Literaturempfehlung  zu Jesus, aus:  Rainer Riesner: Der Ursprung der Jesus-Überlieferung.

 


© Copyright by Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell, ISBN 3-921113-02-4

Wer in einem knapp, verständlich und doch ausgesprochen sachkundig geschriebenen Band eine dem vorgetragenen An­satz entsprechende Bewertung der Quellen und ein überzeugen­des Jesus-Bild finden möchte, der ist sehr gut bedient mit Stefan Lämmer, Lebensspuren. Was wir über den historischen Jesus wissen, Metzingen 1997. Eine hervorragende Darstellung Jesu in seiner jüdischen Mitwelt gibt einer der Pioniere bei der Er­forschung der Schriftrollen vom Toten Meer: Otto Betz, Was wissen wir von Jesus? Der Messias im Licht von Qumran, Wuppertal 1999. Mit mancherlei Behauptungen über das Ver­hältnis der Evangelien zu den essenischen Texten vom Toten Meer setzen sich kritisch auseinander: Otto Bett/Rainer Ries­ner, Verschwörung um Qumran? Jesus, die Schriftrollen und der Vatikan, Rastatt 1999. Eine Schneise in die esoterische Je­sus-Literatur schlägt Joachim Finger, Jesus — Essener, Guru, Esoteriker, Mainz-Stuttgart 1993. Ein Heilmittel gegen die grassierende Begeisterung für außerevangelische Jesus-Überlieferungen ist Frederick F. Bruce, Außerbiblische Zeug­nisse über Jesus und das frühe Christentum (bearb. Eberhard Güting), Gießen 31998. Die Kontinuität zwischen dem Selbst­anspruch Jesu und dem Bekenntnis der nachösterlichen Ge­meinde zeigt Markus Bockmuehl, Jesus von Nazareth — Messias und Herr, Wuppertal 1999. Sehr materialreich ist das Werk von Martin Hengel/Anna-Maria Schwemer, Der messianische An­spruch Jesu und die Anfänge der Christologie, Tübingen 2001. Wer ein Buch sucht, das zuverlässige Informationen mit einer evangelistischen Einladung verbindet, dem dienen Roland Wer­ner/Guido Balles, Faszination Jesus. Was wir wirklich von Je­sus wissen können, Neukirchen-Vluyn 21998. Eine kurze Dar­stellung meines eigenen Bildes vom Wirken Jesu habe ich vor­gelegt mit Jesus von Nazaret, in: Emma Brunner-Traut, Die Stifter der großen Weltreligionen (Herder Spektrum 4669), Freiburg 31998, 62-93.

Eine ausführliche und meist faire Darstellung des Diskussions-Standes geben: Gerd Theißen/Annette Merz, Der historische Jesus. Ein Lehrbuch, Göttingen 21997. Eine flott geschriebene, aber nicht unbrauchbare Einführung für einen weiteren Kreis bietet der amerikanische Starjournalist Lee Strobel, Der Fall Jesus. Ein Journalist auf der Suche nach der Wahrheit, Aßlar 1999. Auf welchem Niveau sich in neuerer Zeit englischspra­chige evangelikale Exegeten in die Debatte einschalten, kann man nachlesen bei Craig L. Blomberg, Die historische Zuver­lässigkeit der Evangelien, Nürnberg 1998. Der Band fasst ein Forschungsprojekt der bibelwissenschaftlichen Forschungsstätte Tyndale House in Cambridge zusammen, zu der bisher in Deutschland leider ein Gegenstück fehlt. Vom selben Verfasser stammt ein Band, der ausgesprochen konstruktiv in das für die Frage nach Jesus so wichtige Gebiet der Gleichnisforschung einführt: Die Gleichnisse Jesu. Ihre Interpretation in Theorie und Praxis, Wuppertal 1998. Wer selbst Englisch liest (und das gehört heute zum akademischen Standard), der findet reiche Information in dem von Joel B. Green, Scot McKnight und /. Howard Marshall herausgegebenen Dictionary of Jesus and the Gospels, Downers Grove-Leicester 1992. Dieser Band ist Teil einer ganzen Serie von Lexika über das Neue Testament, die im Verlag der englischen Studentenmission (Intervarsity Fellowship) erscheinen. Preisgünstig gibt es einen Nachdruck von Helmut Burkhardt u. a., Das Große Bibellexikon I-III, Wuppertal-Gießen 21990. Wichtige neue Jesus-Literatur habe ich besprochen in: Rückfrage nach Jesus, Theologische Beiträ­ge 30 (1999) 328-341, 31 (2001) 152-162 (die Serie wird fort­gesetzt). Die Zweimonatszeitschrift Theologische Beiträge, die im Auftrag des Pfarrerinnen- und Pfarrer-Gebetsbundes (PGB) herausgegeben wird, kann von Studierenden der Theologie und der Religionspädagogik für zwei Jahre kostenlos bezogen wer­den (Bestellungen an Theologische Beiträge, Leserservice, Postfach 40 65, 58426 Witten).

Wichtig für die Frage der frühen Jesus-Überlieferung ist das Bild, das man sich von der ältesten palästinischen Gemeinde macht. Gegen die Annahme eines weitgehend ungebildeten

Urchristentums wende ich mich in Essener und Urgemeinde in Jerusalem. Neue Funde und Quellen, Gießen 1998. Wertvolles Material zur Frage von schriftlicher und mündlicher Überliefe­rung in der Antike bietet Alan R. Millard, Pergament und Papy­rus, Tafeln und Ton. Lesen und Schreiben zur Zeit Jesu, Gießen 2000. Beide Bände sind in der von mir herausgegebenen Reihe Biblische Archäologie und Zeitgeschichte (Bd. 6 und 9) er­schienen, in der fortlaufend aktuelle Beiträge zu diesem The­menbereich veröffentlicht werden. Die älteste ausführliche lite­rarische Quelle über Jesus sind die Briefe des Apostels Paulus, die mehr Bezüge auf Jesus-Überlieferungen enthalten, als ge­meinhin angenommen wird. Das zeigt David Wenham, Paulus -Jünger Jesu oder Begründer des Christentums?, Paderborn 1999. Eine hervorragende theologische Zusammenschau ver­mittelt uns Peter Stuhlmacher, Biblische Theologie l: Grundle­gung. Von Jesus zu Paulus, Göttingen 21997. Dass schon allein zeitlich und räumlich eine enge Beziehung zwischen Jesus und Paulus besteht, versuche ich zu zeigen in: Die Frühzeit des A-postels Paulus. Studien zur Chronologie, Missionsstrategie und Theologie (Wissenschaftliche Untersuchungen 1/71), Tübingen 1994.

Gegen die falsche Alternative Verkündigung oder Geschichte argumentiert mit profunder Kenntnis der modernen Folklorefor­schung Samuel Byrskog, Story äs History - History äs Story. The Gospel Tradition in the Context of Ancient Oral History (Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 1/123), Tübingen 2000. Einiges Aufsehen erregt hat der Beitrag des katholischen Theologen Hans-Joachim Schulz, Die aposto­lische Herkunft der Evangelien, Freiburg 31997, der in der re­nommierten Reihe Quaestiones disputatae (Bd. 145) erschien. Derselbe Verfasser hat das ebenfalls viele überraschende Werk des berühmt-berüchtigten anglikanischen Bischofs John A. T. Robinson aktualisierend bearbeitet: Johannes - das Evangelium der Ursprünge, Wuppertal 1999. Auch wenn man ihm nicht in allem folgen wird, ist zu diesem Thema provozierend zu lesen: Klaus Berger, Im Anfang war Johannes. Datierung und Theo-

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logie des vierten Evangeliums, Stuttgart 1997. Bis auf weiteres nur Englisch zu haben, aber dennoch für eine gediegene Infor­mation unverzichtbar Martin Hengel, The Four Gospels and the One Gospel of Jesus Christ, London-Harrisburg 2000. Wer etwas für sein Französisch tun möchte, hat in Philippe Rolland, L'origine et la date des evangiles synoptiques. Les temoins ocu-lairs de Jesus, Paris 1994 eine spannende Lektüre.

Mit der historischen Hypothek der klassischen Formgeschichte setzt sich ein norwegischer Neutestamentler und heutiger Bi­schof auseinander: Ernst Baasland, Theologie und Methode. Eine historiographische Analyse der Frühschriften Rudolf Bultmanns, Wuppertal 1992. Erfreulicherweise sind zwei Klas­siker wieder greifbar, die für den von mir vertretenen Ansatz wichtige Vorarbeit geleistet haben, nämlich Heinz Schürmann, Jesus - Gestalt und Geheimnis (hrsg. Klaus Scholtissek), Pa-derbom 1994 und Birger Gerhardsson, Memory and Manu-script. Oral Tradition and Written Transmission in Rabbinic Judaism and Early Christianity with Tradition and Transmis­sion in Early Christianity, Grand Rapids 1998 (1961/64). Im­mer noch anregend zu lesen sind Beiträge der beiden älteren, konservativen Exegeten Theodor Zahn, Grundriß der Geschich­te des Lebens Jesu, Neuhausen 1999 (1928) und Adolf Schlat-ter, Geschichte der ersten Christenheit (hrsg. Rainer Riesner), Stuttgart 6J983 (1926); Die Geschichte des Christus, Stuttgart 1984 (1923). Leider nur noch antiquarisch zu erhalten sind die in mehrerer Hinsicht immer noch grundlegenden Werke von Martin Albertz, Die Botschaft des Neuen Testaments 1/1—2, Zü­rich 1947/52 und Joachim Jeremias, Neutestamentliche Theo­logie I: Die Verkündigung Jesu, Gütersloh 1988.