinente und Erde immer deutlicher sieht oder überhaupt erst sieht, wobei als Nachteil jedoch die Menschen nur noch als Punkte und Menschenmengen dabei nur noch als Flächen wahrzunehmen sind, während man ganz nahe z.B. unter einem Elektronenmikroskop ebenfalls keine Haar- oder Augenfarbe mehr und selbst den menschlichen Organismus und überhaupt auch Leben nicht mehr wahrnehmen kann, sondern am Ende nur farblose tote Elementarteilchen herumflitzen sieht, also vom eigentlichen Menschen noch weniger wahrnimmt als vom Flugzeug aus. Dennoch zeigen beide Sichtweisen auf den Menschen durchaus eine jeweils bekannte und vertretbare Wirklichkeit des Menschen und zwar auch als unsere reale Befindlichkeit, insofern wir dies nämlich wissen und dann auch reflektieren sollten, um nicht einseitig, blind und ungerecht zu werden.
Der Verdacht, daß wir also nicht nur von jener Makrosicht aus den realen und materiellen Menschen aus den Augen verlieren können, wobei in unserem Beispiel der einzelne Mensch zu einem Punkt wird, oder vom Mond aus gesehen fast ganz verschwindet, und z.B. bereits seit Beginn des vorigen Jahrhunderts an oft sogar nur noch derart gedacht mit einem Virus verglichen wird, der die schöne Erde wie eine Krankheit befallen hat, sondern daß wir nicht anders dann auch in der Mikrosicht den Menschen in nur anderer Weise aus den Händen verlieren, wo er in der Tat nur noch aus leblosen Elementarteilchen besteht, die weder Hunger noch Durst, weder Hochmut noch Beleidigung kennen was z.B. sogar berühmte und einflußreiche Mediziner, wie den großen Physiologen Helmholtz (Hermann Ludwig Ferdinand von, * 1821, † 1894) dazu verführte, dem Menschen die Seele und indirekt auch den freien Willen abzusprechen, weil sich solches nirgendwo im Körper finden lasse, daß es also eine wahre Sicht gar nicht gibt, zwingt uns gerade zur konsequenten Vorsicht, auch bei der folgenden genaueren Betrachtung unserer Begriffe und Konventionen, was sehr viel komplizierter ist, darauf zu achten, wo immer Schlußfolgerungen dazu führen, den Menschen und das einzelne Individuum zu negieren, daß dies dann trotz logischer Richtigkeit falsch und bereits ein Fehlverhalten wäre, was sich nur durch Reflexion genau darauf vermeiden läßt. Denn nicht nur der Mensch als ein Energiefeld um Milliarden toter Elementarteilchen sondern auch der Mensch als Punkt oder Nummer wie alle anderen, sondern mit ihm auch z.B. der Schmerz verschwindet geradezu aus der Wirklichkeit, wenn er nicht als Einzelfall stattfindet oder im Empfinden des einzelnen Individuums aus einer bestimmten Situation und Zeit verschwindet; und das gilt für jede Wahrnehmung und damit eigentlich für jede Erkenntnis, auch für diejenige Erkenntnis, die wir für alle Ewigkeit in einem Buch geschrieben und gesichert oder durch einen Beweis bewiesen glauben.
Die wohl allen bekannte Erfahrung macht wohl jeder Mensch bei der Erinnerung an die eigenen Eltern und Lehrer wie auch bei den Eltern anderer Kinder oder später bei sich selbst oder bei Freunden, wo immer durch die Machtposition der Eltern geprägt den Kindern Wahrheit befohlen wird. Wir wissen, wie dieses unvermeidliche Auftreten andererseits aber auch als Unsitte die Eltern zu kleinen Despoten machen kann, dem sich ja nicht nur die Kinder dann anpassen müssen, sondern das auch den Charakter der entsprechenden Eltern entsprechend prägt, - und diese, je ungebildeter und primitiver sie sind, um so ausgeprägter zur sozialen Isolierung bis zum Asozialen führen kann, - wie es eben auch einer Institution, Konfession oder Sekte passieren kann, - , weil sie dann mit einem für jeden durchschaubaren häßlichen Überlegenheitsgefühl für Kritik, Selbstkritik und neue Einsichten unzugänglich werden und quasi erstarren und allgemein wie auch vor den Kindern lächerlich werden, wenn sich diese solcher Erstarrung zu entziehen vermögen; und wir sollten immer vor Augen haben, daß es nicht zuletzt diese Auswirkung gesellschaftlicher Schere ist, eben auch in der Familie, die eben nicht nur aus solcher Befangenheit in der Makroansicht resultiert sondern nur in dieser Makroansicht unserer Schere und der Reflexion darauf auch deutlich wird, wenn wir z.B. dann wegen fehlender Reflexion darauf nur deshalb dennoch etwas für wahr und richtig halten, weil wir es einst als Kind mit Pathos und Macht eingebleut oder aufgezwungen bekamen, oder weil es - vielleicht sogar von den Eltern ungewollt - auf uns den Eindruck von absoluter Wahrheit machte. Reflexion darauf bedeutet zumindest immer auch die Vergegenwärtigung der Erkenntnis, daß das Wahrheits- und Gültigkeitskriterium, soweit es nur aus solcher sozialen Situation der Schere in Form von Erziehung, Religion, Sprache, Kultur und Konvention oder nur aus Wissenschaft resultiert, nicht die einzige Sichtweise und nicht das einzigmögliche Gültigkeitskriterium ist.

Solche Vorgänge sind nun mal Realität und liegen nicht nur jeder Sprach-, Religions- und Kulturform zu Grunde, sondern als Wahrheits- oder Glaubwürdigkeitskriterien auch den Inhalten, was eben andererseits nicht einfach bedeuten kann, daß alle Formen zwar richtig aber alle Inhalte ignoriert werden könnten oder umgekehrt. Der Zusammenhang von beidem, von Inhalt und Form, den wir erst in einer Mikroansicht besser verstehen können und ebenfalls reflektieren müssen, ist derart vielschichtig und komplex, wie es am Behelfsbild der Schere bzw. aus solcher Makroansicht gar nicht deutlich wird und dann auch nicht zu einem angemessenen Verhalten führen kann; dahingehend vielleicht, daß man sich von den Eltern trennt, sie verachtet, oder z.B. die Funktion der Eltern durch den Einfluß von Schule zu begrenzen versucht, wobei ja in der Schule dann das gleiche stattfindet. Schule darf nie destruktiv wirken, sondern muß sich immer additiv verstehen. Und man kann nicht einfach - statt angemessen zu reflektieren - , den Rat und die Ansichten der älteren Generation einfach dogmatisch verneinen und verdammen, weil es sich um offene oder heimliche Dogmen oder Dogmatisierungen handelt, um damit vielleicht ein Unwesen aus der Welt schaffen, das in Form und/oder Inhalt nun mal Teil der Wirklichkeit ist, die sich durch und als Verhältnis von Oben und Unten in Form von Eltern und Kinder, Amt und Verwalteter, Reich und Arm, Mann und Frau, Stärke und Schwäche, Intelligenz und Dummheit vermittelt, in der Religion und Kirche nicht anders als im Militär, wie auch umgekehrt das Alter eines Menschen oder einer Schrift wohl oft ein Wahrheitskriterium, nicht aber Grund blinder Dogmatisierung sein darf. Weniger deutlich ist das Gleiche, das bereits in jedem Gespräch dadurch stattfindet, daß jemand aktiv spricht oder schreibt, und zwar als das, was in der Schere Oben bedeutet und der andere nur passiv zuhört oder liest, was wir dann als jeweils Unten klassifizieren, wobei sich gerade diese seperate Makroansicht hier am Bild unserer Schere als wichtig erweisen wird, insofern sie um zu reflektieren nur separat auch zu erkennen und zu verstehen ist, weil sich hierbei und vielleicht nur damit diese Problematik wahrnehmen und von der anderen unterscheiden läßt, die sich aus dem anderen Unterschied, nämlich dem des Kenntlichmachens als Handlung über eine Handlungstheorie einerseits gegenüber dem Erkennen über eine Erkenntnistheorie andererseits ergibt, was sich erst als Mikroansicht der Begriffsstruktur erkennen läßt.

Wenn z.B. Zahlen im empirischen oder materiellen Sinn nicht wirklich sind, wovon unsere Philosophen überzeugt sind, dann müssen wir, es sei wie es will, dennoch genau mit ihnen rechnen, weil der Bäcker genauso rechnet und weil bei der Berechnung einer geplanten Brückenkonstruktion nicht anders die Konvention der mathematischen Darstellung sich nach unserer menschlichen, gemeinsamen Erfahrungsart richtet bzw. eben diese Konvention ist, hinter der wir als ein Stück Wirklichkeit unsere Erfahrungsart, wenn auch nicht die Wahrheit der Wirklichkeit selbst in den Händen haben, was uns zwar zwingt, unsere Wirklichkeit in dieser Subjektivität zu suchen, aber immer mit der hier - aber nicht immer - offensichtlichen Gefahr, die eigentliche Existenz, d.h. das unbegreifliche Menschenleben einer Rechnung, dem Geld, der Wissenschaft oder dem menschlichen Dichten und Trachten zu opfern. Und wir machen derart auch Gott zum Götzen, wenn wir ihm Menschenleben opfern.
Wir entkommen dem Teufelskreis nur dadurch, daß wir Form und/oder Inhalt in ihrer Existenzweise reflektieren: Es liegt im Wesen und Wahrheitskriterium einer Konvention, daß sich die Richtigkeit - nämlich als Gültigkeit - dadurch ergibt, weil sie von allen, die zu solcher Konvention gehören, für wahr gehalten wird.

Den jeweils eigenen Standort in dieser Schere zu bestimmen und zu werten, der von Situation zu Situation wechselt, ist besonders heute in einer weitgehend durch wissenschaftliches und sog. „aufgeklärtes" Bewußtsein geprägten Demokratie aus zwei entscheidenden Gründen schwierig, weil jene einmal eben prinzipiell nicht örtlich und objektiv und gottlob auch kaum noch so offensichtlich durch ein aristokratisches oder oligarchisches Kastenwesen geordnet ist, durch das einst die irgendwie erkämpften Privilegien und „oberen" Positionen an Kinder, Günstlinge und Verwandtschaft weitergegeben und vererbt und seit Menschengedenken sowohl mit Gewalt wie mit Religion und religiösen Argumenten gerechtfertigt und verteidigt und dann Tradition wurden, sondern ist heute je nach Ansehen, Beruf, Vermögen, gesellschaftlicher Position und Funktion aber auch je nach Situation verschieden, zum anderen haben wir uns längst über jenen Abgrund von Fragwürdigkeit und Häßlichkeit solcher Wahrheitskriterien Brücken gebaut.
Dennoch müssen wir uns den Abgrund und die häßlichen, abstoßenden Abgründigkeiten all unserer Wahrheiten noch verdeutlichen, auch wenn sie heute längst mit zusätzlicher oder neuer oder nur verkleideter Bedeutung erscheinen.
Gerade das romantisch Vertraute und Selbstverständliche solcher Schere in Geschichte und Gegenwart, wenn wir von hohen Fürsten- und Königshäusern, von Adel, hohen Ämtern und von der oberen Gesellschaft sprechen, darf uns hier nicht den Blick auf unser eigentliches Thema verstellen, das auch Norbert Elias verfehlte oder nur beiläufig streifte, selbst wenn er das, was er deutlich machen wollte, auch glaubwürdig belegte, daß ein kultivierterer Umgang miteinander als „Prozess der Zivilisation" nur von Oben her schließlich zu Gebräuchen, Konventionen und Allgemeingültigkeiten wurde. Natürlich muß man dabei von Mode sprechen. Aber Elias konnte in dem Zusammenhang weder die Struktur einer Mode noch die eigentliche Rolle der Religion verstehen. Die religiöse Rechtfertigung einstiger Hirarchien basierte auf den echten Glauben der Beherrschten und konnte nur durch solchen gelingen, wenn man seinen gesellschaftlichen Standort nicht allein durch aufwendige und überall gegenwärtige Gewalt erhalten wollte, wobei Glaube, Rechtschaffenheit und Gerechtigkeit allein unter diesem Gesichtspunkt gesehen wie Schwäche der Schwachen und Dummheit, Fehlverhalten und Eigenschuld der Verlierer aussehen muß, das zum Verlieren führt. Karl Marx umschrieb dieses bezüglich der Religion als „Opium fürs Volk" wobei Religion wie auch jegliches Recht als quasi handgemachtes, d.h. von Menschen selbstgemachtes Instrument zur Unterdrückung erscheint.
Was bei Norbert Elias an solcher Häßlichkeit etwas deutlicher wird, ist, daß auch jene obere Schicht der Herrschenden genau wie die Beherrschten den Regeln dieser Schere wie auch den Regeln der Mode und Konventionen unterliegen und sie keineswegs souverän bestimmen.
Selbst in unserer Gegenwart und zwar in jeder Gesellschaftsschicht findet man Gespräche über Themen, sagen wir beispielsweise, daß 2 mal 13 das Produkt 26 ergäbe, bei denen es gar nicht um die Richtigkeit dieser Behauptung, sondern ausschließlich um eine Position in dieser Schere geht, die man als die eigene verteidigt oder die man erreichen will, so daß in solchen Gesprächen die Richtigkeit der Behauptung eigentlich gar keine Rolle spielt, oder bei denen diese Richtigkeit zur Waffe wird - wie „ein zweischneidiges Schwert". Es wäre ganz weltfremd zu übersehen, daß selbst unser Bildungssystem weitgehend noch nach diesem Prinzip funktioniert und womit dieses sicher häßliche, abstoßende und langweilende Kampfverhalten auch als Lebens-, Ordnungs- und Erfolgsprinzip weitergegeben wird, - sowohl unmittelbar im Lebensraum der Schule wie durch diese dann auch in der Berufshirarchie.
Die alte biblische Bezeichnung oder Umschreibung, in der ein „zweischneidiges Schwert" aus dem Mund des höchsten Weltenrichters letztendliche Wahrheit und Wahrhaftigkeit offenbaren und damit Unwahrheit, Unwahrhaftigkeit und Ungerechtigkeit entlarfen bzw. bestrafen wird, ist ein Bild für diese uralte Funktion und Weise des Wahrheitskriteriums - und zwar gesehen und empfunden aus solcher Makroperspektive -, das letztlich nicht auf Wahrheit selbst, sondern auf Macht, Gewalt und Stärke der Mächtigen, Gewalttätigen und Stärkeren basiert.
Daß, wie in den amerikanischen Westernfilmen, symbolhaft am Ende der Wahrhaftige und Gerechtere auch immer der Stärkere und der Gewinner ist, ist allerdings mehr als romantischer und religiöser Optimismus, wenn dies dort auch nicht aus theologischer oder philosophischer Einsicht so arrangiert wird, sondern entspricht dem Wunsch des passiven Zuschauers, der aber dabei keineswegs nur die Partei der Schwachen und Verlierer vertritt.
Der Abgrund nämlich, der sich durch das Häßliche und Abstoßende im Zusammenspiel dieser Schere von Oben und Unten deutlich macht, z.B. durch Egoismus, Willkürlichkeit mit dem Lohn des Reichtums der Mächtigen und die Heuchelei, Unterwerfung, Loyalität und Anpassung des Schwächeren mit dem eher gnädigen Zugeständnis der Bleibe und des Auskommens, droht keineswegs zwischen Oben und Unten innerhalb dieser Schere, auch wenn sie nur durch das Streben existiert und funktioniert, diesem Häßlichen zu entkommen, denn gerade auch der Stärkere und Sieger will weder Willkür noch Unrecht und Unterdrückung erleiden und verteidigt nicht zuletzt aus diesem Grund seine Position eben mit allen Mitteln. So wird auch Gott und Jesus noch ganz innerhalb solcher Schere dargestellt, wie in Psalm 110 oder erst recht in der eigentlich noch recht urzeitlichen Offenbarung des Johannes und Daniels. Der immer drohende Abgrund klafft eigentlich in der Argumentation, im Denken oder zwischen den möglichen Perspektiven und Widersprüchen der beiden Sichtweisen in jedem Menschen, ganz gleichgültig eigentlich, wo er sich in dieser Schere befindet, den wir erst deutlich wahrnehmen, wenn wir die künstlichen Brücken oder Seile betreten, die der Mensch sich über diesen Abgrund gespannt hat. Denn wenn die Regeln, nach denen diese Schere ja immerhin funktioniert, nicht mehr gelten, bedeutet es Chaos und Untergang für alles, was „oben" ist zuallererst, als die am meisten zu verlieren haben, wobei dies nicht nur der Reichtum ist, sondern wie der Applaudierte von den Applaudierenden abhängig ist, beruht auf gleichem Verhältnis Macht, Ansehen, Ehre und alle Privilegien, dennoch ist aber die immer wohl größere Mehrheit im unteren Teil der Schere zugleich auch der hauptsächliche Stabilisator, die wissen will, woran sie ist, die sich eingerichtet hat, und deren Leben. Und wie wir es an dem großen Zulauf unseres Papstes sehen können, gilt dieses auch für die religiöse Ordnung, wobei die bestehenden Anachronismen, die Sie, Herr Augstein, ansprechen, in solcher grundsätzlichen Aktualität von immer drohendem Chaos von geradezu untergeordneter Bedeutung sind, weil hier in der Tat, wie oben beschrieben, solche Inhalte durch ihre Funktion längst auch eine weitere, nämlich die begriffliche Bedeutung und Struktur bekommen haben, wozu die der Stabilisierung noch hinzukommt.
Nun könnte man annehmen, daß gerade in weltanschaulich ruhigen Zeiten Raum sein müßte für anstehende Reformen und Veränderungen. Aber solche „ruhigen" Zeiten zeichnen sich meist gerade nicht durch Stillstand, sondern durch regen Handel und Wandel und gerade durch routinierte Betriebsamkeit und entsprechende Rationalität und Rationalisierung des Formalen aus, wobei gerade das oben beschriebene starke eher irrationale Sentiment jedes Erwerben immer zugleich zu einem Konservieren und Erhalten des Bestehenden führt, zu dem bestehende Hypostasen und Mythen .
Solche damit verbundene doppelte Formalisierung von Inhalten, die unvermeidlich mit der Sophistikation damit auch Züge von Oberflächlichkeit und Sophismus bekommen, weil der sog. triviale Alltag mit all den berechenbaren und zu berechnenden Mechanismen an Aktualität mehr in der Vordergrund rückt, selbst wenn gerade in solchen Zeiten auch Geld und Raum ist für Bildung und Wissenschaft, heißt aber nicht, daß sich die ursprünglichen Inhalte damit und etwa sogar automatisch relativieren. Dieses geschieht nur im Grade der Aktualität des Themas oder der Thematisierung, wobei gerade die eher unterdrückte Aktualisierung der Inhalte, die ich noch einmal kurz verdeutlichen muß, ehe wir in den menschlichen Abgrund sehen, ihre Selbstverständlichkeit und Bejahung geradezu im Gegenteil eher dogmatisiert oder gar versteinert, vergötzt und versachlicht, wodurch sich Reformen fast ausschließen.
Für einen Atheisten mag es so aussehen, und man kann es als Christ durchaus gelten lassen, als hätte mit der Christianisierung der Ursprung und das Fundament aller Welt, wie er in allen Philosophien und Religionen aller Zeiten als göttliche Handlung und Gegenwart im Sinne von Wahrheit und Recht genauso wie im Sinne von Mathematik, Biologie und Physik nur einen neuen Namen bekommen, wie es vielleicht auch Johannes meinte (Joh. 3,14), wenn er Jesus am Kreuz mit der ehernen Schlange verglich, die einst Moses zum Schutz gegen eine Schlangenepidemie in der Wüste aufrichtete, wobei dieses Bild uralter Mythologie bis heute als Symbol des Heils oder der Heilung an jeder Apotheke hängt, ohne als Anachronismus ein Thema zu sein.
Daß mit dem geschichtlichen Jesus ein einfacher Mensch als Mensch dieses Recht mit dieser Kompetenz beansprucht und verallgemeinert hat und zwar als von Gott gegeben, ist wohl glaubhaft. Ebenso glaubhaft ist wohl auch, daß genau dies auch von den Jüngern des Kerygmas einschließlich Paulus so empfunden und nach Pfingsten auch als verändertes, nämlich verantwortlich kompetentes Verhältnis zur Welt verstanden wurde, zeigt die Unverfrorenheit gegenüber allen damaligen Allgemeingültigkeiten einer bereits globalen Welt und Begrifflichkeit, weswegen sie dieses Bestehende auch leicht als ungültig und dem nahen Untergang ausgesetzt verstanden und mit der Vorstellung einer chaotischen Naturkatastrophe verbanden, die Jesus wohl auch angedeutet hatte.
Derartiger Anspruch von Kompetenz oder weltanschaulicher Autonomie als Möglichkeit, als  individuelles Ereignis ist als etwas Grundsätzliches und Neues wohl die eigentliche Errungenschaft Jesu und des Christentum. Im Geschehen ist dieses natürlich wenig spektakulär und ist „nur" so etwas wie die gedankliche Reflexion, deren Problematik von Bescheidenheit und Unbescheidenheit bei der Selbsteinordnung in Bestehendes ich schon ausführte, wie sie aber z.B. Kant mit seinem kategorischen Imperativ fordert, also als eine Art Besinnung; und besonders das Mißtrauen von Theologen und theologischen Institutionen auch der damaligen Zeit gegenüber einem quasi beliebigen Individuum ohne Examen und institutionelle Position, d.h. ohne formale gesellschaftliche Legitimation ist nachvollziehbar, besonders sicher auch deswegen, weil er sich dann auch gegen diese hochwürdigen Dogmatiker und Betonköpfe wandte, wie man es heute ausdrücken würde, die ihre Legitimation eben nicht aus sich selbst herleiteten, sondern aus den alten Schriften, formalisierten Traditionen und Institutionen.
Daß gerade dieses unmittelbar Individuelle dennoch eine philosophische Dimension hat, selbst wenn Jesus, selbst wenn dieses Individuum kein Philosoph ist, ist uns heute ganz selbstverständlich, wenn wir über die mögliche freie Entscheidungsmöglichkeit und Verantwortung des Normalmenschen sprechen, der z.B. durch demokratische Wahlen den Lauf der Welt mitbestimmt.
Daß damit und nur dadurch eine neue Zeit für die Menschheit beginnt, ist nun ein christologisches Thema. Daß solches Individuelle zugleich Gottes Wille, Gottes Gerechtigkeit und Gottes Einsicht bzw. Einsicht in Gottes Einsicht und damit zugleich Gottes Forderung nach individueller Verantwortung ist, führt in die Dimension des Prophetischen und der alten Propheten und ihrer Forderungen und damit, nämlich mit der Verallgemeinerung ins Mystische und Theologische und kann auf Grund vieler Beispiele, wie schon gesagt, auch als Gefahr für Entartung und Abartigkeit und Häresie angeführt werden, als was die frühe Christenheit von den konservativen Juden wohl auch gesehen wurde. Wahrscheinlich auch von Mohammed, als er zwar gegen die jeweils individuell verschiedenen Möglichkeiten göttlicher Wahrheiten aber dennoch genau aus solcher individuellen Kompetenz heraus dann allgemeinverbindliche Formulierungen und Anweisungen aufschrieb. Das Neue Testament ist denn auch mit jedem jeweiligen Beitrag zwar nichts anderes, als Ganzes jedoch wieder die Aufforderung bzw. die Notwendigkeit, den verschiedenen Beiträgen und z.T gegensätzlichen Aussagen verschiedener Autoren individuell als Urteilender gegenüber zu stehen.
Die essentielle christliche Frage an den Islam lautet natürlich, ob mit dem dogmatisierten Koran eine erneute Entmündigung des Menschen stattfindet, wobei sich die Kirchen natürlich selbst fragen müssen, wie weit sie selbst etwas anderes tun. Denn es sind meist gerade die allgemeinen Bedeutungen der Begriffe und die Verbindlichkeiten der Schriften, der Konventionen und Traditionen, die das Individuum vor Verirrungen, Verrücktheiten und Entgleisungen bewahren, wie sie natürlich zugleich einerseits das individuelle Urteil lähmen und andererseits genau dadurch gesellschaftliche, traditionelle Abartigkeiten zementieren und Unmenschlichkeiten legitimieren.
An dem Versuch der Aufklärung, diesem Teufelskreis zu entkommen, der sich gegen diese veralteten Dogmen und Abartigkeiten der Kirchen und Traditionen wandte und zugleich gegen die befangene Subjektivität des Individuums, erkennt man am besten auch die ganze Problematik, der ein Individuum ausgesetzt ist, das sich z.B. im Kantschen Sinne verantwortlich fühlt.
So sind für das Konzept und meist zugleich für den Urgrund aller Konventionen, Kulturen und Traditionen und damit auch aller gegenwärtigen Handlung und allen gegenwärtigen Verhaltens die unterschiedlichsten Begründungen und Erklärungen für das, was, warum und wie etwas in der Gegenwart besteht oder geschieht, die Voraussetzung und Prämisse. Ich kann solche Möglichkeiten natürlich kaum vollständig aufzählen oder zusammenfassen, ohne zu sehr auszuschweifen und will nur etwa 7 solcher Präpositionen nennen: Man glaubt also
1.  Die Gegenwart wird von der Vergangenheit übernommen. Konvention ist dabei mehr als nur Tradition und Gedächtnis und zeitliches Vorher, sondern auch Ursache der Gegenwart.
2.  Die Gegenwart wird in der Vergangenheit verursacht. Man glaubt die Vergangenheit als kausale Ursache der Gegenwart wozu auch die menschliche Handlung als Verdienst oder Schuld gehört.
3.  Die Gegenwart ist Folge der Schöpfung und Gottes Wille aus der Vergangenheit heraus. Gott als Urbeweger und Ursache.
4.  Die Gegenwart wird von der Zukunft bestimmt und ist Schicksal bzw. Gottes Plan, oder die böser Mächte.
5.  Die Gegenwart ist Gottes Wille als gegenwärtige Handlung Gottes oder ist gegenwärtiges Wollen und Wirken böser Mächte.
6.  Die Gegenwart geschieht auf Grund einer Prophezeiung.
7.  Die Gegenwart ist genetische Folge.

Diese Präpositionen sind miteinander vermischt und oft auch gegeneinander die Ursache dafür, daß sie jeweils nicht konsequent zuende gedacht werden und nur jeweils nach Bedarf und Möglichkeit in den Vordergrund oder Hintergrund treten, wobei dann ihrerseits solche Präpositionen sowohl Ursache wie auch Folge aller Mythen und Religionen sind, was sich zwar grundsätzlich von jener mehr begrifflichen Hypostasierung unterscheidet, sich aber dennoch damit vermischt.
Nun ist Folgendes in diesem Zusammenhang vielleicht in der Tat ganz gleichgültig, ob man nämlich Jesus als logisch fast unvermeidliche Zufallserscheinung jener Zeit religiöser und kultureller Globalisierung einerseits und der Relativierung der vielen Einzelreligionen durch das Zusammentreffen in dem damaligen großrömischen Reich andererseits sieht, oder als eine präzise von Gott getimte Gesandtschaft auffaßt, jedenfalls geschieht in der Auffassung und Darstellung des Kerygmas quasi eine Personifizierung all jener möglichen Präpositionen und Hypostasen, womit sich natürlich einerseits eine Mythisierung und Hypostasierung und damit eine Entmenschlichung und Vergöttlichung verbindet, die es heute zu reflektieren und zu verstehen gilt, womit andererseits aber genau umgekehrt auch eine Vermenschlichung, d.h. Menschwerdung aller Mythen und Hypostasen unter dem Vorzeichen alttestamentarischer Vorstellungen stattfand, - und zwar in einer menschlichen Verwirklichung, die ernüchternder als das Kreuzzeichen kaum ausfallen konnte.
Von relativ untergeordneter Bedeutung ist dabei auch, wie weit der noch lebende Jesus sich ersteres, nämlich die Vergöttlichung, selbst noch auflud und innerlich verarbeiten mußte, oder wie weit dieses erst später die Aufgabe der Christen und der Christenheit wurde. Vereinfacht formuliert: für den Christen wurde Gott menschlich und der Mensch göttlich.
Und genau Letzteres zu sehen ist die Voraussetzung dafür, um die bestehenden Strukturen in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit verstehen zu können, die Krone des Papstes genauso wie die Fußwaschung durch den Papst.
Ich hatte das Erlebnis der Christwerdung auch heute noch eingangs im weniger umfangreichen Kontext bereits beschrieben:
Die allererste Erkenntnis nach einem solchen Erlebnis, die wir übereinstimmend wohl in allen Religionen antreffen, ist in vielerlei Art formuliert worden, so als sei das Verhältnis zu Gott wie ein klarer See, in dem ich ohne Hindernis bis auf den Grund der Wahrheit sehen kann, wobei aber jede gedankliche oder sprachliche Tätigkeit - ja selbst meine Existenz selbst - die Oberfläche trübt und in einen Spiegel verwandelt, in dem ich dann nur noch mich selbst und meine soziale Umgebung sehe. Der Verstand und mein Ich selbst wird als das Hindernis zur wahren Erkenntnis empfunden und auch als das Hauptproblem zu diesem Gott zu gelangen. An solchen oder ähnlichen Grunderkenntnissen ist sicher richtig, daß sie gemacht werden, daß hier der Verstand oder die Erkenntnis sich selbst verneint und damit aber auch zugleich auch die Verneinung verneint. Real daran ist auch, daß mit der ersten mystischen Erfahrung wohl eine Art Realitäts- oder Kontextverlust und Geistesverwirrung verbunden sein kann. Vielleicht sollte man das Erlebnis vergleichen mit der Situation Robinsons, wenn dieser eines Tages erführe, daß noch jemand auf der Insel lebt. Sympathisch und vielleicht wichtig an der Verwirrung ist zumindest die Selbstaufforderung, sich und den eigenen Verstand kritisch zu sehen, denn ein zweiter Schritt von Erkenntnis ist dann oft in der Tat das extreme Gegenteil von Bescheidenheit, nämlich das Gefühl und oft auch der Anspruch von Allwissenheit aufgrund der Erfahrung von Allgemeingültigkeit und eigener Kompetenz. „Wenn Gott für mich ist, wer ist wider mich!"

Wir dürfen dabei keineswegs vorzeitig aus Blick verlieren, daß all dieses auch in der ganzen Begrifflichkeit zugleich sowohl als Folge wie auch als Ursache der Schere verstanden werden muß, wobei immer die Erkenntnis einerseits und das Erkannte andererseits die beiden Seiten der gleichen Medaille sind, und zwar auch erkenntnistheoretisch bereits ganz neu dispositioniert- sowohl im Neuen Testament, wo die Darstellung Jesu immer zugleich Buße, Selbsterkenntnis, Darstellung und Selbstdarstellung ist, als Aussage und Kommunikation, als Mensch, als Christ, als Kirche, wie auch als Staat der ganzen Kirchengeschichte.
Natürlich bedeutet die Papstkrone Darstellung, Verherrlichung und Verwirklichung des Göttlichen - eben auch des Göttlichen im Menschen und ist dabei immer mehr als nur Bedeutung in der Struktur der Begrifflichkeit jener alten Schere, die dabei eben nicht nur im Sinne von Selbsterkenntnis und Buße, sondern zugleich auch als Lehr- und Organisations- bzw. Herrschaftsveranstaltung zu sehen ist, was entsprechend auch für jede zwischenmenschliche Kommunikation gilt, was sich bis in unser gegenwärtiges Schul- und Gottesdienstsystem erhalten hat, wobei die jeweiligen Wertinsignien sowohl begrifflicher wie formaler und gar dekorativer Art der alten Zeit nicht weniger lächerlich erscheinen können, als diejenigen unserer Zeit - innerhalb wie außerhalb des Religiösen - , wie ich noch verdeutlichen werde, - was aber kein Argument gegen die anstehenden Reformen der Kirchen sein soll. D.h. die Einsicht, daß wir in unserem zivilen Wertedenken nicht viel weniger lächerlichen Strukturen an Idealen und Gehabe aufsitzen, als im Religiösen, ist beiderseits nur ein Hinweis auf unsere eigene menschliche Lächerlichkeit und weder Grund zur Überheblichkeit noch zu deren Rechtfertigung.
Diese von mir weitgehend un- oder außerreligiöse Darstellung des Christentums, die den verkündeten wie geglaubten Jesus samt Kirche vielleicht wie eine Anthropologisierung oder sogar eher noch als eine Anthropogenisierung nicht nur jener aufgezählten Präpositionen und aller begrifflichen Hypostasen, sondern des Religiösen überhaupt aussehen lassen könnte, was zuerst in der Renaissance und im Humanismus und dann scheinbar in der Aufklärung den Höhepunkt an Verweltlichung erreicht, (letzteres allerdings nur, soweit sich die Aufklärung noch als Theologie verstand,) ist als nüchterne Sicht nicht nur für Sie, Herr Augstein, die Voraussetzung, all das Formale, Organisatorische, Konventionelle wie Begriffliche der Kirchen nicht einfach als Unsinn und Irr- wie Aberglaube abzutun, sondern als Erkenntnis-, Lehr- und Verwirklichungsvorgang einer Entwicklung zu verstehen, ist auch für den Islam und für den Budhismus und für andere Religionen die Voraussetzung, ein vernünftiges, rationales Verhältnis zum Abendland zu bekommen - wie zu sich selbst, und ist natürlich auch die Voraussetzung, den einfach Gläubigen das Bestehende wie auch anstehende Reformen verständlich zu machen, was ja nicht bedeutet, das Vergangene, d.h. den Glauben und die Glaubensformen unserer Mütter und Väter einfach zum Unsinn zu erklären, wodurch sich Reformen dann erübrigen würden.
Die für ein allgemeines Verständnis wohl notwendige Vereinfachung des Grundgedankens, setzt aber ein auch komplexeres Verstandensein voraus, was bis jetzt allein aus dieser Makrosicht natürlich noch nicht möglich ist und nur die halbe Wirklichkeit dessen kenntlich macht, was z.B. die Kirche im Dorf, eine Taufe oder eine Beerdigung über dieses Formale innerhalb der Schere hinaus für den Menschen ist. Aber wie ich es bereits auf dem Wege der Plausibilisierung eingangs versuchte, läßt sich diese Entwicklung z.B. von der Homerischen Dichtung der vorchristlichen Zeit, in der Odysseus und Achill - und wer weiß was alles - über solche Begrifflichkeitsstrukturen zu Göttern und Geistern und Menschen zum Spiel der Götter und Geister werden konnten, bis zum ratlosen Hyperion Hölderlins unserer Zeit vorläufig derart veranschaulichen, daß ich heute durchaus von einem Augsteinschen Journalismus als von einem Begriff wie von einer Hypostase sprechen kann, ohne damit den Journalismus von Augstein zu meinen. Wenn ich dann logisch folgere, daß es einen Augsteinschen Journalismus gibt, verbindet sich mit der Prädikation durchaus eine Existenzaussage, mit der sich aber heute kein Animismus mehr verbindet, also kein Geistwesen, selbst wenn man dem alten Sprachgebrauch nach weiter von einem Geist oder je nach Weltanschauung womöglich von einem Ungeist spricht, sondern im Sinne einer verstandenen Anthropogenisierung der begrifflichen Hypostasen von einer menschlichen Stärke, Schwäche oder Eigenschaft.
Wenn Thomas von Aquin als Abschluß und Krönung seiner Arbeit und Mühe vor 700 Jahren die Fragwürdigkeit menschlicher Einsicht erkannte, war dies ein Vermächtnis.

Es geht mir ja darum zu zeigen, daß quasi jenseits bzw. über jeder Ethik von Recht und Ordnung irdischer Organisationsform (nicht gegen!), die Richtung von Erkenntnis, Streben, Handeln und Urteilen letztlich zu einem wahren Menschenbild führt d.h. zu einem besseren, zu einem menschlichen Menschen, d.h. zu einem menschlicheren, der nicht durch Reichtum oder Armut, Macht oder Ohnmacht, Ehr- oder Ehrlosigkeit, Kraft oder Krankheit u.s.w. verzerrt, denaturiert oder geistig verkrüppelt ist oder so gesehen und bewertet wird.

Dennoch empfinden wir bis heute die cartesianische Aufklärung als Fortschritt, - wohl weil wir glauben, damit endgültig eine sichere Distanz und einen vernünftigen und sog. objektiven Abstand zu dem Allzumenschlichen des Menschen gewonnen zu haben, obwohl wir damit, wie schon gesagt, nur einen halben Schritt über jenen Abgrund von möglicher Verirrung, von zwischenmenschlicher Unverbindlichkeit, zwischenmenschlicher Unmenschlichkeit und zwischenmenschlichem Chaos tun und letztlich genau in diesen Abgrund hinein steuern.
Ohne Zweifel bekamen, hatten und haben Abraham, Moses, Jesus und Mohammed nicht anders als Buddha, Krishna, Konfuzius, Laoze u.a. ihre Bedeutung eben auch durch ihre Bedeutung, nämlich dadurch, daß sie jeder kennt, was als Wahrheitskriterium mit diesen Propheten vermischt und verbunden allerdings auch für jene genannten Präpositionen und Hypostasen wie auch für jeden anderen Glauben und Aberglauben, für Sinn und Unsinn und für alle Konventionen und Traditionen gelten kann, - aber in der zusammenwachsenden Welt zu den bekannten unvermeidlichen Problemen und Widersprüchen führen muß.
Sicher steht hinter der Aufklärung das redliche Bemühen, den lächerlichen mittelalterlichen Unsinn zu überwinden, Wahrheit machtpolitisch herzustellen, indem man Allgemeingültigkeit und Alleingültigkeit befahl und erzwang und Kritik wie Andersgläubigkeit diskriminierte, bestrafte oder verbat, wie es aber praktisch in jeder üblichen konventionellen Schule auch unserer Zeit der sog. Aufklärung noch existiert.
Aber ob man aber nun den lächerlichen Irrtum oder die Verschlagenheit, ob man die Unsicherheit und Angst angesichts eines Chaos oder die Anmaßung einer Wahrheitserzwingung überwinden wollte, was alles der Grund dafür sein kann, etwas dadurch zur Wahrheit zu machen, indem man alle zwingt, sie zu glauben, was dann für alle so aussehen soll, als ob alle wahrhaftigen diese Wahrheit glauben, weil sie wahr ist und nicht, weil sie erst dadurch wahr wurde, ist offensichtlich - wenn nicht noch ärgerer Betrug und Selbstbetrug - eine bewußte Instrumentalisierung des Menschlichen durch Entmündigung und Bevormundung, - mit dem zusätzlichen ethischen Konflikt unserer Zeit der Globalisierung, daß Loyalität und Wahrhaftigkeit gleichgesetzt werden. Sicher gehört dieser Aspekt der Machbarkeit der Wahrheit und Gerechtigkeit zur Vermenschlichung oder Anthropogenisierung, wie er sich als Erkenntnis und Allmacht und fast göttlicher Kompetenz aus dem Verhalten und Ereignis Jesus ergibt, was nirgends deutlicher und offensichtlicher wird, als im Johannesevangelium „ich bin die Wahrheit", wie auch natürlich auch aus den Paulusbriefen, und zwar zugleich als eine neuartige Kompetenz, die aus allen Gläubigen Brüder und Schwester des Herrn und potentielle Propheten macht, was wie in der Gnostik und bei Mani zu phantasievollen, fast beliebigen Entartungen verführte, die man in Form von methaphysischen Kosmologien einfach behaupten konnte.
Natürlich kann man in diesem Zusammenhang auch Jesus nur als Folge oder Produkt einer Zeit sehen, die dafür reif ist, wobei er allerdings die multikulturelle Situation des römischen Reiches, die dafür reif war, persönlich kaum kennenlernte und derart innerlich verarbeitete, sondern solche Kompetenz - und zwar zu wie gegenüber der jüdischen Religion - aus der eigenen mystischen Erfahrung bezog, so daß man das passende Timing bestenfalls auf den später gepredigten Jesus anwenden dürfte.
Es war aber gerade diese nun verallgemeinerte Kompetenz und der mögliche Mißbrauch, der eine institutionelle Wahrheits- und Ämterverwaltung notwendig machte
Dennoch und vielleicht deswegen blieb das Christemtum in allen typischen Merkmalen bis heute religiös, was Bertrand Russell als das Magische von Kirche und Religiösität nennt.
Bei dieser Skizze der beiden Zustände und Entwicklungen sind zudem scheinbar versehentlich immer je zwei Personen zugleich genannt, zunächst derjenige also, der auf der einen Seite der Schere langweilt oder auf der anderen abstößt und der andere, der jeweils gelangweilt oder abgestoßen wird. Hierbei bleibt der Kausalzusammenhang eines Prozesses als die Achse dieser Schere, nämlich Oben und Unten, Gewinner und Verlierer durchaus und gerade auch dann gültig, wenn die gleiche Person teils Elite oder spezialisiert und bezüglich Amt wie Thema überall sonst aber oder auch zugleich Untertan ist, und entsprechend auch teils langweilt und abstößt, wie zugleich gelangweilt und abgestoßen wird, wie es bei der Erziehung und dem Erzogenwerden von Kindern, beim Richten und Gerichtetwerden, beim Verwalten und Verwaltetwerden u.s.w. ganz automatisch in Personalunion der Fall ist, wo immer der Mensch im Alltag oder in Wissenschaft, Staat, Wehrmacht, Kirche u.s.w. sowohl Subjekt wie Objekt ist, wie wir es in jeder Hierarchie, aber ebenso in jeder Demokratie antreffen. Sicher ist solche Personalunion von latenter Beflissenheit einerseits und latenter Heuchelei andererseits recht unappetitlich eine weitere auch charakterliche Zweigleisigkeit, aber sie bringt notabene solche Reflexion und Distanz auf bzw. zu sich selbst und die Gesellschaft mit sich, und ist eigentlich Grundlage jeder pragmatischen Vernunft.

Man kann sich ja vorstellen, daß in einer bestimmten Situation zwei Menschen beide in bester, geradliniger Absicht bereit sind, sich gegenseitig zu töten und auch getötet zu werden, wenn es z.B. um die Nationalflagge auf irgend einem Gebäude geht, wobei dann kaum reflektiert viel weniger noch verstanden wird, wie wenig dabei wem alles ein Menschenleben gilt und wie weit es als Gegenpreis für diese Menschenverachtung dabei um den Wert „Recht und Ordnung" oder um eine Holzstange mit Stoff und Farbe, ob es um den Begriff geht, oder um das Recht, eine solche oder einen solchen zu besitzen oder um was für eine Bedeutung sonst noch.

Mag die aktuelle Geschichte  gerade dann besonders spannend sein, wenn von Mut, Ehre, Tapferkeit und Todesverachtung die Rede war, so langweilt dabei in unmenschlicher Weise die Frage nach dem Leben der „mutigen", „tapferen" Menschen, die man anschließend nur vergräbt. Abstoßend sind Menschen, die sich wie auch immer derart instrumentalisieren und einfach töten lassen, genauso wie diejenigen und die Ordnung derjenigen, die den Menschen derart instrumentalisieren und opfern. Auch unsere christlichen Väter kennen solchen Wahnsinn noch zu gut wie auch die peinliche Mißachtung von Menschenleben, die damit einhergeht: wenn der  Mensch zum peinlichen Anhängsel einer wichtigen oder unwichtigen Funktion oder Idee oder Planung oder Ordnung wird.

Natürlich ist solche Schere entsprechend gefährlich, wie das vergangene Jahrhundert zeigt und wie es jede vorhandene wie gewesene Kultur demonstriert, aber sie könnte und dürfte auch nicht einfach aufgehalten oder abgeschafft werden.
Seit je natürlich, aber innerhalb unserer demokratischen Verhältnisse ganz legal und sichtbar, bildet und etabliert sich abgestoßen von beiden Seiten der Schere ein quasi subversiver Zwischenbereich. Kulturell gesehen  war es z.B. das Gold der sog. „goldenen zwanziger Jahre": Dieser Bereich war naturgemäß in allem etwas weniger spießig, prüde, vermieft und moralisch und etwas weniger politisch, wissenschaftlich, philosophisch oder theologisch festgelegt. Dieser in erfrischender Weise von mehr Unabhängigkeit und weniger Dogmatik und Verbissenheit bestimmte Bereich, der die sog. Moderne bestimmt, weil er als der Freiraum zugleich die Plattform aller Kultur wurde, ist natürlich nicht in gleicher Weise die ganz unabhängige Existenzweise bestimmter Personen, obwohl es Gruppierungen und sogar Parteien unter diesem ursprünglichen Vorzeichen immer gab und gibt. Existenzialisten, DADAisten, Aussteiger, Punks, Gammler, Hippies, Alternative, Autonome verstehen und versammeln sich vielleicht unter solchem Vorzeichen, das jedoch überwiegend für eine Haltung steht, die sich gegen die institutionelle Reduzierung des Menschen sowohl als handelndes Subjekt auf die instrumentalisierte Funktion richtet, wie es sich dann als Amt, Macht, Würde und Anmaßung u.s.w. äußert, wie zugleich gegen die institutionelle Reduzierung des Menschen als behandeltes Objekt, was sich als Anpassung, Unterwerfung, Gehorsam, Einfügen, Beflissenheit, Loyalität, Schlangestehen, Ohnmacht u.s.w., aber auch als Instrumentalisierbarkeit, möglicher Mißbrauch, Bestechlichkeit u.s.w. äußert, wie wir es innerhalb jeder Art von Patriotismus für eine Sache, eine Idee, eine Religion oder Konfession, für einen Staat genauso wie für eine Religion wie für eine Fußballmannschaft finden.

Ich will zugunsten vieler alternativer Bewegungen postulieren, daß es immer auch gegen die beiderseits unvermeidliche Einengung des Menschenbildes überhaupt geht, wo immer Recht und Ordnung, wo immer Organisation und Verwaltung von Menschen stattfindet - ob nun in Staat oder Kirche -, wenn für den Einzelnen der Anlaß für offene oder heimnliche Subversivität auch meist Ungerechtigkeit und eine Benachteiligung in dieser Schere sein mag.
Und ich will mich bemühen, bei der nun anstehenden weiteren Präzisierung der begrifflichen Struktur den ethischen Aspekt mit zeitgemäßen aber weniger oberflächlichen Begriffen darzustellen, und den theoretischen Aspekt mit solchen Beispielen soweit wie möglich zu vereinfachen aber dabei keinesfalls den jeweiligen Zusammenhang beider Aspekte, den der Schere wie den des jeweiligen Blicks auf diese Schere aufzugeben.
 

Weltfremd wäre es, die alternative Subkultur, die ganz sicher ein ethisches Postulat enthält, derart zu verstehen, als wenn sich dort nur unbestechlichere Menschen versammeln, die weder unterworfen oder geordnet sein wollen noch unterwerfen und ordnen würden. Sicher sind es meist mehr die offensichtlichen Anachronismen und Widersprüche zwischen Recht und Ordnung in bestehenden Strukturen, durch die sich einfache Argumente und plausibles Verweigern gegen das Verhalten von Oben und Unten anbieten, als daß beide Seiten in ihrer jeweiligen ja bleibenden Abhängigkeit, Verstrickung und menschlichen Schwäche verstanden würden, wie sie sich im obigen Beispiel, wo sich zwei Menschen wegen einer Flagge töten, zeigt.

Und wie wir an solcher Sterbens- und Tötungsbereitschaft in aller Welt bis ins europäische Jugoslawien und Deutschland der Gegenwart sehen können, ist solche Identifizierung oder Abgrenzung religiöser, kultureller oder nationaler Art natürlich kaum dadurch zu verstehen und zu lösen, daß man Religion, Kultur und Staat, Nation - und auch Wissenschaft - einfach als Unsinn bezeichnet, wie es heute subversiven wie im wissenschaftlichen Bereich recht verbreitet oder gar Mode ist, was bereits die Stoiker vor 2000 Jahren erfolglos versuchten, weil sie die Bedeutung solcher Formen auch für ihr eigenes Denken nicht verstanden. Der Versuch einer einfachen Negierung wäre unsachlich, weltfremd und recht verstanden ungerecht, was zurecht in den Begriffen Kulturlosigkeit oder Gottlosigkeit noch mitschwingt. Ich möchte sogar präjudizieren, daß, wie bei den Eifersuchtstragödien in der Ehe, es gerade die Verunsicherung ist, die als Gegenreaktion einen (auch den wissenschaftlichen) Fundamentalismus dann sogar steigern und entarten läßt und eine Kultur und alle besten Absichten gerade durch diese oberflächliche Intellektualisierung zum unmenschlichen Dogmatismus verführen kann.
Jene teuflische Finsternis der Vergangenheit, in der der oben skizzierte Wahnsinn noch ganz selbstverständlich als etwas Herrliches galt, bei dem man Menschen und auch noch stolz seine eigenen Kinder um der „guten Sache Willen", wie immer sie sich jeweils nennt, opfert , ist immer und auch heute noch ganz gegenwärtig und wird gottlob dennoch auch bereits als Fragwürdigkeit, Unsicherheit, Schmutz, Desaster, Chaos, Verirrung, Wahn, Ungültigkeit gefürchtet - und zwar als immer mögliche auch eigene Entgleisung.

Die Wahrheit als Metapher xx

Und wie es die Sprache überhaupt, wie es jede Konvention und wie es gerade der gegenwärtige Papst demonstriert, besteht der Zusammenhang jener Achse der Schere von Amt, bzw. Funktion und Ordnung einerseits und Würde/Würdigung bzw. Gültigkeit andererseits keineswegs allein durch die Macht des Ersteren, sondern auch durch das Bedürfnis Amt und Ordnung zu würdigen und gültig zu erhalten, weil dies immer auch eigene Gültigkeit bedeutet, obwohl ja gerade dabei der jeweilige, nämlich der tatsächliche Mensch verblaßt .

Wenn Sie dem weiter entgegenhalten, daß man aber nicht den Teufel mit Beelzebub fernhalten kann, daß es unwürdig, lächerlich und unhaltbar und am Ende auch vergeblich ist, Recht und Ordnung und den Anstand der Leute mit unwahren Geschichten wie dem jährlichen Nikolaus und Christkind, mit Schwindel und Heucheleien und der Anbetung in Bethlehem u.s.w. aufrecht zu erhalten, und daß dies nichts anderes sei als Verdummung und Verarschung der Leute und Verstärker des Teufelskreises von Aber- und Irrglauben, dann sollten Sie versuchen, zumindest in den folgenden 8 Seiten meiner Gegendarstellung mal davon auszugehen, daß ich damit keinen Betrug auch nicht aus Höflichkeit zu rechtfertigen versuche. Manchmal wünschte ich mir die Problematik in der Tat etwas einfacher, so daß alle Überlieferungen objektiv und wörtlich genommen werden könnten und alles so bleiben könnte, wie es ist, oder daß Fernsehteams und Geschichtsschreiber unserer Zeit damals dabei gewesen wären, und daß wir einen lückenlosen Film des einen Jahrs Jesu oder der drei Jahre Jesu als Prediger mit allen Äußerungen und Handlungen zur Verfügung hätten. Zu solcher Dokumentation müßte natürlich gehören, wie man damals sein Erscheinen und seine Worte verstanden bzw. nicht oder falsch verstanden - aber auch, wie er es gemeint hat. Aber hätten wir mit heutigen Reportern und Journalisten aber tatsächlich ein besseres Bild, einen tatsächlich gläsernen Jesus in einer gläsernen Zeit und damit weniger Streit und Mißverständnisse und eine einige Kirche oder würden gerade diese Bilder und Dokumente den wahren Jesus, um den es uns Christen geht, nicht erst recht verkleistern? mehr noch als die gutgemeinten Illustrationen auf Altären und in Bilderbibeln mit den offensichtlich polemisch gezeichneten, „häßlich geizigen", „eifersüchtigen" oder „fanatischen" Gesichtern der Juden, mit den „dummen" Römern und den „schönen, intelligenten" Gesichtern der Christen? - War der wahre Jesus jemals sichtbar?

Es bedarf einiger Reflexionsschritte mehr, als wir es heute auf Grund unserer Menschenkenntnis, Bildung und Befangenheit schon könnten, um die Evangelien unbefangen als das zu sehen, was sie dennoch schon immer sind und bleiben können. Es sind ganz sicher Aussagen, die eine Wahrheit ordnen und mitteilen wollen. Auch wenn man sie nur gutwillig nur als Entwurf eines Ideals verstünde, den man dann zur Idealisierung eines gescheiterten, zufälligen Menschen oder Propheten benutzte, wozu Sie wohl neigen, dann wäre der so angenommene Anlaß immer noch ein im Heute befangenes Urteil von „gescheitert" und „zufällig" und damit ganz unrealistisch. Der Anlaß der Evangelienschreiber, soviel können wir uns vorstellen, wenn wir wollen, liegt ja bereits in dem Bestehen einer teils schon organisierten Gemeinde, deren Ursprung einerseits bis auf die Lebenszeit Jesu zurückgeht, deren Konventionen, Ordnungen, Sprachregelungen aber schon ganz mit dem Bild unserer unvermeidlichen Schere einen Entwicklungsprozess und einen Entwicklungs- bzw. Kristallisationszeitpunkt darstellen, wo Jesus bereits als Märtyrer, Star und Superstar und als mystisch erfahrener Gott und als logisch eingeordneter Sohn Gottes anerkannt war und angebetet wurde, also angesichts einer bereits bestehenden Konvention, dem der Schreiber verpflichtet ist - und ja auch verpflichtet sein will.

Ich versuche mir manchmal drei Menschen, die heute z.B. in einer Kneipe, einem Kaufhauscenter oder auf der Straße in einem normalen Gespräch sind - vielleicht über das Fernsehprogramm - , so vorzustellen, daß einer von ihnen noch ein ptolomäisches, der andere ein kopernikanisches und der dritte ein Newtonsches Weltbild besäßen , die alle drei falsch sind (auch Newton ging noch von einer objektiven, quasi gegenständlichen Zeit aus), und die dennoch zueinander drei unterschiedliche Entwicklungsstufen der Wissenschaft und der Menschheit darstellen und sich ganz unabhängig von ihrer Weltanschauung gut oder weniger gut unterhalten und vertragen können, - ob ich nun als Besserwisser ihr Leben und alles, was sie sagen, fühlen und tun, für ungültig erklären dürfte?
Wenn ich Gorbatschow und über ihn die Wende als einen Prozeß verstehen und darstellen wollte, müßte ich auch die Zeit vor 1917 darstellen, den Bildungsstand von Lenin und den 95prozentigen Analphabetismus seiner Zeit in Rußland, Asien, China, Afrika und Amerika, Christianisierung, Ideologisierung, Kolonialismus, Kapitalismus, Nationalismus, was erst durch Anlaß der angestrebten Weltrevolution langsam beseitigt oder zivilisiert erst zu dieser Wende führte bzw. zu ihr gehört. Die Frage, ob Gorbatschow nun sowohl Produkt der Entwicklung und zugleich ganz zufällig der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt für die Wende war, ob Kenntnisse über seinen Kleiderschrank, seine Gespräche und möglichen Freundschaften, seine Körpergröße, seine Eltern, sein Geburtsort usw., - also der gläserne Gorbatschow mehr Verständnis vermittelt, während wir Bildung, Alphabetismus und selbst als Deutsche den Nationalismus noch gar nicht verstanden haben, aber darstellen müßten, zeigt zumindest, daß Ihre Kritik an unseren übernommenen Jesusdarstellungen zumindest auch kritisch gesehen werden können, - zumindest in der leichtfertigen Radikalität der pauschalen Ablehnung und Lächerlichmachung als Nonsens. Wir sind froh, daß wir diese eher zufällig entstanden Schriften des frühen Christentums überhaupt besitzen und betrachten sie als ein Geschenk Gottes so wie sie nun mal sind, - samt der ganzen Problematik, mit der wir zu jeder Zeit wenn auch jeweils anders unsere Schwierigkeiten und Streitigkeiten hatten.
Aber so sehr man mit solchen Formen von „Wahrheiten" über solche Überlieferung, daß z.B. die Hochzeit zu Kana vielleicht nie stattgefunden und Jesus nie Wasser zu Wein verwandelt hat, des Pudels Kern oder den Sinn der Erzählung auch völlig verfehlen kann, besonders dann, wenn man ihre alte und heute ganz andere begriffliche Funktion in der Gegenwart ignoriert, - während noch vor 2000 oder 1000 oder 300 Jahren ein solches Wunder kein Problem für den Glauben war, sondern eher eine Probe des Glaubens, würde man sich heute streiten, ob jene Veränderung von Wasser zu Wein nicht eine Veränderung der subjektiven Wahrnehmung war, ob die Erweckung von den Toten nicht eine Erweckung aus einem Koma war oder ähnliches, so ist es dennoch nicht leeres Stroh, das Sie dreschen, Herr Augstein. Als Journalist wissen Sie, daß man im Kleiderschrank oder in der schmutzigen Wäsche immer auch Zündstoff und Argumente finden oder durch Einseitigkeiten herauspulen kann, mit denen man nach Belieben Eintracht oder Zwietracht sähen kann, daß sich dort immer auch eine Keule finden läßt, mit dem man Menschen totschlagen kann, wenn man will, so daß auch die Wahrheit zur Kampagne gerät, wie der Prozeß gegen Jesus, wenn man außer acht läßt oder verschweigt, daß man die reine Technik der Machbarkeit und das vorsätzlich Gemachte solcher Kampagne verschleiert.

Im Gegenteil weist aber die aufgezeigte Vielschichtigkeit des Themas darauf hin, die wir heute und wohl niemals rein intellektuell werden bewältigen können, was im Folgenden noch deutlicher wird, daß eben nicht die vorschnelle Verneinung sondern die Bejahung der eigenen wie die Achtung (anderen Bejahung) der fremden Kulturform, Begrifflichkeit und Religion sowohl Selbstverständnis wie auch gegenseitige Verständigung ermöglicht und die Kultur der Zukunft sein wird, wie es sich auch längst abzeichnet, was aber nicht bedeuten kann, als ob wir es mit nichts weiter als mit Begrifflichkeit und Konventionen zu tun hätten. Und es ist ja gerade die Vielschichtigkeit selbst, die auf den Ursprung der Vielschichtigkeit und der ganzen Problematik hinweist, nämlich auf den Menschen, den wir eben nicht undeutlich werden lassen dürfen!, wobei wir Begriff und Individuum sorgfältig unterscheiden müssen, was uns wohl erst heute als Problem entgegentritt.
Daß nämlich der individuelle Jesus von solcher Begrifflichkeit gänzlich verdeckt wird wie in gleicher Weise auch der individuelle Normalmensch, deuten Sie nur an, Herr Augstein, ohne es verständlich zu machen.
Der Glaube der Christenheit, das Kerygma, die Entstehung dessen, was man christliche Religion nennt, resultiert und resultierte letztlich aber aus der Begegnung und immer nur persönlichen Erfahrung des tatsächlichen Jesus, und zwar nach seinem Tod in einer transzendenten Form, was wir den auferstandenen, den eigentlichen Jesus als den Christus nennen, wobei aber jede begriffliche Fassung jener Erfahrung in der jeweiligen Situation und Zeit immer bereits wieder eben auch solche Situation samt Begrifflichkeit ist, wenn wir dabei auch von einem lebendigen Wort Gottes sprechen, weil wir eben darin auch jenen Ursprung erkennen bzw. mehr erleben können.

Die moderne Antwort auch auf spirituelle Erfahrungen der Gegenwart, d.h. auf ein gläubiges Leben mit Gott, wie nicht anders die Antwort auf solche Erfahrungen der Vergangenheit, die uns mit der Bibel überliefert sind, wie die jeweilige Antwort auf die Begegnung mit der jeweiligen Gegenwart, mit all den verschiedenen Glaubensformen, Traditionen, Sprachregelungen auf unterschiedlichstem Niveau theologischer und intellektueller Kenntnis und Bildung lautet aber keinesfalls, daß dabei die Wahrheit keine Rolle spielt, und daß wir praktisch nur in einer virtuellen Welt jeweiliger Begrifflichkeit leben, sondern kann nur lauten, daß wir es nach unserem Tod wissen werden, - ob all dieses nur Sprache, Redaktion, Lobpreisung und Begrifflichkeit und ob jenes Wirklichkeit war nach unserem gegenwärtigen Stand und Maß eigener wie geschichtlicher Erkenntnis.
Jesus, der uns im Himmelreich erwartet, wird uns dann wohl kaum anschwindeln und uns damit zeigen, was alles an menschlicher Religion menschlich war.
Hieraus ergibt sich für den Atheisten die moderne Antwort, daß dieses nur erdachte Jenseits mit einem nur erdachten auferstandenen Jesus ein treffliches Alibi ist für Phantasie, Schwindel, Dichtung und Spekulation, wie es sinngemäß auch Kant formuliert, das nie aufgedeckt wird, weil es nicht existiert, worauf sich letztlich auch die Verkünder solcher „Märchen" verlassen hätten, die Nichtexistenz Gottes und eines Jenseits mit dem Argument untermauernd, wo denn Jesus und sein Vater in den Weltkriegen war, als im Holocaust, im Faschismus, bei den stalinistischen Säuberungen, bei den Bombenabwürfen über Deutschland, über Hiroshima und Nagasaki Millionen gläubiger Menschen zu ihm schrien, um errettet zu werden, während sicher noch weit mehr gläubige Christen sich direkt und indirekt an solchen Greueln beteiligten. Man kann dieses von Seiten der Christen keineswegs damit abtun, daß es sich um eine einmalige Entgleisung gehandelt hätte, aus der wir gelernt hätten. Gelernt hätten wir Christen und Nichtchristen daraus nur dann genügend, wenn man sich heute nicht mehr ähnliches und nicht noch viel schlimmeres an menschlicher Handlung und Verirrung als den Holocaust vorstellen könnte.
Für einen gläubigen Christen, der sich einst im Jenseits und derart bereits jetzt mit der Wahrheit konfrontiert weiß, gilt solches Alibi eben nicht. Und selbst ein Atheist könnte einsehen, daß es dabei gerade der Glaube an jene Konfrontation mit der Wahrheit war und ist, - selbst wenn es solche niemals tatsächlich geben sollte, wie es aber nur der Atheist glaubt - , daß es der christliche Glaube ist, der verhindert, daß wir uns mit einer falschen zeitgebundenen Logik und Konvention dann in einer solchen quasi selbst einzementieren und damit in der Entwicklung unserer Erkenntnis stehenbleiben, sondern, daß uns nicht nur Kritik, Wahrheitsliebe und notwendige Glaubwürdigkeit und ein edles Gewissen treiben, in Erkenntnis, Wahrhaftigkeit und Selbsterkenntnis weiterzukommen, sondern eben auch der Glaube an die unvermeidliche Konfrontation mit Gott selbst und mit jedem Wort, das wir Christen verkünden.
Die zu meisternde Schwierigkeit läßt sich heute wahrscheinlich nur mit der (ebenfalls nur scheinbaren) Selbstverständlichkeit unserer Sprache deutlich machen, die man natürlich ganz zurecht ebenso als Konventionsmüllplatz von sehr viel Unsinn und Unart entlarven kann, und zwar nicht nur bezüglich vieler gedankenloser Bezeichnungen und unsinniger Begriffe, sondern die man auch in ihrer Struktur als Zwang, als Joch, als Fremdbestimmung, als Beteiligung am Gruppenzwang und Gehorsam wie Unterwerfung sehen kann, was ja alles auch richtig ist, wie ich es in meinem Brief an Pfarrer Metz etwas ausführlicher bereits formulierte. So geht z.B. im Deutschen die sprachliche Form des Wortes „Begriff" auf Greifen und Begreifen mit Händen zurück und ist damit bereits eine ganz unhaltbare Definition von Erkenntnis, und ist zudem als Bezeichnung dessen, wie wir das Wort inzwischen gebrauchen, sicher ein Anachronismus. Was für den konkreten „Tisch" in einer konkreten Zeit und in einer konkreten Küche z.B. eventuell gelten könnte, den wir sehen, vermessen und anfassen können, kann natürlich eben nicht für den allgemeinen Begriff „Tisch" gelten, der nirgendwo konkret und gegenständlich existiert und angefaßt werden könnte, höchstens als abstraktes Ideal in einem anderen Reich der Ideen, wie es Plato annahm. Und dieses Bestehen von förmlichem Nonsens gilt für viele Begriffe, wenn nicht für alle.
Aber dennoch ist für uns Menschen die fragwürdige Struktur der Sprache wie auch das Bestehen und die weitere Gültigkeit von Worten und Begriffen die unverzichtbare Voraussetzung, um überhaupt sprechen zu können; und ist die andere Voraussetzung, daß wir Menschen uns in der Kommunikation dann vielleicht auch dahin entwickeln können, auch jene Problematik der Sprache zu lösen, - was aber eben nicht durch einfache die Ablehnung oder Aufgabe von Sprache oder irgendeiner Sprache gelingen kann. Der Versuch einer alternativen, reinen Begriffsschrift, wie sie von Gottlob Frege existiert, zeugt deutlich davon, daß wir Menschen uns erst ganz am Anfang solcher Selbsterkenntnis befinden und auch bei dem Gebrauch solcher reinen Begriffsschrift noch ganz und gerade dann auf unsere Normalsprache angewiesen sind. Und in ähnlicher Weise gebrauchen wir im religiösen Bereich aller Kulturen die elementaren Begriffe Jenseits, Auferstehung und Himmelfahrt mit Bildern, die z.B. nie und auch heute nicht etwas mit einer Raumfahrt zu tun hatten und haben und zu tun haben sollen und in diesem Sinne sicher falsch sind, obwohl es gerade das Jenseits ist - und eben nicht die jeweils richtige oder falsche Beschreibungsform! -, das es zu erkennen und zu vergegenwärtigen gilt, wozu jene Umschreibung und Erzählung schon immer und auch heute noch die Voraussetzungen sind, um überhaupt verstehen zu können, was gemeint ist und was erkannt werden soll.
So ist nicht nur das Alte Testament sondern gerade das Neue Testament eben nicht eine Sackgasse auf dem Weg des Menschen zu Gott wie zu sich selbst und zum Mitmenschen, wie Sie es darzustellen versuchen, sondern war, ist und bleibt die unverzichtbare Voraussetzung für ein wachsendes gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Verständigung auch über sich selbst, nämlich über die eigenen konfessionellen, religiösen und kulturellen Grenzen hinaus.
Die Schwierigkeit, dieses zu reflektieren, liegt dabei vereinfacht dargestellt darin, daß eine Progression in Erkenntnis und Selbsterkenntnis bzw. sogar eine Emanzipation durch Reflexion - eben nicht der Sprachformen, sondern Emanzipation von eigenen Denkinhalten bedeutet, und eigentlich nur vergleichbar ist mit der Schwierigkeit, an sich selbst hochzuklettern oder sich selbst als Stufe zu benutzen, was eben wohl nur dadurch möglich ist, wenn die Form der eigenen Denkinhalte durch ihre Gültigkeit oder Konventionalität innerhalb einer sozialen Allgemeinheit quasi getragen oder gerechtfertigt ist und dabei gültig bleiben muß. Hierin liegt wohl der merkwürdige Umstand begründet, daß wir auch individuelle Identität nicht nur in der Eigenart und Sonderart und Unterscheidung von anderen sehen und empfinden, sondern im Gegenteil in der Übereinstimmung mit anderen, mit Konvention, Religion, Konfession und Kultur. So ist die Voraussetzung einer individuellen wie weltweiten Entwicklung im gegenseitigen Verständnis zugleich die Hauptschwierigkeit. Denkinhalten daß es keinesfalls gleichgültig ist, was an Inhalt dabei zur gemeinsamen, gültigen  Metapher bzw. zur Form oder zur Stufe wird, sei es eine Formulierung von etwas, wie das Glaubensbekenntnis oder die ganze Bibel, sei es die Form der Kirche, die Form des Gottesdienstes, sei es der Turban, das Kopftuch und selbst der Tages- und Jahresrythmus u.s.w., sondern liegt in der Notwendigkeit, daß dieses irgendwie ist oder geschieht, und zwar inklusive dessen, wie es geschieht, - auch eben als solche Schere, die um so deutlicher wird, je größer die Verunsicherung ist, damit Frage, Antwort und Kommunikation überhaupt möglich sind.

Mit dem nun unvermeidlichem Einwand Ihrerseits, falls nun tatsächlich Mensch und Menschheit derart mit der Hilfe von Konventionen auch aus Fehlern lernen würde, selbst wenn dies derart möglich wäre, verbinde sich die weitere Frage, ob denn nun dabei nicht im Gegenteil gerade das konservative, konventionelle Christentum samt der christlichen Kultur versagt habe oder ob nicht dabei gerade das konservative Christentum selbst die Ursache oder zumindest der Verstärker gerade des Fehlverhaltens ist, wie es Marx oder Lenin formulierte und wie es Milosowitsch mit seinem christlichen Kulturbewußtsein gegen den Islam, und wie es wohl nicht viel anders der konservative Islam gegen das christliche Serbien demonstrierten, stellt sich auch mir selbst die weitere Frage, was wir Christen oder Nichtchristen allesamt denn hätten vorher gelernt haben können oder zumindest nun lernen oder tun sollten, wenn nicht die drohende Einsicht, jenen konventionellen Inhalt samt konventioneller Form von alter Religion und versteinerter Kulturform aufzugeben und sich in die hedonistische Libertinage der reichen Industrieländer zu stürzen, wie es der Islam und auch der Hinduismus fürchtet, wo nur noch Geld und Justiz, die ja gerade in einer Demokratie Konsens und Konvention sind,  Möglichkeiten und Grenzen, Wert und Unwert des Menschen bestimmen.
Zumindest eine - eher nonkonformistische - Einsicht dürfte in solchem Kontext heute interkulturell und weltweit an Boden gewinnen und ist wohl dabei, auch gemeinsamer Teil und gemeinsame neue Dimension aller Religionen werden, daß nämlich bei den größten Übeln in Gegenwart und Vergangenheit die politische und ideologische Instrumentalisierbarkeit von Konventionen sowohl die strengsten Gläubigen - aber auch gerade die schlimmsten Verbrecher - dazu verführt, die Gläubigen zu instrumentalisieren, und daß gerade das Konventionelle von Glaubensformen dazu verführt, sich dann auch instrumentalisieren zu lassen, - und zwar gerade angesichts von drohender Verunsicherung, von drohender Gottlosigkeit und Kulturlosigkeit, womit aber keineswegs und auch nicht im Ansatz schon verstanden wäre, was die Instrumentalisierbarkeit von Glaubensbekenntnis und Lehre, von Kleidung und Architektur, von Sprache und Lebensgewohnheiten eigentlich ist und nicht ist, denn die genannte Einsicht ist nur der halbe Schritt über den Abgrund der Selbstaufgabe. Immerhin ist als Haltung hierin die Veränderung enthalten, daß sich dabei nicht mehr Staat und Wissenschaft der Kirche bzw. dem Diktat der Religion entzieht, sondern umgekehrt, die Kirche bzw. die Religion dem staatlichen Zugriff und der Unterordnung unter Wissenschaft und Justiz, was nicht weniger problematisch ist, wie wir es seit dem Mittelalter gelernt haben könnten, es aber wohl nicht taten, weil der Universalienstreit, der dort im Hintergrund wieder deutlich wird, wenn wir nach dem Wert des Menschen fragen, bis heute ungelöst blieb und durch die ungeheure Dignität von Recht, Wissenschaft und Technik nur verdeckt, nicht aber beantwortet wurde.
Denn sicher ist, daß diese Einsicht nur eine halbe und nur ein halber Schritt wäre, und zwar genau in den Abgrund hinein, den man fürchtet, nämlich in die Vergegenständlichung und Versachlichung des Menschen samt seiner Ansichten, was die Nominalisten den Universalien vorwerfen und dem selbst um so schlimmer verfallen, und zwar gerade dadurch, daß man ihn als instrumentalisierbares Instrument ansprechend vor der Instrumentalisierung warnt oder bewahren will, womit man nicht nur Gott, sondern auch das Göttliche des Menschen, nämlich seinen freien Willen, nicht weniger ausklammert, als es die Wissenschaften in ihrem dogmatischen Empirismus tun zu müssen glauben, was scheinbar paradoxer Weise bedeutet, daß sich der Glaube und der Gläubige eben nicht damit aus Wissenschaft und Politik und aus jener Schere verabschieden kann, sowenig, wie er sich deren Sachzwängen entziehen aber auch nicht beugen darf, weil er vor sich selbst, vor seinen Mitmenschen wie vor Gott verantwortlich bleibt. Dieses klingt selbstverständlich und geradezu trivial, als drehe man sich ohne Antwort im Kreis, was Form und Inhalt aller religiösen und ethischen Gott- und Menschvorstellungen betrifft. Aber die Reflexion des schwierigen Spagats ist keineswegs einfach, auch wenn er Schritt für Schritt seit Jahrtausenden stattfindet, wo nicht Religionen und Kulturen sich wegen der fehlenden oder nicht weiter möglichen Emanzipation beschriebener Art in Nichts auflösen mußten. So mußte die Entwicklung innerhalb der dogmatisierten naiven Sonnenverehrung der Ägypter als Fundament ihrer Kulturordnung und Konvention spätestens an dem Punkt enden, wo die Erkenntnis evident wurde, daß die Sonne ein unbelebter und gehörloser toter Stern oder Feuerball ist, womit die kulturelle Macht verloren war und sich nur Konventionsfetzen über andere Kulturen verstreuten und dort als Aufbaustücke für ganz andere Entwicklungen benutzt wurden.
So geht  gerade der Bezug auf den ungegenständlichen jüdischen Gott, soweit er mehr als alle konventionalisierten Aussagen und Vorstellungen über ihn gilt, dann auch über alle Konventionen hinweg, ohne sie deswegen aufgeben zu müssen und zu verlieren. Ein schönes, rührenden Beispiel soll dies veranschaulichen: In allen Kulturen der Welt wie auch bei unseren kulturellen Vorfahren, den Germanen und Kelten wurde fast übereinstimmens menschliche Enttäuschung und seelischer Schmerz als Herzeleid umschrieben, was auch heute noch verstanden und als Sprachform benutzt wird, auch wenn inzwischen längst ebenfalls Konsens und Konvention bezüglich des Inhalts lautet, daß wir es bei solchem Schmerz mit einem psychischen und psychophysischen Phänomen zu tun haben, und das wir das Herz als Muskel definieren, der den Blutkreislauf bestimmt und durch Hormone und andere Botenstoffe beschleunigt oder verlangsamt werden kann, die aus Rückenmark oder Gehirn stammen. Einfach einzusehen ist dabei, daß ein alter Begriff als Metapher oder Bezeichnung für eine alte Bedeutung von Leid dennoch brauchbar bleibt und keineswegs zu einer falschen Definition des Herzens verleiten muß. Schwieriger einzusehen ist dabei, daß die Emanzipation zu einer wissenschaftlicheren empirischen Definition des Herzens durchaus auf alten Vorstellungen aufbaut, aber dann etwas ganz anderes findet und meint, als es die alte Vorstellung meint und auch weiter ist, wenn auch die alte Vorstellung trotz Emanzipation zu einer neuen so undeutlich bleibt, wie vorher, und daß die neue Vorstellung offensichtlich keine unmittelbare Erweiterung der alten Ahnung war. In ähnlicher Weise ist uns der Schritt von der alten Bedeutung "Himmel" zu einer neuen Bedeutung im Sinne von "Weltenraum" oder "Weltraum", wie schon gesagt, vertraut, ohne daß wir dabei die alte Bedeutung aufgegeben hätten und etwa bei einer Himmelfahrt Jesu oder Mohammeds und Buddhas an eine Raumfahrt dächten und ohne daß wir scheinbar letztere Bedeutung zum besseren Verständnis der ersteren Bedeutung benutzen könnten, weil wir es nun mit zwei unterschiedlichen Begriffen zu tun haben, für die wir meist auch schon unterschiedliche Bezeichnungen verwenden.
Schwierig ist die Reflexion darauf in Form von Menschenkenntnis und Selbsterkenntnis und ist nach 500 Jahren, seit wir "Himmel" in zwei unterschiedlichen Bedeutungen als zwei unterschiedliche Begriffe benutzen, keineswegs abgeschlossen, daß nämlich hier durchaus weiter eine Korrelation besteht, wenn auch erstere und ältere Begrifflichkeit nicht mehr in der letzteren, wissenschaftlichen Begrifflichkeit enthalten zu sein scheint, was aber zu denken nur gewollt und bewußt scheinbar vermieden werden muß, um wissenschaftlich bleiben zu können, d.h. um letztere Begrifflichkeit überhaupt denken und erhalten zu können.
Obwohl wir dabei durchaus von einer Entwicklung und Emanzipation in Bewußtsein und Wissenschaft bzw. Wissenschaftlichkeit sprechen, leugnen wir dieses aber - wenn auch indirekt, indem wir in Lehre und Disposition nun von Zweierlei sprechen, das miteinander nur noch eine geschichtliche- aber keine inhaltliche und kausale Verbindung mehr habe, was denn dann auch nicht nur die Reflexion, sondern in der Folge auch die letztere Erkenntnis zu einer nur halben bzw. falschen Erkenntnis macht mit der Gefahr, damit auch die erstere und ursprüngliche Vorstellung von Himmel nicht nur zu ignorieren, zu übersehen, zu vergessen oder als falsche und irrtümliche zu empfinden, sondern sie in der Tat mit dem Maß der neuen Bedeutung zu messen und gar nicht mehr oder falsch und irrig zu verstehen.
Schwierig dabei ist, daß man im Normalfall in der Tat eine Stufe nicht um ihrer selbst willen benutzt, sondern, um etwas ganz anderes zu erreichen, wobei aber in unserem Fall oder Beispiel der Mensch sowohl Stufe ist wie auch dieses Ziel bleibt, so daß genau dieses nicht nur vergessen, sondern auch verfehlt wird mit der Konsequenz, daß wir nun diese Stufe, nämlich die alte Vorstellung von Himmel, die in der Tat subjektiv und ungenau war und bleibt, im Vergleich mit der neuen Einsicht als Mensch und menschlich und subjektiv zu überwinden und verlassen zu können glauben und die neue Erkenntnis, nämlich die, über das reale menschliche Muskelorgan Herz oder den heute befahrbaren Weltenraum als reales Objekt und als objektive und damit wahre Erkenntnis erreichen, was nun keineswegs mehr als Selbsterkenntnis gilt, weil nun auch die Wahrheit nicht mehr im subjektiv befangenen Menschen liegt, sondern außerhalb von ihm in dem realen Objekt, in jenem Muskelorgan oder im Weltenraum, wo sie nur gesucht, untersucht, gemessen und derart gefunden werden braucht.
Gerold Prauss beschreibt nahezu alle Folgen an Denkfehlern aus dieser nur halben Reflexion besser, als es hier möglich wäre, - und auch den derart unvermeidlichen Absturz in den Abgrund des Selbstverlustes.
Weniger offensichtlich wie in unseren beiden Beispielen Herz und Himmel aber ist dieses Fehlverhalten und zwar auch als Folge dieser Schwierigkeit bei der Anwendung und Entwicklung von Konventionen in komplexeren Zusammenhängen einzusehen wie z.B. in der Mathematik, und zwar als Reflexion auf die Entwicklungsstufen vom einfachen Zählen zum religiösen Phytagoraismus bereits höherer Mathematik und Geometrie dann zum modernen sachlichen, wissenschaftlichen und objektivem Gebrauch, weil wir dabei inzwischen ganz selbstverständlich bereits von einem benutzbaren Instrument ausgehen, dessen Mechanismus sich aber nicht anders als bei den vorherigen Beispielen „Herz und Himmel" objektiv nun aus den Zahlen und geometrischen Figuren und Gesetzen zu ergeben scheint, wie er denn auch erforscht und abgeleitet werden kann und wird, wie sich Vorgänge im Weltenraum und die Ereignisse im und am menschlichen Herzmuskel ebenfalls aus deren Beschaffenheit zu ergeben scheinen.

Es liegt im Wesen und Wahrheitskriterium einer Konvention, daß sich die Richtigkeit dadurch ergibt, weil sie von allen, die zu solcher Konvention gehören, für wahr gehalten wird. 


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