Aus „Evangelikale Bewegungen“ von Reinhard Hempelmann, EZW 206, nur kurz zur Diskussion bei „Jesus.de“

 

Kritischer Vorbehalt : Was bei den gegenwärtigen Philosophen von Kant, Heidegger, Rorty bis Habermas – und natürlich Gerold Prauss - als selbstverständlich bekannt vorausgesetzt wird, nämlich die erkenntnistheoretische (epistemologische) Reflexion auf die grundsätzliche Grenze menschlicher Erkenntnis, Wahrheit nur als Übereinstimmung der Wahrnehmenden, usw. , muß bei den angesprochenen christlichen Lesen schlicht wegen eines entsprechenden Bildungsdefizit’s übergangen werden.

Sind Christen halt zu blöd dafür, - ??????

Droht hier ein neuer Averoismus, die Behauptung oder Annahme einer doppelten Wahrheit, was einst zurecht von der kath. Kirche verboten wurde: die eine Wahrheit für die Ungebildeten und eine andere für die Gebildeten, die Akademiker und Theologen, - was im Islam dann zum Verbot der letzteren führte, womit zugleich die Emanzipation des Islams abgewürgt wurde.

Das, was Hempelmann beschreibt und als Problem regelrecht selbst als eine Unvereinbarkeit „bibeltreuer“ Gläubigkeit mit akademischer, textkritischer Aufgeklärtheit demonstriert, macht mich zunehmend ärgerlich, - als gäbe es keine Vereinbarkeit.

An anderer Stelle werde ich etwas ausführlicher formulieren, wie dieser Knoten zwischen Christen zu lösen ist. Ich beginne meist als ersten Schritt notwendiger Reflexion mit der Feststellung, daß Tinte nicht denken bzw. keine Gedanken – weder menschliche noch prophetische noch göttliche Gedanken und Erkenntnisse - haben kann. Mit der bestimmten Form eines Wortes (vokal oder graphisch) benutzt der jeweilige Schreiber ein quasi vereinbartes Zeichen für eine bestimmte Bedeutung, wie sie der Schreiber in seinem Kopf hat. - Die Bedeutung selbst aber bleibt im Kopf des Schreibers. D.h. auch in der Bibel findet man keine Bedeutungen oder Wahrheiten oder Gedanken, die z.B. dem Leser dann beim Lesen wie Flöhe vom Papier ins Auge und dann ins Gehirn hüpfen könnten. Wie der Leser dies Zeichen deutet, ist allein Sache des Lesers, wie er z.B. die jeweiligen Vereinbarungen kennt oder versteht.

Hier kommt dann der 2. Schritt:

Nämlich genau dies aber, das jeweilige Verständnis des jeweiligen Lesers der Zeichen, kann nur Gott kennen und erkennen. Und wenn sich Gott dann dem Leser der Bibel bei der Bibellektüre selbst zu erkennen gibt, ist dies nicht eine Wirkung der Zeichen, sondern der Handlung Gottes, - was dann von einfachen sowie „emanzipierten“ Christen, die dies nicht reflektieren, oft als Wirkung der Buchstaben, Wörter und Zeichen mißverstanden wird, - worüber es hier dann zum gänzlich unnötigen Streit kommt.

 

© Friedhelm Schulz

 

 

 

Die fünf Fandamentals: Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift, Jungfrauengeburt, Sühnetod, leibliche Auferstehung, sichtbare Wiederkunft Christi

 

(Man) Er (der Literalist) sagt: „Wenn das Wort ,Tag' im Schöpfungsbericht nicht mehrTag bedeutet, sondern irgendeinen völlig andersgearteten Zeitraum, dann ist die Auslegung der Heiligen Schrift ein hoffnungsloses Unterfangen."" Der Enthusiast zitiert Mk 1 6,1 7t („Die Zeichen, die folgen werden, sind diese: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in Zungen reden, Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird's ihnen nicht schaden. Auf Kranke werden sie ihre Hände legen, so wird's besser mit ihnen") und drängt auf wörtliche Imitation. Aus dem biblischen Bekenntnis im Gottesknechtslied Jes 53 („Er trug unsere Krankheil und lud auf sich unsere Schmerzen") und dem anderen Bekenntnis aus ps 103 („Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen ... der dir alle deine Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen") wird gefolger!, daß für den Christen, sofern er nur wirklich auf Gott vertraut, ein Leben ohne Krankheit unbedingter göttlicher Wille und unsere Möglichkeit ist. „Du hast ein Recht, frei von Krankheit und Gebrechen zu leben ... Heilung ist Teil deines Erbes, ein Teil des Segens Abrahams; aber damit du in deinem Erbe leben kannst, musst du selbst deinen Glauben dafür einsetzen und es als Realität in deinem Leben annehmen/"'

Beide, der Literalist und der Enthusiast, der Wort- und der Geistfundamentalist vertreten eine wortwörtliche Bibelauslegung. Sie würden den so genannten fünf „fundamentals" des christlichen Fundamentalismus

(Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift, Jungfrauengeburt, Sühnetod, leibliche Auferstehung, sichtbare Wiederkunft Christi),

wie sie im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts in den USA formuliert wurden, zustimmen, ebenso den grundlegenden Sätzen, die bereits im Vorfeld der Entstehung des protestantischen Fundamentalismus im so genannten „Niagara Creed" festgehalten wurden."' Der eine leitet daraus eine kreationistische Position ab und ist daran interessiert, eine alternative Biologie und Geologie aufzubauen, dem anderen liegt an einer christlichen Psychologie oder am Powermanagement in der Kraft des Heiligen Geistes. Der Literalist sagt: „Mit der Entstehung des Kanons der Schrift ist die Zeit der Wunder zu Ende." Er beruft sich ebenso auf die Schrift wie der Enthusiast mit seiner emphatischen Forderung,

 

Fußnote:

Werner Gin, Das biblische Zeugnis der Schöpfung, Ncuhausen-Stuttgart l 983, 41. Kenneth Copeland, Willkommen in der Familie Gottes, München !1992, 25. Der Text findet sich bei Ernest R. Sandeen, The Roots of Fundamentalism. British and American Millcnarism 1800-1830, Chicago 1970, 273. Im sog. Niagara Crecd feiner bekenntnisartigen Formulierung der Niagara-Konferenz 1878) heißt es: „Wir glauben, ,daß die gesamte Schrift durch Inspiration von Gott eingegeben ist' / 2. Tim 3, 1 6 /. Wir verstehen darunter das ganze Buch, genannt die Bibel. Wir bekennen dieses nicht in dem Sinne, wie man zuweilen törichterweise sagt, daß Werke menschlichen Geistes inspiriert seien, sondern in dem Sinne, daß der Heilige Geist vor alters den heiligen Männern die genauen Wörter der heiligen Schritten eingab, und daß seine heilige Inspiration nicht in unterschiedlichen Abstufungen erfolgte, sondern in völliger Gleichheit und Fülle in allen Teilen dieser Schriften, den historischen, poetischen, lehrhaften und prophetischen, und auch das kleinste Wort betrifft, selbst die grammatische Flexion des Wortes, vorausgesetzt daß dieses Wort in den Originalmanuskripten enthalten ist". Vgl. dazu auch Hubert Kirchner, Wort Gottes, Schrift und Tradition, Göltingcn 1998, 52.

 

 Wunder zur Normalität des christlichen Lebens werden zu lassen. Der Literalist und der Enthusiast können als streitende Geschwister verstanden werden. Da der Enthusiast die Anliegen des Literaristen mit vertreten kann, ist hier Streit in grundsätzlicher Weise vorprogrammiert, wofür es in historischer Perspektive wie auch im Blick auf die gegenwärtige Situation zahlreiche Beispiele gibt. Der Enthusiast bietet alles, was der Literalist auch offeriert, kennt jedoch darüber hinaus ergänzende, steigernde Elemente. Solche Differenzierungen zeigen, dass diejenigen Recht haben, die sagen, dass der Kern des christlichen Fundamentalismus nicht allein in dem Verständnis der Heiligen Schrift liegt, sondern in einer besonderen Art der Frömmigkeit, die vom Fundamentalisten als die einzig richtige angesehen wird. „Fundamentalisten sind keine Buchstaben-Gläubigen oder zumindest keine konsequenten. Man könnte dagegen sagen, dass das Hauptproblem für einen fundamentalistischen Exegeten in der Entscheidung liegt, welcher Abschnitt wörtlich zu nehmen ist und welcher nicht.'"7 Damit ist auch ein wichtiger Hinweis für die Erklärung des Phänomens gegeben, dass die Ausbreitung christlichfundamentalistischer Bewegungen Hand in Hand geht mit ständig neuen Abspaltungen und Denominationsbildungen. Wenn sich gegenwärtig der Enthusiasmus als chancenreicher darstellt als ein Literalismus, liegt das unter anderem darin begründet, dass er an Ausdrucksformen der religiösen Alternativkultur anknüpfen kann, für die insgesamt charakteristisch ist, dass religiöse Lebensorientierungen mit Rationalitätsskepsis und einem Hunger nach erlebbarer Transzendenz gesucht werden. In Afrika, in Südamerika, in Asien hat der Enthusiasmus zusätzliche kulturelle Anknüpfungsmöglichkeiten, die seine Ausbreitung begünstigen.

„Moderner Antimodernismus"

Fundamentalistische Bewegungen sind ein Kind der Moderne. Man muss die moderne Welt mit ihren „riskanten Freiheiten" (Ulrich Beck) in Augenschein nehmen, wenn man die Faszination verstehen will, die von ihnen ausgeht, Modernisierungsprozesse, von Soziologen vielfach unter den Chiffren „Individualisierung" und „Pluralisierung" beschrieben, bedeuten in vieler Hinsicht die Aufhebung von Sicherheiten. Sie geben dem Einzelnen neue Freiheiten, forcieren aber zugleich Bedürfnisse nach Geborgenheit. Der Fundamentalismus verspricht Eindeutigkeit. Er setzt der modernen Kultur des Zweifels eine feste Position entgegen. Er protestiert gegen kirchliche und theologische Kompromisse mit dem Zeitgeist. Er bietet Sicherheit an: in den Grundfragen des Lebens, aber auch in Fragen der Lebensführung und der Politik. Der Fundamentalismus ist ein Reaktionsphänomen, etwas Zweites, eine Art Gegenmoderne. Die Moderne mit ihren Chancen und Ambivalenzen war zuerst da, ihr nachgeborener Stiefbruder, der

James Barr, Fundamentalismus, München 1981, 77.

  

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  Fundamentalismus, antwortet auf den Abbruch der Tradition und die damit verbundene religiöse und kulturelle Identitätsgefährdung.

Vertreter fundamentalistischer Strömungen verkennen dabei zumeist ihre innere Abhängigkeit von der Moderne. Sie verweigern einerseits Modernität, andererseits beschleunigen sie Modernisierungsprozesse. Die Segnungen des Medienzeitalters werden vom Fundamentalismus ganz ungehemmt in Anspruch genommen, auch wenn das Weltbild, das er vermittelt, antimodern ausgerichtet ist. Insofern ist es korrekt, vom christlichen Fundamentalismus als „modernem Antimodernismus" zu sprechen."1

 

Fundamentalismuskritik und Fundamentalismusverdacht

Der antimodernistische Affekt, der dem Fundamentalismus anhaftet, hat zu den Weiterungen beigetragen, die den Begriff in seiner gegenwärtigen Verwendung äußerst unbestimmt gemacht haben: Nicht jede modernitätskritische Bewegung ist eo ipso fundamentalistisch. In der Medienöffentlichkeit wird heute zum Teil jede Form religiöser Hingabe unter Fundamentalismusverdacht gestellt. Insofern gibt es in unserer Kultur nicht nur das Phänomen fundamentalistischer Verfestigungen, sondern auch „die Kälte und geheime Gewalttätigkeit der säkularen Welt"1'1. Fundamentalismuskritik nimmt schnell und manchmal unbemerkt die Gestalt grundsätzlicher Religionskritik an. Atheistische Kirchenkritiker vertreten die These, dass der Fundamentalismus nicht eine verzerrte Form des Christlichen darstelle, sondern sein wahres, unterdrückerisches Gesicht zeige. Aus einer solchen Perspektive müssen alle Formen christlicher Frömmigkeit - von liberal bis evangelikal - auf die Anklagebank gesetzt werden. Jede monotheistische Religion, zu deren Offenbarungsverständnis Endgültigkeitsansprüche gehören, wird als fundamentalistisch angesehen. Der Verdacht wird ausgesprochen, dass die Anhänger der christlichen Religion Wahrheitsansprüche vertreten, die letztlich inhuman seien. Der Fundamentalismus im Kontext einer spezifischen Religion erscheint als Folge dessen, was im Grundsatz der Religion bereits angelegt ist. Solche Zuspitzungen machen deutlich, dass das Thema, das im Zusammenhang der Fundamentalismusdebatte zu behandeln ist, nicht allein der Fundamentalismus selbst sein dürfte, sondern auch „die moderne Welt" mit ihren Ambivalenzen und Fragwürdigkeiten und mit ihrem ungeklärten Verhältnis zu religiösen Wahrheitsansprüchen. Insofern verdeutlicht fundamentalistischer Protest die Dialektik der Aufklärung. „Die Neuzeit setzt mit der Befreiung durch die Religion ein. Die Moderne dagegen versteht sich als Befreiung von der Religion."4" Das Aufkommen neuer religiöser Bewegungen

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Gottfried Küenzlen, Feste Burgen, in: Materialdienst der EZW 11/1992, 313-343, hier 318. Karl Lehmann, Glauben bezeugen, Gesellschaft gestalten, Freiburg i. B r. u. a. 1993, 616. Wolfgang Huber, Der Protestantismus und die Ambivalenz der Moderne, in: Jürgen Moltmann (Hg Religion der Freiheit, München 1990, 29-65, hier 32.

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 und die Zunahme fundamentalistischer Strömungen zeigen, dass das Projekt Moderne die religiöse Thematik nicht einfach hinter sich lassen kann. Gewissermaßen kann gesagt werden, dass das Projekt Moderne ihr eigenes Gegenteil in Form des Fundamentalismus l hervorbringt. Fundamentalistische Tendenzen nehmen in dem Maße zu, in dem ein unverbindlicher und „weicher" Beliebigkeitspluralismus zunimmt. Fundamentalismus einerseits und ein antidogmatischer Relativismus andererseits stehen sich gegenüber

bei gleichzeitigen strukturellen Ähnlichkeiten.              l ,/

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Was ist falsch am christlichen Fundamentalismus?

Das Erstarken fundamentalistischer Strömungen bedeutet zwar nicht die Niederlage der Moderne, zeigt aber ihre Defizite an gemeinschaftsbildender Kraft, ethischer Verbindlichkeit und religiöser Orientierung auf. Der Fundamentalismus fordert dazu heraus, den Fragen nach eigenen religiösen Grundlagen und Orientierungen nicht auszuweichen. Er mahnt Themen an, die für eine zukunftsorientierte Kirche wichtig sind: missionarische Verantwortung, Deutlichkeit des christlichen Zeugnisses, Glaubensvergewisserung als Aufgabe pastoralen Handelns. Die Antworten, die er anbietet, sind verkürzt, falsch, teilweise äußerst fragwürdig, doch die Sehnsucht, die hinter ihnen steht, kann nicht

dementiert werden.

Im christlichen Fundamentalismus kommen Aspekte zum Tragen, die den Protestantismus von Anfang an bestimmt haben: die Orientierung am Wort Gottes (sola scriptura), die Konzentration auf das Elementare und Fundamentale, das unbedingte Vertrauen auf den einen Gott, der sich in Christus den Menschen zuwendet. Diese für den Protestantismus charakteristischen Anliegen begegnen im Fundamentalismus wieder, allerdings in fragwürdiger Form. Insofern kann man sagen, dass der Fundamentalismus eine Bewegung ist, die sich „im Zusammenhang mit Stärken und Schwächen des Protestantismus entwickelt"41. Er beantwortet die offenen Fragen protestantischer Lebens- und Glaubensgestaltung, jedoch in einer verzerrenden Weise, indem er etwa die wahre Auslegung der Bibel durch einVerbalinspirationsdogma zu sichern versucht. Was falsch ist am christlichen Fundamentalismus? Wenn seine Vertreter sagen, sie wollten die Bibel ernst nehmen, so ist dieses Anliegen berechtigt. Das Hören auf die Bibel ist eine Quelle zur Erneuerung der Kirche. Falsch am christlichen Fundamentalismus ist, dass er der Bibel ein Informationswissen zur Weltentstehung, zum Endzeitablauf und Rezepte zur Heilung von Krankheiten entnehmen will. Falsch an ihm ist, dass er die Vielfalt des biblischen Zeugnisses nicht hinreichend wahrnimmt, dass er die christliche Freiheit leugnet, dass er Stilfragen zu Grundsatzfragen macht. Falsch an ihm ist, dass er die Verbindung von Glaube und Vernunft nicht ausreichend berücksichtigt. Fundamen-

>_ -i^-t,.        l "   Joachim Track, Fundamentalismus im Christentum, in: Pastoraltheologie 81 (1992), 138-155.

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  faustische Bewegungen beantworten die Frage nach christlicher Identität hauptsächlich durch Abgrenzung - antihermeneutisch, antievolutionistisch, antipluralistisch, antifeministisch - bei gleichzeitiger Aufrichtung starker „patriarchalischer" Autorität. Eine entwicklungsbezogene Betrachtung fundamentalistischer Strömungen wird berücksichtigen müssen, dass es Prozesse gibt, die zu deutlicheren fundamentalistischen Verfestigungen führen, und solche, die auf größere Kommunikations- und Dialogbereitschaft hinauslaufen, also Prozesse von „Fundamentalisierung und Entfundamentalisierung".42 Die Frage, ob Gruppen oder Personen als fundamentalistisch zu bezeichnen sind oder nicht, ist oft weniger wichtig als die andere, in welcher Dynamik sich eine Gruppe gerade befindet. Fundamentalistische Orientierungen.sind in diesem Umfeld, vor allem bei jungen Menschen, nicht selten eine vorübergehende Erscheinung. Deshalb ist zu fragen: Sind fundamentalistischeTendenzen für eine Gruppe oder eine Person wesentlich oder stellen sie eine vorübergehende Erscheinung dar? In modernen Gesellschaften, in denen kontinuierliche Glaubens- und Lebensgeschichten nicht mehr vorausgesetzt werden können, ist es schwierig, Fundamentalist zu bleiben. Im Laute der Zeit werden manche Fundamentalisten zu Evangelikaien oder gehen auf im konservativen Spektrum des Protestantismus. Das Umgekehrte ist allerdings auch möglich. Auch wenn ökumenischer Dialog - oder bescheidener - lernbereite Kontaktautnahme mit anderen Glaubens- und Frömmigkeitsformen kein Allheilmittel gegenüber fundamentalistischen Orientierungen darstellt und in manchen Situationen auch nicht möglich ist, hilft er doch, über die eigenen Grenzen hinauszuschauen, und ist ein wesentliches Instrument, Tendenzen fundamentalistischer Verfestigung und Selbstabschließung zu begegnen. Zum Dialog gibt es keine Alternative.

Fundamentalistisches und reformatorisches Schriftverständnis

Kritische Auseinandersetzungen mit evangelikalen, pfingstlich-charismatischen und fundamentalistischen Orientierungen werden verschiedene Ebenen berücksichtigen müssen: seelsorgerliche, hermeneutische, psychologische, ethische. Der christliche Fundamentalismus - in seiner literalistischen wie in seiner enthusiastischen Gestalt - hat von Anfang an den Anspruch erhoben, das Erbe der Reformation treu zu bewahren. Der Grundsatz „allein die Schrift" (sola scriptura) steht in der reformatorisch geprägten Theologie jedoch nicht isoliert. Er steht zusammen mit anderen Grundsätzen: allein Christus (solus Christus), allein durch Gnade (sola gratia), allein durch den Glauben (sola fide). Die Autorität der Bibel ist eine abgeleitete. Sie kommt aus der Bezeugung der göttlichen Offenbarung in der Geschichte des jüdischen Volkes _und der Person Jesu. Eine theologische Kritik des Bibelfundamentalismus wird deutlich

 machen müssen, warum seine Denkformen und seine Glaubenspraxis zentrale Anliegen des christlichen Glaubens verfehlen.

Bereits die sogenannten fünf „fundamentals", auf die sich die anfängliche christlich-fundamentalistische Bewegung bezieht, artikulieren in der Themenauswahl das christliche Glaubensverständnis reduktionistisch. Sie beziehen sich auf das Bibelverständnis und das Verständnis Jesu Christi, bringen jedoch nicht die Fülle des christlichen Glaubens in seiner trinitarischen Struktur zur Geltung. In der Frage der Begründung der Glau-bensgewissheit differieren ein retormatorisches und ein wortwörtliches Bibelverständnis an einem entscheidenden Punkt. Die reformatorische Theologie verzichtete darauf, die Verlässlichkeit des göttlichen Wortes durch ein Verbalinspirationsdogma zu sichern. Ebenso verneinte sie eine prophetische Unmittelbarkeit, die sich vom Wort der Schrift und den „äußeren Mitteln" göttlicher Gnadenmitteilung loslöst, und bestand auf der Wortbezogenheit des Geistwirkens. Gegenüber einem Bibelfundamentalismus hebt reformatorisch geprägte Theologie hervor, dass es Gottes heilvolle Nähe in seinem Wort nur in gebrochenen Formen gibt. Was Paulus im Blick auf seinen Dienst sagt, gilt auch im Blick auf die Bibel: „Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen." Die Bibel ist weder in den zentralen reformatorischen Bekenntnistexten noch in den altkirchlichen Symbolen Gegenstand des Heilsglaubens. In der Bibel lässt sich Gott durch Menschen bezeugen und spricht durch die fehlerhafte Grammatik menschlicher Sprache. Deshalb gibt es kein beweisbares, kein verfügbares, kein sichtbares Wort Gottes. Im christlichen Zeugnis wird der Unterschied zur Wahrheit, die es bezeugt, gewahrt. Das göttliche Wort gibt es nicht pur. Es verbirgt sich im unzulänglichen Menschenwbrründ"lässt sich darin zugleich finden. Fundamentalistische Strömungen leugnen solche Spannungen. Sie ersetzen Gewissheit durch Sicherheit. Sie lassen sich von einer Vollkaskomentalität beherrschen, die die Wahrheit des Glaubens an den dreieinigen Gott der Anfechtung zu entziehen versucht. „Die Hauptmerkmale der fundamentalistischen Option - seines Offenbarungsbegriffs - haben zu tun mit einem zu zwanghaftem Sicherheitsverlangen sich steigernden Gewissheitsbedürfnis angesichts einer vom Zweifel und vom ideologiekntischen Verdacht geprägten Vernunftkultur."41 Demgegenüber ist festzuhalten: Jesus selbst und auch Paulus und Johannes waren, was ihren Umgang mit den hebräischen Schriften angeht, keine „urchristlichen" Fundamentalisten, auf die sich ein wörtliches Bibelverständnis mit historischem Recht berufen könnte. Ebenso wenig lässt sich vom Neuen Testament her ein Enthusiasmus legitimieren, der die Geschichtlichkeit christlicher Glaubensexistenz aufhebt. Das re-formatorische Sola-Scriptura-Prinzip wird missverstanden, wenn es in den Buchstaben des Bibelbuches verfügbar wird oder für die Aufhebung von Gottes Verborgenheit in der menschlichen Erfahrung legitimatorisch eingesetzt wird.

  

  42   Reinhart Hummel, Religiöser Pluralismus oder christliches Abendland? Darmstadt 1 995, 1 35. 36         tZW-Texte Nr. 206/2009

 

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Jürgen VVerbick, Einleitung/in: dcrs. (Hg.), Offenbarungsanspruch und fundamentalistische? Versuchung, QD 129, Preiburgl. B r. u. a. 1991, 26.

 

  Man wird sich klarmachen müssen, dass die „um sich greifende Bibelschwindsucht der Moderne" (Gerhard Ebeling) nicht nur in zahlreichen autgeklärten, sondern auch in fundamentalistischen Vorurteilen ihren Grund haben dürfte. Die Bibel wird nicht unbedingt attraktiv, wenn ihr Charakter als Glaubenszeugnis zurücktritt und man in ihr einen Vorrat zeitloser, unfehlbarer Wahrheiten und Fakten sucht und findet: zur Welterschaffung, zum Endzeitablauf, zum Ausschluss der Frauen aus dem Verkündigungsamt, zur Strategie, Krankheiten schnell und wirksam zu heilen. Das Zitieren von Bibelsprüchen wird dabei nicht selten zum Ersatz für das eigene Nachdenken. Die Bibel wird kaum überzeugend ins Gespräch gebracht werden können, wenn in ihr alles gleich gültig sein soll und von der Mitte der Bibel, dem Evangelium, keine Möglichkeit eröffnet wird, „Teile von geringerer und größerer Wichtigkeit" (Adolf Schlaffer) zu unterscheiden bzw. von einer „Hierarchie der Wahrheiten" auch innerhalb der Bibel auszugehen, um Alles-oder-Nichts-Lösungen etwa in Fragen ethischer Urteilsbildung zu vermeiden. Um einen Wort- oder auch Geistfundamentalismus aufzubrechen und zu öffnen, bedürfte

'•• es einer tieferen Wahrnehmung des Verhältnisses von Wort und Geist. Der „Buchstabe N tötet, aber der Geist macht lebendig" (2. Kor 3,6), meinte Paulus. Fundamentalistische

, Strömungen sind blind für diese Unterscheidung zwischen Buchstabe und Geist, mit der Folge, dass die christliche Freiheit verdrängt, eingeschränkt und geleugnet wird. Man kann sich bemühen, die Attraktivität eines christlichen Fundamentalismus als Antwortversuch auf die Vergewisserungssehnsucht des Menschen in komplexen, unübersichtlichen Lebensverhältnissen zu verstehen. Jedoch kann dieser Versuch nur erfolglos sein. Denn Glaubens- und Lebensgewissheit sind unverdientes Geschenk und menschlicher Verfügung entzogen. Die Bibel zeigt uns die Wahrheit des Glaubens nicht als festen Besitz, sondern den von der Wahrheit ergriffenen Menschen. Dieser Mensch ist nicht der, der auf alles eine Antwort hätte, dem sich eine nur autoritär überlieferte Wahrheit erschlossen hätte oder der ein Leben frei von Krankheit und Gebrechen führen könnte. Der Glaubende ist vielmehr der Angefochtene, der um seine abgründige Entfremdung von der Wahrheit weiß, sich von dieser selbst aber auf einen Weg gestellt sieht.

 Evangelikalismus und Fundamentalismus unterscheiden

Wenn deutsche Medien über Evangelikaie in den USA berichten, wird in der Regel vorausgesetzt, dass Evangelikalismus und christlicher Fundamentalismus im Wesentlichen identisch sind. Man sieht Kräfte am Werk, die auf der Grundlage eines wortwörtlichen Bibelverständnisses Einfluss nehmen und eine neue Ordnung für das gesellschaftliche Zusammenleben einführen wollen. Verwiesen wird auf die wachsende Bedeutung neuer freikirchlicher Gemeinschaftsbildungen für junge Menschen, die Attraktivität enthusiastischer Ausdrucksformen der christlichen Frömmigkeit, die öffentlichen Kontroversen über Veranstaltungen beim Christival in Bremen. In Fernsehbeiträgen wie „Jesus' junge Garde" (2005), „Jesus Camp" (2006), „Die Hardliner des Herrn" (2007) oder „Sterben für Jesus - Mission als Abenteuer" (2009) wurden Evangelikaie teilweise pauschal mit christlichen Fundamentalisten gleichgesetzt: Sie kämpfen gegen Homosexualität, Feminismus und Abtreibung, gegen die Evolutionslehre an öffentlichen Schulen, gegen die historisch-kritische Bibelforschung, mit Hilfe exorzistischer Praktiken gegen Dämonen und den Teufel. Sie erziehen unsere Kinder und Jugendlichen zu religiösen Eiferern. Mit fragwürdigen Mitteln verbreiten sie ihren fanatischen Glauben. Verwiesen wird für diese Annahme auf ihre seit den 1 980er Jahren zu beobachtende politische Wirksamkeit. Viele Evangelikaie waren treue Anhänger von George W. Bush. Sie unterstützten die Republikaner nachweislich im Wahlkampf 2004. Sie üben Einfluss auf die amerikanische Außenpolitik aus. Viele von ihnen waren und sind Befürworter des Irakkrieges. Ihre endzeitlichen Erwartungen machen sie zu Pro-Israel-Lobbyisten und zu engagierten Unterstützern der Siedlerbewegung. Das Erlebnis der Wiedergeburt / und die Überzeugung der unbedingten Geltung der Heiligen Schrift scheint für viele 1 "nicht nur Folgen für die individuelle Lebensführung] sondern auch politische Optionen zu beinhalten. Dies entspricht der Charakteristik fundamentalistischer Bewegungen, die auf die Krise der Moderne mit dem Bemühen antworten, „auf der Grundlage der heiligen Texte eine neue Gesellschaft aufzubauen"4;4.

Der Hang von Teilen des amerikanischen Evangelikalismus zurVerwischung der Grenze zwischen Religion und Politik kann im Blick auf Europa und Deutschland allerdings nicht bestätigt werden. Die Ausführungen haben gezeigt: Evangelikaie Strömungen gewinnen zwar auch hier zunehmend an Bedeutung, allerdings vorrangig im gemeindlichen und kirchlichen Kontext. Dabei ist auch deutlich geworden, dass sich die evan-gelikale Bewegung in Deutschland - zu ihr gehören nach Angaben der Deutschen Evangelischen Allianz ca. 1,4 Millionen Christinnen und Christen hauptsächlich aus evangelischen Landeskirchen und Freikirchen - keineswegs einheitlich darstellt. Sie

  

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 Gilles Kepel, Die Rache Gottes, München 1991, 271. \

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  umfasst verschiedene Richtungen und reicht vom in den evangelischen Landeskirchen verwurzelten pietistischen Gemeinschaftschristentum bis zu enthusiastischen und separatistischen Gruppen, die in landeskirchlichen Gemeinden „unbiblische Systeme" sehen. In der Außenperspektive lassen sich sehr unterschiedliche Positionen unter dem Stichwort evangelikal zusammenfassen. Insofern ist es schwer, von den Evangelikaien zu sprechen. Welche Evangelikaien sind gemeint: die Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium", die eine große Distanz zu populären Ausdrucksformen des Evangelikalismus äußert, oder pfingstlerisch und international geprägte Gruppen wie „Jugend mit einer Mission" oder Initiativen wie „ProChrist" und „Willow Creek" oder die Deutsche Evangelische Allianz? Stellungnahmen zur evangelikalen Bewegung und zum christlichen Fundamentalismus erfordern differenzierende Wahrnehmungen und Urteilsbildungen.

Von dem Philosophen Ludwig Wittgenstein stammt das Diktum „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache". Fundamentalismus ist ein Bewertungsbegriff, der auf die Fehlentwicklungen protestantischer Erweckungsfrömmigkeit hinweist. Er ist eine Strömung innerhalb des Evangelikalismus, seine Gefährdung. Zwar gibt es Überschneidungen zwischen Fundamentalismus und Evangelikalismus. Eine Gleichsetzung ist jedoch weder historisch noch phänomenologisch gerechtfertigt. In historischer Perspektive war die funclamenta istische Bewegung nicht Fortsetzung des Evangelikalismus, sondern ein neues, modernes Phänomen, das „aus einer Verengung des evangelikalen Erbes des 1 8. Jahrhunderts hervorgegangen"4" ist. Auch die Gründung (1942) der „National Association of Evangelicals" (NAE) ist nicht als Weiterführung des Fundamentalismus unter anderem Namen zu verstehen. Insofern lässt sich eine Identifikation von Evangelikalismus und Fundamentalismus auch im Blick auf die USA nicht rechtfertigen.41'Während fundamentalistische Bewegungen die Frage nach christlicher Identität hauptsächlich und primär durch Abgrenzung beantworten, will der Evangelikalismus stärker positiv arbeiten und nicht nur negativ auf die moderne Gesellschaft und die kirchliche Situation reagieren.

Die Fragen, die von Evangelikalen, Pfingstlern und Charismatikern an unsere Kirchen gestellt werden, müssen ernst genommen werden. Die religiösen Bedürfnisse, auf die sie eingehen, deuten auf Vernachlässigtes hin. Ihr Engagement stellt die Kirchen vor die Frage nach ihrer eigenen Erneuerungsfähigkeit und ihrer Offenheit gegenüber einer heutigen „Reformation" aus dem Geist Christi. „Die Herausforderung evangelikaler

Erich Geldbach, Protestantischer Fundamentalismus in den USA und Deutschland, Münster u. a. 2001, 89.

Vgl. zum Ganzen auch Marcia Pally, Die hintergründige Religion. Der Einfluss des Evangelikalismus auf die US-amerikanische Politik, Berlin 2008. Sie weist darauf hin, dass das amerikanische Ervveckungschrislentum keineswegs nur im Zusammenhang mit Militarismus und politischem Konservativismus zu sehen ist, sondern auch bedeutsam ist für die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten.

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 Bewegungen an unsere Kirchen liegt darin, ... angesichts einer oft formellen, unverbindlichen Christlichkeit ... in den großen traditionellen Kirchen die Notwendigkeit persönlicher Entscheidung und Verpflichtung zu erkennen und zu betonen; ... alle Formen kirchlichen Lebens, christlichen Zeugnisses und kirchlichen Dienstes ... unter die Norm der Heiligen Schrift zu stellen ... Die Herausforderung der charismatischen Bewegung an die Kirchen besteht darin, die oft unpersönlichen, konventionellen und starren Formen des Gottesdienstes zu verlebendigen, ... angesichts einer oft einseitig zweckoricntierten, intellektualisierten Frömmigkeit der Dimension des Lobpreises-bis ärrtüe Grenzen unserer Sprachstrukturen - ein größeres Recht einzuräumen; ... nicht nur in theologischen Aussagen, sondern auch im Leben der Gemeinschaft dem Wirken des Heiligen Geistes mehr Raum zu geben, damit... das Glaubensleben des einzelnen wie der Gemeinschaft gestärkt wird."

47            f)r/• '-•'-:-1 ^

Die Skizze hat die Schattenseiten und Einseitigkeiten erwecklicher Frömmigkeitsformen auch in den Blick genommen: z. B. überzogenes Machtbewusstsein, antiintellektuelle Affekte, Schwarz-Weiß-Denken, unrealistischer Wunderglaube, ein elitäres Verständnis des Christseins, ein pädagogisch problematisches Verständnis von Leiterschaft. Landeskirchliche Gemeinden werden von erwecklich geprägten Christen als Ort geistlicher Erneuerung manchmal vorschnell abgeschrieben. Pauschalisierende Beurteilungen der geistlichen Kraft der Kirchen verhindern eine realistische Wahrnehmung der pastoralen Aufgaben in den Landeskirchen sowie der komplexen religionssoziologischen Rahmenbedingungen kirchlicher Arbeit. In dem Maße, in dem dabei fundamentalistische Motive wirksam werden, erfolgt die Vergewisserungssuche in erwecklich geprägten Milieus so, dass die Gebrochcnheit christlichen Lebens nicht ernst genommen wird und der Aufbau einer Gegenwelt etwa mithilfc von kreationistischem und millenaristischem Gedankengut erfolgt.

Evangelikai geprägte Christen sollten an einer Selbstunterscheidung gegenüber fundamentalistischen Tendenzen interessiert sein. Diese können nur von innen überwunden werden. Unterscheidungsprozesse innerhalb des breiten Spektrums evangelikaler Bewegungen dürften für ihre zukünftige Entwicklung von wesentlicher Bedeutung sein. Der Mut zu solchen Unterscheidungen ist jedoch innerhalb der Bewegung wenig ausgeprägt, wie übrigens auch außerhalb der Bewegung bei ihren Kritikern. Das Erstarken evangelikaler, pentekostaler und fundamentalistischer Strömungen deutet darauf hin, dass der Nachweis von Modernitätsverträglichkeit als Zentrum christlicher Identitätsbestimmung nicht mehr ausreicht. Zahlreiche Ausdrucksformen von Modernität und die kirchlichen und theologischen Arrangements mit ihnen sind in die Krise geraten. Aufgabe für eine zukunftsorientierte und an den reformatorischen Bekenntnissen orientierte Theologie und Kirche kann nur sein, fundamentalistische Ideologisierungen

Günther Gaßmann / Harding Meyer, Neue transkonfessionelle Bewegungen, Frankfurt a. M. 1 976, 39.

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  der eigenen Glaubensbasis ebenso zu vermeiden wie eine Kapitulation vor den Dogmen gesteigerter Säkularität, die religiöse Wahrheitsansprüche pauschal unter das Fundamentalismusverdikt stellt. Die christlichen Kirchen und Gemeinden sollten einen Weg zwischen Relativismus und Fundamentalismus gehen. Sie können ihre Wahrheits- und Glaubensgewissheit mit Dialogbereitschaft und Hörfähigkeit verbinden, sie können Fundamente haben, ohne fundamentalistisch zu sein.

 

 

 der autor

Dr. theo/. Reinhard Hempelmann, geb. 1953 in Bünde/Westfalen, Pfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen. Studium der Evangelischen Theologie in Bethel und Heidelberg. Von 1980 bis 1984 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Osnabrück, 1989 Promotion in Heidelberg. Acht Jahre Dozent für theologische Fächer an Mer CVJM-Sckrctärschule in Kassel. Von 1992 bis 1998 wissenschaftlicher Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), seit 1999 Leiter der EZW, Arbeitsschwerpunkte: theologische Grundsatzfragen, Strömungen des säkularen und religiösen Zeitgeistes, pfingstlich-charismatisches Christentum.

 

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